Manche muss man ziehen lassen


Man ist mehr als überrascht. Weil eigentlich war es ja nicht “das” Thema gewesen. Klar hat man darüber geredet, zu oberflächlich vielleicht oder gar mit unbewusster Absicht ohne Tiefe.

Irgendwann, ohne groß darüber nachzudenken hat man dem Gegenüber aber seine Meinung kund getan. Nein, das stimmt so nicht! Man hat nur seine Haltung durchblicken lassen – mehr nicht, weil man dachte, dass das möglich sein muss, dass es das aushält und dass einem der Andere nicht ganz so unähnlich sei was den Freiheitswillen oder die Fähigkeit zur kritischen Betrachtung angeht.

Man wollte auch beileibe nichts provozieren, wirklich nicht! Man hat nur “teilhaben” lassen an dem was grad bei einem so los ist im Leben und wie man eben damit umgeht, mit allem – dem Alltag, den Ängsten, den Hoffnungen. Es war doch nur ein Bild aus dem Leben. Eigentlich hat man sich sogar gar nichts dabei gedacht, weil für einen selbst das eine mit dem anderen ja gar nichts zu tun hat, weil man immer noch daran glaubt, dass es Dinge gibt die durch das ganze aktuelle Heckmeck nicht korrumpierbar sind: Freundschaft zum Beispiel.

Dann bekommt man von besagtem Gegenüber eine überraschende Nachricht: “Wegen Euresgleichen ist es so schlimm..! Ihr gehört doch alle usw. usft….!” und weitere deftige Phrasen die man schon so oft gelesen hat folgen. Anwürfe die man aber noch nie auf einen selbst bezogen gehört hat. Dazu ein Wulst von falschen Vorwürfen, untergriffig, beleidigend, etwas paranoid, teilweise sogar faschistoid und lächerlich, das ganze überwürzt mit diversen Wünschen was einem alles an Übel zu geschehen habe! Es scheint als hätte der Verfasser allen Lebensfrust (nicht Mut) zusammengenommen und in diese Zeilen gepackt. Es ist Generalvorwurf- Verdacht und -Verurteilung in einem. Man stutzt. Es zeugt von einer “Denkrichtung” die man so nicht vermutet hätte. Man schluckt. “Euresgleichen”… wie das klingt!

Aber gut, jeder wie er meint, glaubt, ist oder kann – eigentlich ist es gar nicht gut, aber es ist halt so: Jetzt ist man also “Euresgleichen”. Jetzt ist man sozusagen jemand anderer, jetzt ist man der Abschaum, der Feind, die Bedrohung und der Verursacher in Personalunion. Man ist der oder das was “weg muss”. So schnell geht das und so einfach. Das macht einen schon mal, nennen wir es “nachdenklich”.

Es bleibt nicht viel zu sagen. Der Riss ist offensichtlich, das “Wir” verblutet an ihm und dass es da wohl keine Brücke geben wird über die man dem Gegenüber noch begegnen könnte ist klar. Das “Wir” ist ja offenbar nicht mehr erwünscht. Es ist wie es ist. Also gut. Dann Deckel zu, die Nägel rein und fertig. Auch dass all das der geschürten Angst geschuldet ist, ändert es nicht mehr. “Einseitige Kündigung” sozusagen. Ende. Schlusstrich. Punkt.

So funktioniert Spaltung. Sie kommt nicht von irgendwoher sondern aus uns. Aber sie ist ätzender, kälter und scheindend wenn sie vom Gegenüber kommt ohne dass man es wollte oder erwarten bzw. befürchten konnte! Es sticht ein wenig ins Herz, man versteht es schwer, kann es bestenfalls mit generell kursierendem Wahn erklären. Schliesslich lernt man es zu akzeptieren – das ist alles was einem bleibt.

So etwas geschieht gerade tausendfach! Das ist traurig weil es wichtigeres gäbe als seine Energie im Hineintreiben von Keilen zu vergeuden. Dennoch passiert es und lässt tief blicken. So etwas zeigt, dass man sich vielleicht im anderen geirrt hat – man hat ihm mehr an Offenheit, Verständnis und Mut zugebilligt als er aufzubringen imstande war.

Immerhin hat man nur das Beste erwartet und nichts anderes. Wahrscheinlich hat man sich ineindander geirrt – so etwass wie ein “beidseitiges Versehen”. Naja. Trotzdem geht man nicht davon ab an das Gute im Menschen zu glauben und entschuldigt vieles mit der Zeit und und der Welt die grad am Rad dreht und mit dem eigenen Unvermögen: Man kann nicht mitlaufen mit der Masse, nicht einfach so…

Und um Mißverständnisse zu vermeiden: Ich kann gut damit leben wenn sich jemand abwendet, ich hab so gesehen kein Problem damit. Ich kann auch damit umgehen zu erkennen wie jemand wirklich ist und ich kann damit leben, wenn Wege sich trennen. Allein der Ton macht die Musik – und nicht jeder ist ein guter Musiker. Sie machen eigentlich nur Lärm – vor allem wenn sie umfallen…

Man muss sie eben ziehen lassen – wohin auch immer.

Vieles ändert sich, halte durch, Du bist nicht alleine. Es ändern sich Quantität und Qualität und auch das ist ein natürlicher Prozess.

Bis bald am Feuer der wahren Freundschaft!

herzlichst

Georg