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Weihnachtsquatsch mit Sosse


Manchmal hat man das Gefühl, dass jeder weiss was der andere grade tut, aber keine Ahnung davon hat was es genau ist. So entsteht Quatsch mit Sosse. Die Sosse braucht es natürlich, damit der Quatsch besser runter geht, denn auch Quatsch kann manchmal ziemlich spiessig sein. Egal, wie gesagt: passt die Sosse, geht er runter wie Öl, der Quatsch. Will man ja auch. Passt ja auch ins vorweihnachtliche Weltbild dem man vielleicht gerade so anhängt. Hat ja auch Funktion aber wirklichen Sinn halt nicht. Es “weihnachtet vor”. Trotz oder vielleicht wegen allem das uns das die Stimmung verderben will.

Die Weltbilder sind ja im Ausverkauf, schon jetzt, vor Weihnachten. Nach der Bescherung wirds dann nochmal lauter, beim Abverkauf bzw. beim Umtausch derselben. Weltbilder sind ja umtauschfähig, jederzeit, immer. Es gibt zwar keine Gutschrift, nein, man muss schon einen neuen Vertrag abschliessen. So ändert sich der Blick auf die Welt. Auf Weihnachten hin natürlich noch mal gehörig. Hmmm… Weihnachten, so schön bei manchen! Friede, Freude, Eierkuchen, mit Punsch versteht sich. Alles gut, alles bunt und alles rund, so wie die Kugeln am Baum. Die sind schon schön die Kugeln, zerbrechlich auch und wenn man sie anblickt verzerren sie uns das Bild auf das Jetzt schon mal ordentlich. Nein, nichts gegen Weihnachten, natürlich nicht! Ist ja auch schön so und tradtionell. Mal sich beschenken gegenseitig, sich was gutes tun, sich mal zusammenraufen für einen Abend und über die Feiertage, sich mal nette Dinge sagen oder sich zumindest mal zusammenreissen, vielleicht sogar was spenden.

Was man aber meist übersieht ist die Phase des “nach-Weihnachten”. Da ändert sich vieles im Handumdrehen und gerät zu ganz anderer Bedeutung! Denn der Friede ist rasch vergessen, die Freude wieder verflogen und der Eierkuchen macht schon länger nicht mehr satt. Vielleicht wirkt der Punsch noch ein wenig nach – Katerstimmung eben. Es kommt eh Silvester, das ist dann ganz gut um “Weihnachten” wieder vergessen zu können – ein Antidot, ein Gegengift sozusagen. Ich weiss schon, jetzt schreibt der wieder gegen Weihnachten an! Sowas aber auch! Jetzt mukiert er sich gleich über die ganzen leuchtenden Rentiere, die Weihnachtsmann-invasion, den Such-Kauf-Heimtrag-Herschenk-Umtausch-Wahn usw. Aber woher! Kann man ja alles mögen, machen oder gutheissen. Müssen tut man nicht.

Was ich meine ist der Umstand, dass die weihnachtlichen Gefühle für “Mensch-Sein”, für “Gut” und für “vom Herzen” oft und rasch beim ganzen Verpackungsmüll landen. Da findet sich ja vieles was da nicht hineingehört und wo es echt schade drum ist. Da finden sich im Lametta verhedderte Herzen die man sich Tags zuvor noch zum Geschenk gemacht hat. Zwischen den Scherben zerborstener Weihnachtskugeln liegen durchaus schöne Wörter die mal Sinn und tiefe Bedeutung hatten. Im zerrissenem Geschenkpapier finden sich so manche freudige Blicke die einmal so gut und ehrlich waren und die jetzt schon wieder vergessen sind. Vieles findet sich da wo es eigentlich nicht hingehört, denn es liegt eben in den Containern des Vergessens und wird wohl kaum ein vernünftiges recycling erfahren. Auch manche der Weltbilder und Weltsichten liegen hier im Müll. Sie waren gut für ein paar Tage – für länger aber nicht – “Einwegweltsicht”.

Trotzdem schade drum.Aber wo kommt es her, dieses “den anderen beschenken wollen?” Wo ist diese Quelle in uns, die uns dazu drängt den anderen – nein ALLE anderen, eigentlich gerne haben zu wollen? Es zwingt uns niemand mit vorgehaltener Waffe in die Einkaufszentren um Geschenke zu kaufen! Es gibt kein Gesetz das uns zum Schmücken eines Baumes verpflichtet! Selbst die Suche nach “Harmonie” für die paar Tage entspringt keiner Drohung von irgendwo her! Es scheint so, als ob  “das jemandem eine Freude machen” und das “sich gegenseitig beschenken wollen” doch irgendwie in unserer Natur liegt! Vielleicht liegt es in unseren Genen den Anderen als “Mensch” erkennen zu wollen und zu können, also auf tieferer Ebene! Vielleicht liegt es auch in unseren Herzen, dass wir Gutes tun wollen. Vielleicht ist diese Sehnsucht nach Ruhe, nach Einigkeit und Brüderlichkeit und Friede sogar ein Grundbedürfnis des Menschen?

Es wäre schon schön wenn das immer so wäre, also das ehrliche Weihnachten, das “miteinander” meine ich damit. Das wär schon was, wenn wir es schaffen würden zumindest ein klein wenig in diesem Modus zu bleiben und zwar das ganze Jahr über! Das wäre wohl ein gutes Weltbild und eine gute Weltsicht die man auch nicht umzutauschen bräuchte, denn sie hätte Sinn und Bestand! Und es wäre doch auch keine allzu schlechte Idee darauf hin zu arbeiten, dass dies irgendwann mal alles wahr und real wird! Also es mal versuchen, das Aufrecht-erhalten einer Grundstimmung, weit über das alljährlich wiederkehrende Weihnachtsgedröns hinaus. Es mal probieren, das Verweilen in dieser Grundhaltung, auch ohne Baum und Glöckchen dran, ganz ohne das Trallala des Weihnachtswahnes – es einfach mal versuchen!

Das wäre schon richtig, wenn die Herzen nicht im Lametta verheddert, die Blicke nicht im Geschenkpapier vergessen und die guten Worte nicht mit den Scherben bunter Glaskugeln in den Müll wanderten! Das wär schon gut wenn die Tradition der Liebe sich dehnen würde, weit über die Tage hinaus die man irgendwann dafür bestimmt hat!Ich weiss schon, das ist natürlich reine Utopie. Das ist klassischer Weihnachtsquatsch mit Sosse – aber dennoch: schön wäre es allemal…

herzlichst

Georg