Gerüchteküche

Gerüchteküche

Das hat schon was, dieser “Gruss aus der Gerüchteküche”. Eine leckere Kleinigkeit zum Anfüttern. Nichts genaues, etwas vage, aber doch so fein gemacht dass das Ego unbedingt mehr davon möchte. Speichelfluss setzt ein, bei manchen sogar der Geifer. Das ist auch nichts Neues, das war ja schon immer so – die Gerüchteküchen der einschlägigen “Restaurants” haben immer schon Hochbetrieb gehabt, vor allem in Zeiten der persönliche oder allgemeinen Krisen, der Unsicherheit und wenn man ganz vom eigenen Weg abgekommen war. Ganz egal wie die Restaurants und Gasthäuser auch im Laufe der Zeit geheissen haben mögen, die Küchen sind die selben geblieben, samt ihrem Prinzip. Einige Traditionshäuser sind ja überaus berühmt für ihre Küche, so zum Beispiel Das “Gasthaus zum ewigen Neider”, dann das viel besuchte “Restaurant Missgunst” und auch das Selbsbedienungsetablissement “zur späten Rache” seien da genannt, nicht zu vergessen der Gerüchte-Schnellimbis “zum aufgblähten Ego” oder die “Nörglerstube”sowie das “Haus Unvermögen” und der “Verletzer Stolz Keller”. Die Menueauswahl in diesen Häusern ist zwar durchaus überschaubar und etwas primitiv, aber sie hat dafür eine lange Tradition. So ging und geht man immer noch, wenn der eigene Weg mal holprig wird gerne dorthin um auch mal was ganz besonderes zu bestellen – und man bestellt ja selbige Infamität für die anderen gleich mit! Das ist ja das wundervolle an diesen Gerüchteküchen – sie liefern wirklich überall hin! Ganz egal ob Stadt oder Land, ausgeliefert wird immer – und man kann auch an Jene liefern lassen, die selbst gar nichts bestellt haben! Auch Abos gibt es, ganz wunderbar, praktisch. Das ist schon verlockend und beschäftigt einen mitunter das ganze Leben über. Da kann man schon mal ganz wichtig sein, so als Besteller oder auch als Auslieferer – und erst als Koch! Zudem ist die Gerüchteküche vordergründig ungemein billig – sie kostet immer nur die Wahrheit und manche Besteller und Verteiler glauben (meist zu Unrecht) ja jede Menge davon zu besitzen. Zur Not nimmt die Kasse auch die Lüge, man kann auch anschreiben lassen wenn man Stammgast ist. Am Ende aber bezahlt jeder und ganz ohne Ausnahme mit dem letzten Groschen Glaubwürdigkeit und steht dann mit leeren Taschen da, dafür jedoch mit jeder Menge schlechtem Gewissen – aber wer mag schon so weit denken?

Was man unbedingt wissen sollte über die Gerüchteküche ist, dass es mit den Zutaten, der Hygiene und vor allem den Köchen nicht grad zum Besten steht. Natürlich sind die Zutaten nicht ganz der Wahrheit entsprechend und auf einem so elendem Mist gewachsen, dass man ihn nicht mal als Dünger für was auch immer verwenden würde.  Die Neugierde (bzw. Sensationsgeilheit) ist das Glutamat für jedes eigentlich ungeniessbare Lügengericht. Halbwahrheiten sind die perfekte Garnitur und der Lügengarten ist der fleissige Hauptlieferant für all das faule Gemüse das da in die Pfanne kommt. Und die Pfanne, nun, die starrt vom ewig gleichen Fett, ranzig, abgestanden und eigentlich mehr als nur widerlich. Dennoch, es brät sich ganz toll darin. Dann die Köche: Eine ganz eigene Art von Mensch scheint das zu sein. So ohne jeden Skrupel, ganz ohne Sinn für das so Angerichtete, die Mütze aus Ego reicht bis knapp unter die rußige Küchendecke und selbst die Bemühung um ein ach so adrettes Äusseres schlägt fehl, weil der Gerüchteküchenmief doch immer verrät was man so treibt! Selbst die weisse Weste aus “ehrlicher Betroffenheit” nützt da nichts. So rühren sie das Bestellte eifrig zusammen und sind stolz auf den Lügenbrei samt verleumderischer Beilage der dann seinen Weg in die hungrige Welt findet. Natürlich empfinden sich die Köche in Tateinheit mit den Zustellern ja nur als Befehlsempfänger, schuldlos natürlich und danach, wenn sich das Ger(ü)icht dann als gänzlicher Unfug herausstellt, also ohne jeden Wahrheitsgehalt, dann wird von nichts gewusst – Schulterzucken in der Garanstalt der Lügenbarone, ein mattes Lächeln über den zerstörten Ruf des Anderen, dann rasch weiter zur nächsten Bestellung und ab damit zur Auslieferung. Übrigens: man gibt dort auch Kochkurse, das ist schon Tradition und jeder der`s lernen will, das Gerüchtekochen darf mittun! Das lernt man mancherorts bereits als Kind, wächst damit heran und hinein und die Kocherei samt Auslieferei, wie auch das Bestellen als Gast wird einem zur Natur gemacht und geht dann wie von selbst. So kocht man auch zuhause bereits tradiert, in x-ter Generation. Reichlich kreativ, viel und fett kocht man da, und schickt das Gekochte dann eillig nach draussen, denn kalt werden soll´s ja nicht! Man wird dann auch beklatscht für seine Kochkunst – und das liebt man dann schon sehr, das Wichtig-sein.

Trotzdem bleibt das Gerücht eben Gerücht und hat als Pfanne die Missgunst, als Herd das “eigentlich-keine-Ahnung-haben”, als Hauptbestandteil meist den Neid und als Zutat die Wut über das eigene Versagen (zugegeben eine geheime Zutat die nichteinmal dem Koch ganz bewusst ist). Bezahlt mit Wahrheit – und ganz egal ob im Pappteller serviert oder auf teurem Porzellan, so verdirbt dieses fiese Gericht auf Dauer die Herzen der Menschen. Es frisst sich durchs Gedärm, bei allen, bis ins Mark, auch in die Köpfe – und die Wahrheit, die Einsicht, die Fähigkeit zur Selbstbetrachtung, vor allem der Mut um kritisch zu hinterfragen werden träge, schwinden und sterben mitunter ganz ab. Dafür aber gibts “Meinung” zum Dessert, jede Menge davon, ganze Pötte voll und dazu riesige Löffel um sich gegenseitig abzufüttern bis nichts mehr geht und als Digestive, zur Verdauung des kaum Verdaubaren, reicht man ein grosses Glas “Vergessen und Verdrängen” oder aber ein Stamperl hochprozentige “Ich-bin-ja-auch-drauf-reingefallen-Mischung”. Das beruhigt ungemein. Das macht einen irgendwie selbst zum armen Opfer. Das fördert den Schlaf und dämpft das Schuldbewusstsein. Das lässt einen dran glauben dass alles wieder gut ist und vergessen. Temporär zumindest…

Da muss man schon vorsichtig sein, denn die Gerüchteküche ist weit verbreitet und outet sich nicht! Sie stellt sich ja nicht hin und sagt mit Leuchtbuchstaben “hier gibts Gerüchte!”- nein, ihre Marketingstrategie ist das Behaupten von Wahrheit. Sie ettiketiert sich einfach um, klebt sich die gefälschten Gütesiegel ans Schild. Sie täuscht dort Wissen vor wo nicht einmal Ahnung ist! Sie hat unmerklich selbst in die besten Häuser Einzug gehalten und zerstört deren Reputation im Sinne von Glaubwürdigkeit und Ehre von innen her! Sie ist das neue Fastfood für`s Ego! Sie ist das “drive-in” des verwirrten Menschen. Sie ist der Würstelstand der von sich selbst und dem Leben Enttäuschten, sie ist die Fütterungsanstalt der Wichtigtuer und Eh-schon-Wisser, der feigen Denunzianten, der Wahrheitenpantscher und Rufschädiger. Sie lockt stetig, weil sie uns von dem was an uns selbst unangenehm wahr ist, abzulenken imstande ist! Und man  glaube ja nicht dass man da ganz immun gegen sie sei! Denn Sie ist der Wirt und das Ego der willige und vor allem überaus hungrige und nie satt zu bekommende Gast! Es gibt auch keine Impfung! Es bleibt nur die Arbeit an einem Selbst, an der eigenen Haltung. Das erzeugt Antikörper und Abwehrreflexe. Es braucht vor allem aber auch einen klaren und mutigen Blick auf sich selbst. Es nötigt ein befreites Schauen auf die Welt und einen guten, authentischen Weg, der dann natürlich auch gegangen sein will.

Genug gekocht von diesem Zeug! Also ich hab mir die Freiheit genommen mir meine Lokale selber auszusuchen und am liebsten esse ich daheim, ganz ehrlich. Ich bin es leid diese unbestellten Gerichte die man mir liefert nach irgend einem Wert oder (Halb-)Wahrheiten durchzustochern. Ich geb sie in die Tonne, gleich nach Erhalt, samt der Schachtel auf der “Wahrheit” steht. Und wer mag oder wer klug ist, der kann die Gerüchtemenues selber in die Tonne treten ohne sie mir vorher in die Hand zu drücken um dann die Flucht ins “Ich-wusste-von-nichts-Land” anzutreten. Es liegt an uns, lag es immer schon! Wir selbst regeln ja das Angebot, weil wir selbst auch die Nachfrage bestimmen! Das hat mit geistiger Hygiene, dem Mut zur Wahrheit und der Arbeit an uns selbst zu tun! Es hat damit zu tun ob wir unseren Fokus halten können und es hat mit Wert zu tun, mit dem Wert dem wir unserer Lebenszeit geben und er bestimmt sich dadurch wie wir sie verwenden und wofür!

Ernsthaft: Gerüchte aus jenen Küchen sind nichts für den feinen Magen eines aufgeklärten, vernunftbegabten und vor allem eines zur Einsicht fähigen Menschen. Und falls Ihr selbst hin und wieder ungefragt so ein Gerüchte-Gericht ins Haus geliefert bekommt (wenn auch nur um es auszuliefern), dann überlegt wem es wohl nützt! – Da sind ja nicht viele deren Egos einen Nutzen ziehen könnten: Es sind der Besteller, der Koch und der Lieferant, und all zu oft ist das sogar ein und die selbe Person! Euch kostet es am Ende die Glaubwürdigkeit und das Vertrtauen in Euch selbst. Also gleich in die Tonne damit! Nicht mal zurückschicken! Gar nicht erst nach dem einen mickrigen Körnchen Wahrheit darin suchen das eventuell und zufällig seinen Weg hinein gefunden haben mag!  Nicht mal sich drüber ärgern und schon gar nicht davon kosten! Ab in die Tonne – mit Wonne! 🙂

herzlichst

Georg

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2 Comments

  • Bernadette

    Georg, das ist ein super Text- bitte breit veröffentlichen! Sollte ich, oder mein Tun und Wirken jemals von so einer Gerüchteküche betroffen sein, werde Ich mich auf deine Zeilen besinnen! Danke dafür und einen lieben Gruß aus Norddeutschland! Bernadette

  • Eveline

    habs grad gelesen, spitzfindig in den Zutaten, und rhetorisch ein Gourmet . Leckerbissen vom Feinsten, habt noch einen feinen Tag .

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