Theaterdonner

Das ist schon ein ganz besonderes Theater in dem viele aktuell wie gefangen sind, von der Qualität des Stückes das gegeben wird ganz zu schweigen.

Aus gegebenem Anlass darf ich nochmal auf das Beispiel hinweisen mit der „letzten Vorstellung“ der sogenannten „Demiere“. (Der Abgänge auf der Politbühne bzw. der ministeriellen Resteverwertung wegen)

Die „Demiere“ ist das Gegenstück zur „Premiere“. Es ist die allerletzte Aufführung bei der natürlich dann auch besonders viel und lange geklatscht wird – am besten bis zur Erschöpfung oder Ohnmacht. Das zieht sich dann. Das braucht Geduld.

Von den Schauspielern die noch bei der „Premiere“ dabei waren, also die richtig selbstkritischen und deswegen so guten die für ein ebenso gutes und kritisches Publikum ihr bestes gegeben haben, von diesen ist meist auch keiner mehr dabei. Wenn der letzte Vorhang fällt sind diese entweder schon in Rente (wenn ein Stück nur lange genug gegeben worden ist) tot, oder abgewandert in bessere Spielhäuser, haben höher dotierte Engagements, spielen, andere, “wichtigere” Rollen oder haben sich gar zum Regisseur oder Intendanten gemausert bzw. schreiben sich gottgleich die Bühnenstücke zurecht die sie der Menschheit aufzuzwingen gedenken.

Bei der dieser staatlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen „Demiere“ spielen nun also nicht mehr die Besten der Besten sondern eher die Reste der Reste, was z.B. an der aktuellen politischen Lage leicht zu erkennen ist: Da wechselt man eben schnell mal den einen gegen den anderen. Aber weil nichts mehr „vernünftiges“ auf Lager und Not am Mann ist ist, muss da schon mal auch jemand einspringen der mit Schauspiel gar nichts am Hut hat, dann muss eben ein Mann eine Frauenrolle spielen und umgekehrt, da macht man schon mal den Bock zum Gärtner. Und weil einem die aufgezwungene Rolle nicht liegt, spielt man sie eben herzlos, ohne Hingabe, ohne Können sowieso dafür aber vor allem eines: verbissen!

Im Orchestergraben, bei den Musikern herrscht ähnlicher Verfall: Man trötet blöde so vor sich hin, arbeitet lustlos ab was halt so auf dem Blatt steht oder von oben vorgegeben wird. Das machen die Medien tagtäglich und es ist eh schon egal wenn da was nicht stimmt, wenn der eine Ton nicht zum anderen passt und überhaupt sich irgendwie alles kunterbunt vermischt. Am Ende ist’s eine Kakophonie – also übler Lärm, aber was solls, das Publikum hat man ja ohnehin schon lange taubgespielt – das kann Wagner nicht (mehr) von Bach unterscheiden – so what?

Natürlich verlangt diese letzte und weitab mieseste Vorstellung ein ebensolches Publikum! Und das, seit Jahrzehnten in der selben Vorstellung gefangen, flätzt kritiklos und teilanästhesiert von der Fadheit der Darbietung in den arschwarmen Sesseln mit denen es teilweise fest verwachsen ist. Manche wissen gar nicht mehr dass sie Beine haben, dass sie aufstehen und sich bewegen könnten! Ander sind selbst zu Sesseln geworden auf denen wieder andere sitzschlafen. Man schlunzt in trauter Massendrögheit rum im samtenen Einheitsbrei und geniest den Theatermief. Das ist eben Gewohnheit meist aber schon Tradition.

Dass man im Theater ist, während draußen die Sonne scheint und das wirkliche Leben stattfindet, das weiß keiner mehr – vielleicht ahnt man es noch als eine Art “Mythos” und ersetzt das Fehlende durch abblätternde Kulissen. Ja, das muss man auch irgendwie “mögen”, das ist schon klar.

Und wie findet das Publikum das schlechte Stück, gespielt von ebenso schlechten Schauspielern und begleitet von einem angepasst schlechten Orchester? Nun, DIESES Publikum findet das alles ganz, ganz toll und prima! DIESES letzte Publikum klatscht sich jeden Abend die Hände wund und hört nicht auf „bravo“ zu rufen und dann, bei der aller, aller, allerletzten Vorstellung, der schlechtesten von allen, da wird es stehende Ovationen geben (so man noch hochkommt) und welke Blumensträuße werden auf die Bühne klatschen ohne Ende! Dieses Publikum und diese Schauspieler haben einander verdient! Das ist wie die Faust aufs Auge. „Passend“ möchte man sagen oder eben “ganz für einander gemacht“. Das kann keiner leugnen der klaren Auges hinsieht. Dass auch dieses Publikum einmal erwachen wird (und ebenso die Schauspieler) ist keine Frage, aber was dann geschieht ist ein ganz anderes Thema, das womöglich viel mit “Erkenntnis” mit “Einsicht” und mit “Scham” zu tun haben wird.

Glücklich ist, wer das Theater der Egoismen schon lange vorher verlassen hat und das trotz des emotionalen Abonnements das man irgendwann abgeschlossen (bekommen) hat und ganz egal ob das von jenen die da drinnen sitzen und ängstlich vor sich hin altern, verstanden wird oder nicht! Irgendwann geht man, weil es einem zu viel wird oder zu wenig ist – je nachdem! Da wird man auch schon mal böse angezischt beim Verlassen der Vorstellung! Da gibts so manchen Knuff in die Seite und so manch harscher Befehl schlägt an einen dass man das lassen soll und dass man sich gefälligst zu setzen hätte – aber nein, das tut man sich dann doch nicht an und seinem Leben auch nicht!

Es ist dies die letzte Vorstellung einer mehr als nur in die Jahre gekommenen Versagertruppe die eben das einzige tut was sie kann: spielen bis zum bitteren Ende, in einstürzenden Kulissen, mit sinnbefreiten Texten und mit übler musikalischer Begleitung! Die Truppe ahnt ihr Ende und das ist wirklich nahe! Also spielen, spielen, spielen – egal wie schlecht und so lange bis man alles verspielt hat und von einem nichts bleibt ausser eine leere Hülle. Dann hat man ausgespielt – im wahrsten Sinn des Wortes.

Würden sie wenigstens eine Komödie zum Besten geben, frei von Leid und nur mit stumpfen Waffen und so vor allem ohne Kollateralschäden! Wäre das Blut doch nur Theaterblut! Dieser Restbestand an schlechten Schauspielern spielt aber nur sich selbst, also die eigene Schlechtigkeit und arrogante Verlogenheit und in beidem findet sich dieses sehr spezielle Publikum wieder – darum der für uns unverständliche Applaus, darum die völlig unangebrachten „bravo“-Rufe, darum die hysterischen und deshalb deplatziert anmutenden Ovationen.

Doch hat jedes Stück ein Ende, auch dieses und dann wird es heißen: „Das Theater ist tot – lang lebe das Theater!“ … und der Rest, ist Schweigen…

Was bin ich froh nicht mehr drin zu sein sondern draußen, im richtigen Leben auch wenn heute mal nicht die Sonne scheint sondern Regen fällt und der Donner rollt! Aber: Der Regen ist echt und der Donner ist kein Theaterdonner! Das macht mich froh und ich weiß dass ich den Einsturz des Theaters noch erleben werde – aus sicherer Entfernung, ohne Emotion, nur beobachtend – darum werde ich auch nicht klatschen und „bravo“ rufen werde ich auch nicht.

Es wird sein wie es eben ist: zu Ende gespielt. Und dann spielt das alles endlich keine Rolle mehr!

Habt Geduld! Das wirkliche Leben ist stark, stärker als jedes Theater und wenn Ihr ein Teil des wirklichen Lebens seid, dann kommt die Stärke auch zu Euch!

bis bald, am Feuer der Freundschaft

herzlichst

Georg