Stille Nacht


Das wird ruhig werden heuer. Noch ruhiger als sonst. Dafür aber mit mehr Platz, weil sich wie von selbst bzw. durch vorschieben der Verordnung, einige Menschen aus meinem Umfeld entfernt haben. Ich hab wieder mal den Startschuss nicht gehört und das allgemeine Losrennen verpasst. Typisch ich eben. Irgendwo vor mir, donnert in einer Staubwolke aus Goldglitter, die kreischende Meute, päckchenbeladen, glöckchenklingend und infektpanisch durch das lamettabehangene Zwischenziel, das man ihr werbewirksam vorgesetzt hat! Das richtige Ziel kommt ja erst – also irgendwann…

Dies hier ist ein “Test-Lauf” – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Jene die willig mitlaufen, werden sich noch sehr wundern über ihr Verhalten und das, was es zu gewinnen gegeben hat, wird rasch vergessen und verdrängt sein. Jetzt aber erstmal Weihnachtsmarathon! Während des Sprints tönt unbarmherzig “Wham!” aus den Radios “last christmas taralla la laaaaa…!”

Am Baum hängen tausende Tests und Impfungen, bunte Statistiken, Versprechen von “neuer Normalität”, Vorwahlzuckerl und jede Menge glänzende Politikerworthülsen. “Wollt ihr die totale Weihnacht?!” (Jubel kommt auf) “und woll ihr sie totaler, radikaler und durchgetesteter, als ihr euch sie überhaupt vorstellen könnt?!!!” (es folgen hysterische “Ja klar!!-Rufe und tosender Applaus)

Da glänzen bei machen schon ordentlich die sentimentalen Augen, vor allem wenn die üblichen Weihnachtsmänner, bei sinnbefreiten Pressekonferenzen, den Geist der nationalen Weihnacht beschwören! Mein Augenglanz hält sich da sehr in Grenzen, vor allem wenn das Weihnachtsessen allzu exotisches verspricht: Zum Nachtisch gibts ein wenig Zuckerbrot, als Hauptgang reichlich Peitsche. Danke, ich bin satt, ich hatte schon…

Ich bin also mit voller Absicht zurückgeblieben als alle losgerannt sind, ich gebs zu. Ich bin eben ein Ignorant. Ich denke sicher nicht quer, aber zumindest denke ich nach. Ich bin und war immer schon resistent gegen den allgemeinen Kaufrausch, gegen Weihnachtsmobilmachung, gegen Be- und Verängstigung. Ich bin unbeeindruckbar von tollen Zahlenspielen und auch allzu imponierende Preisnachlässe können mich kaum locken. Mancher wirft mir deswegen vor, ich hätte nicht mehr alle Nadeln an der Weihnachtstanne, nur weil ich nicht bei jedem Unsinn mitmache. Aber ich müsste doch! Es wäre ja gratis!!! GRAAATIS!! Nö, muss ich nicht. Ich bin eben ein Verfechter der Freiheit und ein Gegner der Willkür, so wie viele andere auch! Nein, ich geb mir deswegen nicht die Kugel – auch keine weihnachtliche und auch nicht weil wir aktuell im “Gefängnis-Kaufhaus Österreich” leben.

Mal ganz unter uns: Diese Welt, diese Inszenierung ist einfach nicht so ganz die meine. Das war sie noch nie. Auch nicht als ich noch ein Kind war. Irgendwann war klar, dass Weihnachtsbaum und Geschenke nicht das Christkind herangeschafft hat und so weiss ich auch, dass all das was die Regierung uns als “gratis” verkauft, wir selbst teuer bezahlen werden! Klar war auch, dass das ganze Weihnachts-Spektakel in in paar Tagen Matsch von gestern sein würde. Das ganze Tamtam war deswegen ja nicht schlechter, nur weniger anhaltend und auch etwas weniger beeindruckend, aber gefreut, bzw. gefürchtet (je nach Spektakel) hat man sich ja trotzdem. Ich wurde älter und blieb abgeklärter gegenüber den Künstlichkeiten und kritischer auch. Das hab ich mir erhalten – und dafür bin ich dankbar, für das “kritisch- sein” und das “mit-dem-Herzen-denken”. Trotzdem: Nichts gegen “das Fest der Feste und der Liebe”. Jeder wie er eben darf, mag, kann, oder muss – ob aus freien Stücken oder per Verordnung.

Zugegeben, der Kreis um mich hat sich etwas verkleinert. Das ist aber kein Nachteil. Mehr Tiefe hat er nun, dieser Kreis und kein oberflächliches Gelabere muss ich mehr erdulden. Auch im Kopf wirds ruhiger, weil absehbarer. Und dass die Nacht eine stille ist, das ist schon gut so, denn was es braucht ist Ruhe, damit man das Herz hört und seine Botschaften, die es von der Seele empfängt.

Manchmal sieht man den Baum vor lauter Lametta nicht mehr. Er erstickt unter all dem Tand, er ächzt und biegt sich müde nach unten, ganz in Gefahr zu brechen! Reduktion ist so gesehen kein Fehler. Sie ist gut für den Baum und für den Menschen ist sie heilsam. Sie bringt uns zum Wesentlichen – zum Kern der Sache! Sie hilft uns Natürlichkeit zu suchen und zu erkennen! Sie lässt uns lebende Bäume kaufen, oder treibt uns sinnend in die Wälder! Sie führt uns vor, wie überladen wir sind. Sie hilft uns eine Wahl zu treffen – und dieses mal eine gute!

Es braucht ja nicht viel, nur ein einziges Licht – das der Erkenntnis. Dann findet auch die Besonnenheit ihren Weg und die Liebe ebenso!

also bis bald ihr Lieben, habt gute Tage und stille Nächte!

herzlichst

Georg