Weiter wie gehabt


“the same procedure as every year” (Dinner for One, Lauri Wylie, 1953)


Eine Vorschau:


Und nun? Die Geschenke sind schon lange einander übergeben, ausgepackt, bestaunt, gewürdigt und ordentlich bedankt hat man sich auch dafür. Der Baum war auch schön. Weihnachten war so wie jedes Jahr, nur etwas anders, der Umstände wegen. Der Test war negativ, das Essen war positiv gewesen. Der Wein war schön. Was für ein Glück auch. Heile Welt, stundenweise zumindest. Das Leben geht weiter, die Zeit auch. Der Müll ist bereits rückstandsfrei entsorgt. Der Baum steht mehr und mehr im Weg, beginnt die Nadeln zu verlieren und man erinnert sich vielleicht daran, dass er nur ein geschmückter Leichnam ist der endlich ebenso entsorgt gehört wie der Rest.


Dann kam Silvester. Jahreswechsel. Wenig Geknalle, die gemeinsamen Besäufnisse eher im Hinter- oder Untergrund. Ein etwas verhaltens Feiern war das, so verhalten wie die Hoffnung. Aber man hat sich abgelenkt. Wieder: stundenweise. Walzer hat man auch und trotzdem getanzt. Ansprache hat man gehört samt dem drohenden Unterton, der immer mitschwingt wenn jemand staatsmännisch von “Hoffnung” und von “Zukunft” spricht. Der Müll ist auch schon wieder entsorgt, das Buntglas ist ordentlich vom Weissglas getrennt und man erinnert sich daran, dass der Kopfschmerz wieder mal genau von jenem Zuviel gekommen ist, das man heuer ja eigentlich vermeiden hatte wollen – so wie jedes Jahr eben. Alles hat Methode, auch der Wahn wie man weiss.


Nun kommt wieder der Alltag, die Welt, das allgemeine, sperrige Leben – mit allem was dazugehört. Und der Alltag, der ist ganz unbeeindruckt von unseren putzigen Versuchen der Ablenkung! Es ist wie es ist. Ich wünschte ich könnte sagen “es ist gut so wie es ist” – aber das ist es leider (noch) nicht! Noch ist es beängstigend. Noch ist der Weg durch die Wüste der Geistlosigkeit ein langer und die Gefahren auf ihm sind mannigfaltig! Das “Leben” tritt einem radikal die Türe ein und ist immer noch genau so gemein, borniert, vermurkst und angeschlagen, wie wir es zurückgelassen haben – so eine Spassbremse, so eine elende!


Manche werden trotzig weiter machen wollen, so wie üblich, also wie gehabt und das wird seinen Preis haben. Man will ja dies oder das an Bequemlichkeit nicht missen und dafür kann man schon mal etwas in Kauf nehmen, auch wenn es einen die Haltung, die Würde und die Freiheit kostet. Eine bestimmte “Freiheit” die man eben mit einer anderen Freiheit bezahlt. Das ist die neue Währung einer neuen Normalität. Drei für Eins. Das ist teuer. Dem der noch denkt, dem wird es viel zu teuer sein. Dem, der des Denkens bereits müde geworden ist, erscheint es vor allem eines: praktisch – egal was es kostet.


Trotz aller Willkür. Trotz aller Verwerflichkeit. Trotz aller offensichtlichen Lügen. Trotz aller festgestellten Gesetzesbrüche. Trotz all dem Wahn! Trotz all der Sinnlosigkeit! Trotz all der Ausgrenzung, Spaltung und Bevormundung: Viele wollen weiter machen wie gehabt! Also weiter bauen am Turm zu Babel, verwirrt und unverstanden sogar von Ihresgleichen! Stein auf Stein wuchten heisst das, gemörtelt wird mit dem Glauben an eine ständige Bedrohung, gesägt wird mit der Fähigkeit zur Verdrängung, angepackt wird mit der destruktiven Kraft der Furcht. Von Statik weiss keiner, nicht einmal jene die den Bau befohlen haben – der Zusammenbruch ist vorprogrammiert! Es gilt: höher muss er werden der Turm, nichts wie weg vom Boden der Tatsachen!! Es ist das alte Credo derer, die dann, wenn alles in Schutt und Asche liegt, von nichts gewusst haben wollen. Manche von Denen führen Kriege, manche bauen Türme, allen gemein ist, dass sie für ihr Tun willige Sklaven brauchen. Diese werden zur Arbeit gezwungen oder gelockt, je nachdem, ganz nach Belieben. Die meisten die sich da am Turmaufbau beteiligen, sind aber ohnehin Freiwillige die ja eigentlich nur eines wollen und das ist, wie könnte es anders sein – weitermachen wie gehabt.


So, das neue Jahr ist da. Es ist aus der Zeit geplumpst, ganz schmierig und käsig und mancherorts auch blutig liegt es im Schutt des alten Jahres. Noch hat es keinen Ton von sich gegeben. Noch ist es blind und taub. Aber hungrig ist es schon jetzt und zwar nach Richtung und nach Sinn! Nicht lange und es hat sich festgelegt – je nach Art der Fütterung. Und wir, ja wir selbst, sind Teil des Futters! Wir sind Teil der Richtung! Wir sind Teil der Entscheidung! Wir sind schlicht der Stoff aus dem die Zukunft gemacht sein wird!


Also wohin? “the same procedure als every year?” mit den selben, fragwürdigen Ergebnissen? Oder aber: auf zu etwas völlig Neuem? Das will entschieden sein! Und es liegt schon an Dir selbst ob Du, wieder und wieder über den selben Teppich stolpern willst! Es liegt an Dir ob Du zum gefühlt tausendsten mal, sklavisch gebuckelt, den blöden Tisch umrunden willst, mehr und mehr betrunken und mehr und mehr ausgelacht in Deiner ganzen besoffenen Peinlichkeit! Willst Du Dich weiter zum Narren machen, für irgend jemanden dem selbst jegliche Orientierung fehlt, der Dir aber ständig mit dem Groll virtueller Gäste droht, solltest Du nicht spuren? Oder reicht es Dir langsam?


Sag, und sag es ehrlich: Willst Du weiter elend schwere Steine auf staubiger Bahn nach oben in den Turm schleppen, nur damit Du dann wieder unter seinen Trümmern zu liegen kommst, Dich mühseligst befreien musst, nur um die ganze Arbeit erneut bei null zu beginnen? Sei aufrichtig Mensch: was willst Du eigentlich!! Was ist Dein Sinn??? Gib ehrlich Antwort Mensch: Hast Du auch nur die geringste Idee davon, welchem Zweck Deine Existenz dient? Oder genügt es Dir satt, sauber und warm, vom Tage Deiner Geburt an, vor Dich hinzusterben, nur unterbrochen von alljährlich wiederkehrenden Inszenierungen der absoluten Sinnfreiheit und vom wiederkehrenden Zusammenbruch des Turmes?? Weisst Du eigentlich was Dir alles zusteht?? Weiss Du eigentlich wie man wiklich liebt und lebt? Oder genügt es Dir, dass Dein Stoffwechsel halbwegs funktoniert? Bist Du schon zufrieden damit ,Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr Dein Leben relativ konfliktfrei hinter Dich zu bringen? Wenn ja, dann ist ja alles gut für Dich. Aber wenn es Dich quält Mensch, wenn es nicht gut ist, wenn da nur der Hauch eines Zweifels ist, dann fasse Mut und frage Dich weiter!!!


Sag Mensch, steht Dir nicht der Sinn nach Höherem?? Schau Dir im Spiegel in die Augen, bis tief in Dein Herz und dann sag mir wer Du bist! Nenn mir ein Ziel, das höher als dieser Turm zu Babel ist, das mehr Sinn macht als ewiger Konsum, das edler ist, als ständig wechselnde Moralbegriffe, das stabiler ist als gläserne Menschengesetze, das humaner, ethischer und glaubhafter ist, als blosse Lippenbekenntnise des Gutmenschentums und das kein infantiles Spiel ist, sondern reine, pure, ganzheitliche, spirituelle Authentizität!! Nenne mir Dein Ziel Mensch, aber nenne es mir nur, wenn es über die Zeit hinaus geht, über den Tod und nur wenn es mit einer Liebe durchdrungen ist, die nicht bloß fordert oder sich im gierigen Besitz des Anderen erschöpft, sondern die gross ist und die ganze Menschenfamilie umfasst!


Die Antwort liegt im Herzen und wer sie gefunden hat, für den endet vieles und für den ändert sich alles! Die Antwort steht in keinem Buch, weil sie nur selbst und direkt erfahren werden kann! Diese Erfahrung ist tief! Sie ist Vision und Weg! Sie ist Haltung! Sie ist unverrückbare Wahrheit! Sie ist das Leben selbst! Und es lohnt nach ihr zu suchen, weil alleine schon die Suche nach ihr erfüllend ist und sie uns vom Wahn der alltäglichen Unwelt zu schützen und zu retten vermag!


Es gilt sich zu entscheiden, denn dies ist das einzige Leben das wir jetzt haben – und es ist ein Geschenk, das wir zu würdigen aufgerufen sind! So zu tun, als wäre alles in bester Ordnung ändert nichts und auch wenn es bequemer ist, sich blind, taub und tot zu stellen, wird uns nichts und niemand von jener Verantwortung entbinden, die wir dem Leben gegenüber haben!

Ob alles gut wird? Ich denke schon. Wir haben ja Herz und Hirn. Und das Unviersum ist ja nicht blöde, nur wir als Menschheit sind es – entwicklungsabschnittsweise 😉


A´ho!


Ich wünsche Euch und mir ein gutes neues Jahr, voller Erfahrung, Tiefe und Erkenntnis!


herzlichst

Georg


p.s. Ich weiss schon dass das niemand hören will. So ist das, wenn man sich seinem Weg verpflichtet fühlt. So ist das eben, wenn man seine Haltung nicht einfach ablegt oder wechselt, wie einen alten Mantel. So ist das mit der Wahrheit: Man ist zwar oft recht alleine mit ihr, aber trotzdem in guter Gesellschaft. 😉