Türe zu und ab

Türe zu und ab

Manchmal ist es einfach so, da will eine Türe geschlossen sein. Man fühlt das ja schon lange vorher, weil es zieht und es einen kühl schaudert. Es mag vielleicht gegen den “guten Ton” sein und nicht im Sinne einer labberigen Licht-und-Liebe-Ideologie, aber manchmal ist es einfach nötig! Dann zu mit der Türe, auch wenn es vor der Nase des anderen ist, auch wenn derjenige zurückschreckt und dann noch lange fluchend und flennend gegen die böse Türe hämmert. Manchmal macht man Türen zu, weil jene die da heindrängen ins eigene Gehäuse einem schaden, weil sie einem schon beinahe auf die Füsse treten, oder sobald sie drinnen sind, nur Verwüstung und Verwirrung hinterlassen. Manchmal ist es einfach nötig, schon aus reiner Selbstachtung, jeden Kompromiss zu verweigern und einfach zu sagen dass hier jetzt mal Ende ist! Das tut ganz gut, selbst wenn es denjenigen, dem man da die Türe scheppernd vor der Nase zuschlägt brüskiert und er sich als armes Opfer sieht. Aber wie man sich sehen mag ist doch jedem selbst überlassen! Es ist ja auch die eigene Türe und der eigene Raum und darüber darf man (und sollte man) ja auch selbst bestimmen!

Ist schon klar dass dann gejammert wird, nachhaltig und lange und auch dass man gern und rasch zum “Bösen” geamacht wird. Man hört das ja, wenn auch immer leiser werdend, auch noch durch die geschlossene Tür. Was soll der Andere auch tun? Vor allem wenn da keine kritische Selbstbetrachtung erwartet werden kann, weil aktuell die Emotion die Oberhand hat. Man weiss auch, dass wenn man die besagte Türe wieder nur einen Spalt breit öffenen würde, man in kürzester Zeit den selben Ungemach im Haus hätte wie zuvor! Da macht es keinen Unterschied ob durch die geschlossene Türe hindurch gebettelt, geklagt, verleumdet, geblökt oder gemault wird. Zu bleibt zu! So halte ich das, denn nur diese Haltung bewahrt vor dem Hamsterrad des Übergriffigen. Übrigens, auch das Hamsterrad hat man weiterentwickelt, jetzt ist`s eine Hamsterrolle mit unendlich vielen Spuren und wer hat schon Lust, sich im Sinne herzlicher Versöhnung und all dem was da an emotionaler Trunkenheit mit einher geht, im Handumdrehen auf der nächsten dieser Spuren wieder zu finden – denn selbst wenn die neue Spur eine andere Farbe hat, so ist doch das Rad das selbe! Man mag sich vielleicht auch irgendwann mal neu begegnen und mache Türe öffnet sich dann vielleicht auch vorsichtigst wieder – oder eben nicht.

“Türe zu” meint auch sich wirklich abzugrenzen! Es meint mal die Reissleine zu ziehen, um dem weiteren Raubbau an Lebenszeit ein Ende zu bereiten. “Türe zu” meint auch, dass man sich nicht mehr in das so fein durchdachte Spiel des Anderen zwingen lässt! Der Ausstieg ist legitim wie der Hinauswurf auch! Klingt irgendwie nach “unversöhnlich” oder gar “radikal” –  Nein, das ist es keineswegs! Das nennt sich schlichtweg “gesunder Abstand” aber ohne das ständige Bedürfnis, sich wieder und wieder neu und wohlig arrangieren zu müssen – natürlich des guten Einvernehmens wegen, man muss ja … Nö. Muss man nicht. Man hat vielleicht ja auch wichtigeres zu tun und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, hat man es ja auch satt, das selbe Stück nur in anderen Kulissen zu spielen. Das ist elend, vor allem dann, wenn die guten Rollen schon verteilt sind und nur mehr der “gute Depp” als Rolle zu haben ist.

Warum dann die Angst vor dem Schliessen der Türe? Das ist einfach: man scheut die Irritation im Umfeld die dann zwangsläufig entsteht und man will ja geliebt werden weiterhin. Das eigene Ego will ja geschmeichelt sein und man will auch nicht ausserhalb stehen von… ausserhalb? Ja wovon denn eigentlich? Wenn man es genau behirnt (was ein wenig aufwändig aber ungemein hilfreich ist) stellt man fest, dass so manches “sich Ausschliessen” ja genau genommen eine echt beruhigende und befreiende (auch heilsame) Wirkung hat – und zwar auf alle! Bei genauerer Betrachtung erkennt man sogar  dass man sich ja nur der Inszenierung des Anderen entzieht! Klar bringt so ein Verhalten das ganze Stück ein wenig durcheinander und vielleicht braucht derjeneige, dem man da die Türe zugeknallt hat, ja etwas länger um zu begreifen, dass das Brett das er vor dem Kopf hat ja nur meine (!) jetzt geschlossene Türe ist! Aber selbst das ist ja dann nicht das Problem des Türschliessers! Und Probleme, so lange sie nicht die eigenen sind, sollte man denen lassen, die sich darauf spezialisiert haben, die eigene Existenz über eine ewiggleiche Dauerproblematik samt lächerlicher Dramatik zu definieren. Niemand kann da was dafür. Es geht hier nicht um Schuld sondern höchstens um Versäumnisse und Unwissenheit. Trotzdem:  Lasst sie jammern und raunzen. Lasst sie maulen und zetern. Lasst sie ruhig verzweifeln weil ihr Bühnenstück nicht mehr so gut funktioniert! Sie werden ruhiger werden irgendwann und sie erkennen auch vielleicht, dass der gefühlte Schmerz nur vom ständigen Hämmern und Treten gegen fremde  Türen herrührt. Den blauen Zeh lasst euch nicht anlasten, der ist schon selbstgemacht!

Warum ich das schreibe? Nun, unlängst wurde ich in meiner Praxis von einem meiner Klienten gefragt, was man denn tun könne, um wirklich zu vergeben, sich zu versöhnen oder irgend eine liebe Vorstellung von Harmonie zu erzegen, etc. Alle bisherigen Versuche waren ja gescheitert! All die Jahre mit all den ehrlichen, aber Bemühungen waren umsonst gewesen! Jeder Versuch die Tür wieder zu öffnen um zu “geregelten Verhältnissen” zurückkehren zu können, endeten immer invasorisch. Jedes mal ritten die Hunnen plündernd und brandschatzend durch die Bude! Jedes mal ein emotionaler Raub! Jedes mal der selbe Übergriff! Jedes mal verbrannte Erde, Schutt und Asche! Jedesmal das eigene Herz in Flammen und der Kopf im Sand. Jedes verdammte “Vergebungsritual” (was in anderm Kontext natürlich auch Sinn machen würde) war für die Tonne gewesen, weil der Andere da keinerlei Verstand dafür hatte, weil er nicht wollte oder konnte oder durfte! Jedesmal die leergeräumte Wohnung mit Ausreden und Versprechungen an den Wänden zurückgelassen. Jedemal die Hoffung im Postkasten. Jedesmal enttäsucht worden weil zuvor (selbst) getäuscht. Dann sogar noch der Selbstvorwurf dass man “nicht genug getan hätte” usw. usft.  Ich dachte nach, gar nicht mal so lange, aber doch lange genug, dass mein Klient auf eine sehr ausführliche Antwort hoffte. Die Antwort aber war: “lass die verdammte Türe einfach zu!” Das war`s. Das war die Antwort. Punkt. Und kein schlechtes Gewissen, kein “man müsste doch”, kein “aber”. Es war einfach. Und es war klar. Und wahr auch und befreiend obendrein. Und es war offenbar der beste Rat den ich hatte geben können. Richte Deinen Fokus auf Deine Entwicklung. Vergeude Dich nicht!

Wer  aus Angst vor der Einsamkeit die Eingangstüre durch einen Vorhang ersezt, darf sich dann nicht wundern, wenn da ein eisig scharfer Wind durch die eigenen vier Wände pfeifft und alle Wärme nimmt. Also keine Angst davor mal wirklich konsequent dicht zu machen! Das schlimmste das einem geschehen kann, ist ein wenig üble Nachrede, die mangelndem Verständnis geschuldet ist. Man mag vielleicht als “kaltherzig” oder “unversöhnlich” gelten aber mal ehrlich: Konsequenz hat ja viele Namen, da ist für jeden was dabei und jeder übersetzt sich die Welt aufgrund seines aktuellen Zustandes. Schmeisst man die Türe mal ordentlich und konsequent ins Schloss und dreht den Schlüssel drei mal rum, dann geht vielleicht ein Aufhorchen durchs Volk und die Erkenntnis gewinnt Raum, dass man durchaus noch Herr im eigenen Hause ist!

Ich mag das Jammern nicht, die Bettelei, das Gekrieche und halbherzige Geseiere. Ich mag das Energie-Verschwenden nicht, das blind und blöd sein. Ich mag das “Licht-unter-den-Scheffel-stellen” nicht, auch nicht die Selbsterhöhung. Ich mag der eigenen Hände Arbeit. Ich mag das TUN aus eigener Kraft und das SEIN das daraus erwächst. Das braucht Energie und gehaltenen Fokus. Ich mag die Türen die sich öffnen und schliessen, die Übergänge und den Respekt dessen es bedarf um die Schwellen überschreiten zu können. Ich mag es wenn das Wort “Freund” ein wahrer Schlüssel und kein nachgemachter Zweitschlüssel ist. Ich mag die Klarheit einer geöffneten wie einer geschlossenen Türe und alles was dahinter liegen mag. Und ich schätze die Freiheit ganz selbst meine Türe öffnen und auch schliessen zu dürfen.

Wer seine Türe bewusst geschlossen hat, der kann sie dann auch ebenso bewusst jenen öffnen, die er  von ganzem Herzen FREUND nennt – und jene, die einen von Herzen lieben, denen gibt man auch voller Freude, Vertrauen und ganz ohne Furcht den Schlüssel – so als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.

 

 

herzlichst

Georg

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One Comment

  • Siegrun

    Lieber Georg,
    Danke ! Genau das hab ich gerade gebraucht!
    Liebe Grüße von
    Siegrun

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