Fremd sein


Das Land ist mir fremd geworden und die meisten seiner Bewohner auch. Es ist, als wäre ich eben erst angekommen hier in Paranoistan und als müsste ich mich erst gewöhnen. Denn in diesem Land, das so gross wie die ganze Welt ist, gehen die Uhren anders, rückwärts sagen manche und ihr Ticken wird langsam zum Brüllen und Toben.

Dieses Land ist mir fremd und ich mag und kann mich nicht gewöhnen – weil ich mich nicht an Dummheit und Ignoranz, an Präpotenz, an Unbesonnenheit, Machtgier, Unverhältnismässigkeit, Gewalt und vor allem nicht an gewisse Tendenzen die grundsätzliches aushölen könnten, gewöhnen mag.Die Menschen sind mir fremd und ich mag mich auch an sie nicht gewöhnen – weil mir fanatische Angst, feiges Denunziantentum oder lemminghafte Mitläuferei nicht ins Herz gelegt sind. Ich mag es auch nicht, wenn man sich die Herzen mit Hass vergiftet und dann einander die Köpfe einschlägt anstatt sie zum Denken zu gebrauchen.

Sogar die Zeit ist mir fremd und ich kann mich nicht an sie gewöhnen – weil sie nach rückwärts zu laufen scheint oder dann wieder ganz stillsteht, wie befohlen, wie angeordnet oder fremdbestimmt. Ich mag diese elenden, geschichtlichen Neuinszenierungen nicht, weil diese meist nur in eine Renaissance bereits gemachter, blutiger Dummheiten münden.Ich bin ein Fremder in diesen Tagen in einem fremden Land mit einer ganz seltsamen Sprache und auf einer fremden Welt und das “Minderheit-sein” macht mich beizeiten wirklich müde und auch zerbrechlich. Aber ich bin nicht alleine, denn jene die mit mir sind, die sind mir im Herzen bekannt und nahe! Sie sprechen wie ich! Wir verstehen einander, weil das was wir einander zu sagen haben aus unserer wahren Tiefe kommt! Das ist gut und schön und gibt Zuversicht!

Was auch immer mich dieser Aufenthalt hier lehren will, es wird wichtig sein und es wird mit mir und meinem Innersten zu tun haben! Es wird mit Seelenverwandschaft zu tun haben, mit Liebe und mit Hingabe und damit, meine Existenz nicht an jene Oberflächlichkeiten von Ort und Zeit zu knüpfen! Es wird mich lehren noch mehr ich selbst zu sein, sogar als Fremder in einem fremden Land, unter fremden Menschen mit fremder Sprache, auf einer fremden Welt.

Es, das Leben, hat mich ja bereits gelehrt jenen zu vertrauen die mir nicht fremd sind – also Euch, die wir uns in gemeinsamer Erfahrung als Seelenverwandte begegnen! Und wenn wir bald einander begegnen, wenn wir uns zusammenfinden werden, am Feuer der Schwitzhütte, dann ist das wie ein ganzes Land, wie eine ganze Welt – beseelt von Menschen die einander kennen, schätzen, achten, lieben, die einander stützen und helfen und die sich eines ganz gewiss nicht sind: fremd! Dann wird dieses beklemmende Gefühl weichen und sich ersetzen duch eine wirkliche und anhaltende Freude des Seins!! Denn wir selbst sind der Mensch, das Land und die Welt!! – und das ist eine ganz grosse Wahrheit!

aho!

also bis bald ihr Liebenhaltet durch – alles Menschenwerk ist ja endlich und das besonders dann, wenn es die Politik ersonnen hat. herzlichst

Georg