Tubenspiritualität – ei...

Tubenspiritualität – ein Rezept

Er ist dazugegeben, der obligate spirituelle Senf zum so gar nicht spirituellen aber aktuellen Tagesgeschehen. Man hat seine Meinung wieder mal erfolgreich und medial kundgetan, manche nur um auf einen Zug aufzuspringen, nur um dabei zu sein. Blöd nur wenn dieser Zug ins Nirgendwo fährt. Dumm gelaufen, wenn die Meinung schon in die Welt geblökt ist und man peinlich berührt feststellen muss, dass man einer Fehlmeldung aufgessesen ist. Nicht jeder ist eben zur Recherche fähig. Was soll´s. Das Frühjahr lässt ja rasch Gras über die Sache wachsen und bis zur nächsten Möglichkeit der Blamage, ist der Meinungsmachefehltritt ohnehin vergessen – denn das Netzt vergisst zwar nichts, die “User” aber sehr wohl und das schnell. Zudem hat man ja ohnehin nur einen “sprituellen Aspekt der Sache” beleuchtet und da ist eh alles dehnbar und nicht so ganz fix.

Der besagte Senf wird deshalb so schnell dazu gegeben da ja mittlerweile selbst die “Spiritualität” aus der Tube kommt! Gerne und viel wird sie verwendet um das eigene, fade Leben mit etwas besonderer Würze zu versehen! Tubenspiritualität ist Ersatz und Glutamat der an wahrer Spiritualität Verarmten, deren Verarmung man ihnen nicht vorwerfen kann und soll, denn auch sie sind Kinder unserer Zeit. Das Angebot an Tubenspiritualität ist gross und die Nachfrage ebenso. Da hilft es schon mal die diversen Sorten durchzuprobieren. So wird z.B. zur “Schamanismus-Tube” ausserordentlich gerne gegriffen, denn sie macht selbst das Fadeste noch irgendwie interessant. Mit ihr lässt sich noch so Banales fein garnieren (im Sinne eines “Gütesiegels”) um es als etwas ganz besonderes an den Mann zu bringen. Der grösste Quatsch gewinnt da an Interesse und der letzte Ladenhüter verscherbelt sich so wie nix. Tubenspiritualität ist eben in Mode. Tubenspiritualität ist In. Überall einen Klacks drauf, das macht das Leben schön bunt und so manches lässt sich so viel besser schlucken. Vor allem das eigene, etwas eingerostete Leben peppt man so gerne ein wenig auf. Am besten man hortet diese Tuben, ganze Schränke voll denn es muss ja lange reichen!

Die Rezeptur: Was meist übersehen wird sind die nicht ganz so harmlosen Inhaltsstoffe von Tubenspiritualität. Da ist ja so manche Zutat dabei, die in wahrer Spiritualität, also in der natürlichen und innerlich gewachsenen niemals vorkommen würde! Tubenspiritualität besteht zunächst mal aus jeder Menge Ego. So um die neunzig Prozent. Der Stoff “Ego” hält das ganze zusammen, sorgt für Konsistenz und vor allem für ordentliche Haftung! Denn das Zeug muss ja gut an einem kleben, damit der Wind der Realität einem den Matsch nicht einfach von Schultern und Augen bläst! Dann sind natürlich Farbstoffe drin und das nicht wenig! Denn das Ego soll ja auch gesehen werden. Die Farbstoffe selbst bestehen meist aus Kulturanteilen die man, im Sinne einer radikalen Extraktion, aus jenen Kulturen gewonnen hat, die man gemeinhin als “nativ” bezeichnet. Die Farbstoffe werden zuvor natürlich peinlich genau von Sinn, Erfahrung und echter  Tradition befreit, da sich das sonst nicht mit der eigenen Vorstellung vertragen würde. Es soll ja einen möglichst harmonischen Tubeninhalt abgeben. Geschmacksverstärker sind die nächste Komponente – und da geht der Trend ganz eindeutig hin zum Exotischen! Diese Aromen sind das A&O der Mischung, denn sie können im richtigen Verhätnis zueinander, wahre Wunder ver(w)irrter Abhängigkeit bewirken! Vor allem aber sind sie nötig um den faden Eigengeschmack des Tubenspiritualtitäsbenutzers zu überschreiben und darum geizt man nicht damit! Dann braucht es natürlich auch noch entsprechdne Füllstoffe, da in der Grundmasse die man so zusammengerührt hat noch keinerlei Sinn (von Verstand gar nicht zu reden) enthalten ist. Ein Mix aus Halbwahrheiten, Pseudowissen, leeren Versprechungen sowie pseudoreligiösen Ansätzen im Verhältnis 1:1 sind da gängiges Rezept. Diese Zutat täuscht Gehalt und Fülle vor und macht das Ganze auch etwas schwerer, was dem Konsumenten intellektuelles Gewicht vorgaukelt. Als Konservierungsstoff hat sich generell ein gehöriges Mass an Angst durchgesetzt. Diese Zutat ist überaus billig aber nichts desto trotz ungemein hilfreich, wenn es darum geht den “Dauergebrauch” zu forcieren und den Konsumenten so lange wie möglich bei der Stange zu halten! Vor allem fällt Angst als billiges Nebenprodukt einer Gesellschaft an, die sich von wahrer Spiritualität ab- und einem rein konsumistischen Prinzip zugewandt hat und findet so eine gewinnbringende Weiterverwendung. Am Ende wird die nun komplette Mischung sorgsam verrührt und in überaus fesche, dem sich stetig wandelnden Zeitgeist angeglichene Verpackungen abgefüllt. Diese Tuben kommen mit unterschiedlichem Design, natürlich völlig ohne Warnhinweise in den Handel und ganz ehrlich, das Zeug geht weg wie die warmen Semmeln!

Die Verwendung: Tubenspiritualität ist ein “Allroundprodukt”! Es poliert eine angeschlagenes Ego wieder auf Hochglanz und füllt so manche Delle in der angedepschten Persönlichkeit. Gehörig viel davon und der Konsument fühlt sich als Nabel der Welt, selbst die schlechtesten Eigenschaften und grössten Schwächen werden zu so etwas wie “wahrer Menschlichkeit” umstilisiert und die eigene Historie entsprechend neu geschrieben. Tubenspiritualität, je nach Dosierung, lenkt von wirklicher Problematik erfolgreich ab und kann in Hochdosierung sogar das eigene Problem zum anbetungswürdigen Lebensmittelpunkt verklären. Sie bügelt aus was eigentlich selbst entwickelt werden sollte und macht unverkäufliches verkäuflich und beinahe jeden Quatsch glaubhaft. Sie hilft dabei die dicksten Brocken an Nonsens an eigener gottgegebener Intelligenz vorbeizuschleusen und zu schlucken. Fachkundig angewandt schafft sie eine spiegelnde Oberfäche der Hochstimmung und sorgt für partielle Erblindung und Ertaubung jenen Wahrheiten und Wegen gegenüber, die zu echter Selbsterfahrung anhalten und führen würden.

Die Nebenwirkungen aber sind massiv und vor allem so viele, dass ich hier nur zwei der Übelsten nennen möchte: 1. Der Verlust des spirituellen Selbst und 2. Der Verlust von Eigenverantwortung. Zu weiterenWirkungen und Nebenwirkungen befrage man seinen Hausverstand und erfahre zur Unterstützung so oft wie möglich die Natur und das in ihr und in einem selbst wirkende Prinzip des SEINS.

Spiritualität aus der Tube ist zugegeben ungemein praktisch. Sie begegnet uns beinahe überall. Die Bauchläden der Marktschreier sind voll davon, die Lager gefüllt bis an die Decke, denn die Nachfrage ist gross und sie steigt weiter! Es ist dieses “out-of-the-box-Prinzip” dieses “kaufen, verwenden und wegwerfen Ding”. Tubenspiritualität mag dem Geist oder dem Ungeist unserer Zeit entsprechen – alleine ob man sie gebrauchen will, entscheidet jeder für sich selbst! Denn was am Ende bleibt sind jede Menge Tuben deren Beginn und Ende eins gemeinsam haben: keinen wahren Inhalt!

Ich halte nichts von Fertigprodukten, nichts von vorgekochtem Einheitsbrei in Dosen und Tuben, egal wie praktisch sie sind und suche sie zu vermeiden, was vielleicht nicht immer gelingen mag. Dennoch: Ich mag das Feld, das Pflanzen und das Werden und das Ernten! Ich mag das Tun, das mit den eigenen Händen. Ich mag auch die Hilfe von Freunden und Wegbegleitern bei diesem Tun! Ich mag es wenn es echt ist. Wenn es wirkt. Wenn es einfach da ist. Auf Tubenspiritualität reagiere ich allergisch. Da bin ich unverträglich, ganz und gar. Ich sehe das als natürlich Abwehrreaktion und kann ganz gut damit.

Spiritualität ist ein eben Grundbedürfnis und es ist die Gabe zur Kommunikation mit der besselten Welt die wir alle zu Geschenk bekommen haben!

Wahre Spiritualität kommt nicht aus der Tube – sie kommt von innen, vom Herzen, aus der tiefsten Tiefe unserer ewigen Seele.

herzlichst

 

Georg

 

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