Der Wandteufel

Der Wandteufel

Da sind manche gestressten Mitmenschen schon ganz gut drin, da haben sie wirklich Übung, das können sie: Den Teufel an die Wand malen und sich dann wie blöde vor ihm fürchten. Das scheint so eine Art Virus zu sein, der mehr und mehr um sich greift. Oder aber es ist eine neue Sportart, vielleicht sogar einmal Olympische Disziplin –  herzlich willkommen zum diesjährigen “Teufel-an-die-Wand-malen und sich dann vor ihm zu Tode fürchten-Wettbewerb”. So kann man sein Leben verbringen, ohne Zweifel, aber ob das gesund, klug oder schlicht und ergreifend angenehm ist, das ist eine andere Frage. Natürlich existiert da so mancher reale Missstand den man nicht einfach ignorieren sollte, denn die Ignoranz ist auf Dauer tödlich. Aber muss es wirklich sein, dass man zu aktueller und realer Bedrohung, noch neue, ungeheuerliche Szenarien dazu dichtet? Scheinbar muss es sein, es hat Methode und auch einen verqueren Sinn: Denn wer den Teufel an die Wand malt, den ganz persönlichen, der hat sich eine Angst geschaffen, die über allen anderen Ängsten, Sorgen und Nöten steht! Er schafft sich eine Problem dass so übermächtig und gewaltig ist, dass alle anderen Probleme die da einer Lösung harren, ganz ruhig in die Warteschleife gezwungen werden können! Das ist doch bequem! Genial genau genommen! Die selbst erschaffene Ablenkung verhindert dann elegant alles das mit der Lösung “des Banalen” zu tun haben könnte. Was soll ich mich um auch um Arbeit, Wohnung oder Beziehung kümmern, wenn es doch gilt gegen “Sie” oder “Es” zu kämpfen?! Wobei – der “Kampf” ja nur mit Sprech- und Denkblasen geführt wird. Ganze Dämonenverbände werden da angeführt und vorgeführt – eine unendliche Reihe von nicht fassbaren Verantwortlichen dürfen tagtäglich, als sich beinahe nie abnützende Ausrede für das eigene Unvermögen zu handeln herhalten. Alles wird da genaugenommen missbraucht, um das eigene “den Arsch nicht hoch kriegen” zu rechtfertigen. Ja, das klingt jetzt hart, das schrammt das Ego an, die Opferrolle sowieso. Das mag man dann nicht hören. Den Rat, den Fokus auf das Wesentliche und Reale zu lenken, den kann man sich meist sparen, denn er wird nicht gern gehört, es ist schade um ihn, drum gehe ich weit sparsamer damit um als früher. Auch ich will keine Energie verschwenden, und keine Zeit – es gibt besseres zu tun.

Der Wandteufel ist ja überall. Auch der fremdgemalte. Die plakatierte Angst. “wer jetzt nicht kauft, der kauft dann teuer!” oder aber: “wer den Boom verpasst bleibt über!” denn wer nicht aufspringt auf den Marketing-Zug, der da angeblich Richtung Traumhaus, Traumvilla, Traumpartner, Traumkind und Traumhund fährt, der bleibt zurück am Bahnhof des Präkariates! Das droht einem mitunter schon das Hirn etwas zu, das sich ständig (den kichernden Wandteufel im Hintergrund) vor der Zukunft fürchtende. Darum JETZT investieren! Darum JETZT schon mal einkaufen und sich eine Basis schaffen eine massive! Virtuelle Währungen, virtuelle Erfolge, virtuelle Karrieren einer virtuellen Welt! Jetzt! Und wer nicht jetzt, also sofort und ohne grosses Bedenken und Behirnen sich einbringt, der bleibt der Niemand der er ist, auf ewig, immer und dauerhaft! Wer nicht mitmacht (oder nicht mitmacht beim nicht-mitmachen) bleibt über, beibt der Depp, der Dödel, der Unbelehrbare, das Schaf usw. Das schreit der Wandteufel schön bunt und manchmal statistisch-pseudo-wissenschaftlich untermalt – manchmal flüstert er es nur. Mal ehrlich: Er erwischt doch meistens Jene, die ohnehin schon ans Hungertuch, auch ans geistige gewöhnt sind. Es fallen ihm, dem Wandteufel doch eh nur jene zum Opfer die schwach sind, die nicht widerstehen können, also jene die sowieso nichts zu verlieren haben da sie eben nichts haben was es zu verlieren gälte. Aber: Beides stimmt nicht. Er erreicht auch die Schlauen (vor allem jene die sich dafür halten) und zu verlieren gibt es immer etwas, denn wenn das Materielle aufgebraucht ist, hat man die Freiheit ohnehin bereits verloren und vor allem eines: sich selbst aus den Augen!

Der von anderen vorgemalte Wandteufel ist zwar gefährlich, aber am gefährlichsten ist immer noch jener, den man sich in langen (meist einsamen)  Stunden selber an die Wand klatscht! Denn wer kennt die eigenen Ängste besser als man selbst? Wer ist fähiger den perfekten Wandteufel, also den individuellen und perfekt auf einen selbst abgestimmten, an die Wand zu bringen, als man selbst? Die Vorstellung zu der man fähig ist kann rasch zur Projektion werden! Und wenn sie dann so da steht und so tut als ob sie wahr wäre und echt, da ist man schon Teil der eigenen Inszenierung – und das perverse daran: man weiss es nicht einmal mehr! Man hat vergessen dass man selbst der Maler war! Man sieht nicht mal mehr die Farbe an den eigenen Händen! Man tut als wäre er, der Wandteufel ganz von selbst aus dem Verputz gekrochen und hätte sich böse und ganz heimlich breit gemacht! Dabei hat man doch so nach ihm gesucht! Warum gesucht? – na weil die Ausreden, die realen irgendwann nicht mehr gegriffen haben und weil die Schuld an der Misere ganz bei einem selbst lag und liegt, samt all der Verantwortung die damit einher ginge! Es musste eben was neues her, was mächtiges, die Atombombe aller Ausreden! Da ist Feuer am Dach, aber man löscht nicht den Brand, sondern spritzt verbissen Weihwasser gegen die dampfenden Wände, um jenen Teufel abzuwaschen den man dafür verantwortlich macht. Man könnte darüber lachen wäre es nicht so bitter ernst und nicht so brand gefährlich, denn noch jeder Krieg, auch der gegen sich selbst, hat so begonnen: mit dem gemalten Teufel an der Wand!

Wir finden ihn überall den Wandteufel, überall wo man will, man projiziert ihn vor allem in die dunklen Ecken der eigenen Existenz und auf die nicht genutzen Flächen des eigenen Lebens das man als Wohnung zu Geschenk erhalten hat! Und dann, wie in einem schlechten Horrorfilm, flüchtet man vor der bösen Malerei. Das heisst: wegrennen, stehenbleiben um zu sehen ob man wohl nicht mehr verfolgt wird, dann weiter rennen (möglichst laut kreischend, damit die Umgebung weiss dass man ganz was wichtiges zu tun hat) und wieder stehen bleiben um den Fokus wieder nach hinten zu lenken, also die Projektion zu überprüfen und ggf. zu verbessern, nur um dann laut kreischend die panische Flucht fortzusetzen. “seht mal – ich bin ein Verfolgter, ein Opfer, das ist Sinn meiner Existenz, darüber definiere ich mich neuerdings…”  Mich erinnert es an eine Szene aus einem (oder jedem) Film in der jemand flieht: Man rennt vor dem Zug davon, also vorne her, immer auf dem Gleis bleibend, die feine Sicherheit im Nacken dass da der Zug hinter einem her ist, was einen ja sofort ungemein wichtig macht und dem atem- und hirnlosen Gerenne erst einen tieferen Sinn gibt. Bleiben wir kurz bei diesem Bild: Der vom Zug verfolgte, also das Opfer. Und jetzt nehmen wir mal den Zug weg. Oder aber, wir lassen den vielleicht sogar zu recht Fliehenden (weil die gefahr ja ernst genommen und empfunden ist)  die Gleise verlassen. Und selbst wenn er die Gleise verlässt, könnte der Zug auch real sein aber endlich auch klar wahrgenommen werden! Besser sogar als zuvor, da er einem bedrohlich im Rücken war! Allein, Rolle spielte er keine mehr, zumindest keine die eigene Existenz bedrohende oder sich über ihn definiernde. Er würde zum lösbaren/gelösten Problem, zur vielleicht schmerzhaften oder enttäuschenden Episode.

Der Wandteufel braucht ja vor allem eines um zu sein: eine Wand! Und es liegt an uns selbst ob wir ihm diese Wand zur Verfügung stellen oder eben nicht. Er kann sich ja nicht an nichts klammern und er bedient sich von all dem was wir ihm auch (oder vor allem) unbewusst zur Verfügung stellen. Wir selbst sollten entscheiden was in unsere Wohnung Leben an die Wände kommt! Wir sind es ja die ihn letztlich  kreieren, vor allem unser übereifriges Ego in Tateinheit mit unserem meist etwas vermüllten Unterbewussten! Er, der Wandteufel, braucht ja Material um zu sein! Auch darum die Schwitzhhütten, die uns reinigen, die nicht viel über lassen aus dem er entstehen könnte! Darum das Ritual, die energetische Arbeit an uns und das Ziel ganz ohne ihn auszukommen und das was zu tun ist aus reiner Notwendigkeit heraus anzugehen und nicht aus Angst! Denn wer aus eigenem Antrieb heraus agiert, mit klarer Sicht auf das Notwendige, der kann auf eigene und fremde Wandteufel leicht verzichten, da ihm die Motivation aus der reinen Möglichkeit der Selbstwerdung erwächst und nicht aus Angst! Wenn wir unseren Fokus, unsere Kraft und somit Energie auf das Wesentliche, also auf unser Wesen, unser Selbst lenken – dann entziehen wir jedem Wandteufel die Macht! Wenn wir uns, im Dunkel der Schwitzhütte wieder finden, wenn wir lernen wie unsere Lebensenergie strömt, wenn wir begreifen dass wir im Verbund mit unseren Ahnen, den Geistern, mit allen Elementen um uns und in uns zum Flusse selbst werden können – dann wird uns der Wandteufel, den wir noch zuvor auf jede sich uns bietende freie Stelle unseres Lebens gepinselt haben, so fern, blass und fremd dass wir ihn ganz vergessen dürfen, weil er keinerlei Funktion mehr erfüllen könnte die uns auch nur im geringsten nützlich wäre.

Es ist gut wenn man seine Wände kennt und die Teufelchen die man drauf gepinselt hat – und wenn man versteht worum es geht, wenn man einen neuen, anderen und besseren Weg einschlägt, der so etwas mit sich führt wie einen “Grundakkord aus authentisch gelebter Spiritualität”, dann hat man eine gute Chance die Wände wieder weiss zu bekommen und hell und klar! Dann endet was uns belastete, dann wird der Blick, das Herz, die Seele und der Geist wieder frei! Dann wird der Weg und das Leben zu einem grossen Wunder, das erlebt, erfahren und berichtet sein will! Dann wird man selbst zum guten Buch, eventuell sogar zum Vorbild und zum Vorreiter einer Gesellschaft ohne Angst!

 

herzlichst

 

Georg

 

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