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Tagesverfassung


Seltsam sind sie, diese Zeiten und noch seltsamer ist der Mensch der sie durchlebt. So ist mir jeder Tag ein neuer, anders und manchmal auch unsicher, weil je nach Tagesverfassung sich die Regeln ändern. Diese Tage haben etwas von Sturm und Flaute zur selben Zeit. Drinnen im Kopf tobt manchmal der Sturm während rundherum nur Flaute herrscht. Nichts geht. Alles steht still und selbst wenn eine neue Verordnung mich und mein Tun betrifft, so ist es wie einen Schritt nach vorne zu machen und zwei zurück. Ich bin zurück geworfen auf das was ich wirklich und real zu tun vermag, auf das was effektiv ein Ergebnis bringt - eine gute Lektion incl. Existenzangst.


Man weiss ja auch nicht woran man sich halten, oder was man letztlich glauben soll. Das Angebot an Erklärungen und Glaubensmodellen ist unüberschaubar geworden und verwirrt mehr als es erklärt. Hier findet sich kaum echter Halt. Es scheint, als wüchse jeden Tag Neues hinzu und man verirrt und verheddert sich rasch in diesem dichten Wald aus dornigen Theorien. Es gilt den Geist im Zaum zu halten, weil er will lospreschen und das Vakuum im Kopf mit Erklärung und Deutung füllen. Er sucht nach Sicherheit, man kann es ihm nicht verdenken. Einem Vakuum gleich saugt er alles gierig ein was in seine Nähe gerät! So muss man acht geben woran man sich annähert, denn manches ist Gift für das Herz!


"Zukunft" - das ist ein mächtiges Wort in diesen Tagen. Ebenso das Wort "Nein". Beides wagen viele nicht anzudenken weil die Konsequenzen allzu fordernd wären. So denkt man sich weiter als die Zukunft es zulässt, man denkt sich in die Utopie die ja auch schön sein kann - aber man neigt mitunter dazu sie zu missbrauchen, als Anästhetikum gegen das dumpfe, hohle Ziehen das man im Jetzt fühlt. Ob das gut gehen kann beantwortet sich immer erst im nachhinein. Nun, "man wird sehen" denkt man sich und sagt es auch, obwohl man es (vor) ahnt und sich den Schmerz der Enttäuschung hätte ersparen können. Was es bleibt ist gemachte Erfahrung - mit Kollateralschäden natürlich die eventuell vermeidbar gewesen wären.


Die Tagesverfassung, die ja aus weit mehr resultiert als unserer bewussten Einstellung zum Jetzt, drängt uns manchmal über Gebühr in die Suche nach Grund und Sinn. Und eben dieser Suche ist auch viel Frustration geschuldet, weil die eine Antwort nach welcher es uns verlangt so einfach nicht gegeben werden kann! Stumm bleibt man zurück, mit diesem nagenden Hunger im Geist der endlich wissen will, der Klarheit sucht und Orientierung. Man denkt sich durch unsäglichen Morast und müht sich das zu verstehen was unverstanden bleibt oder unverstanden bleiben muss, schlicht weil es Unsinn ist.


Aber es kommt auch der Tag das stellt man fest, dass diese eigene Suche nach "den wirklichen Fakten" zum Scheitern verurteilt ist da es einem (den meisten von uns) an Befähigung mangelt! Man ist kein Sachverständiger und kein Wissenschaftler. Man ist eben nur man selbst und die Suche endet noch vor der wahren Quelle. Man erkennt, dass egal was man zu wissen glaubt, es letztlich nicht selbst beweisen kann! Man begreift, dass man egal wie nahe man der Quelle sein mag, am Ende doch nur glaubt. Mehr geht auch nicht und mehr wird auch nie möglich sein, zumindest solange nicht, wie uns die Fähigkeit zur eigenständigen Beweisführung fehlt. Das ist weder neu noch ist es besonders tragisch, denn so geht es uns ja mir Vielem das wir nicht selbst zu überprüfen imstande sind! So geht es uns doch auch mit manch ganz banalen Dingen des Alltages: Wo eigene Erfahrung nicht möglich ist, beginnt der Glaube - das ist auch ganz natürlich und kein Grund zur Sorge. Es gilt dass man nicht alles wissen aber eben alles glauben kann - und hier scheiden sich die Wege.Ich will mehr wissen als glauben. Das ist meine "innere Natur". Das wusste ich nicht von Kindesbeinen an, obwohl mich eine Erinnerung immer wieder einholt, in welcher ich die mahnenden Worte meines Vaters kindlich trotzig mit der Aussage quittierte, dass ich gefälligst Selbst draufkommen wolle, ob mir dies und jenes schaden würde oder nicht. (zugegeben: Vater hatte recht behalten)


Mir, wie vielen anderen auch, ist es eben eigen, dieses "selbst draufkommen wollen". Es macht mich ein wenig rebellisch und unbeugsam. Es lässt mich etwas allergisch auf Bevormundung von oben reagieren - vor allem dann, wenn sich mir die Sinnhaftigkeit nicht erschliesst. Es macht mich manchmal sogar wütend, das geben ich zu, wenn ich Andere sehe wie sie (scheinbar) wider besseren Wissens gegen Wände rennen und sich die Köpfe einschlagen. Aber vielleicht, denke ich mir dann, sind sie ja wie ich und das macht mich dann wieder etwas sanfter gegenüber dem Mensch und seiner/unserer seltsamen Welt.Zudem hat mich dieses "wissen wollen" oder dieses "die Erfahrung selbst machen wollen" durch etwas Übung und Arbeit an mir, dahin geführt, dass ich nun immer schneller es schaffe meinen Fokus auf jene Dinge zu lenken, die ich sehr wohl direkt beeinflussen kann! Es sind jene Dinge und Felder um mich, deren direkter Interaktion mit mir ich sicher bin. Hier findert die Beweisführung ständig statt - ganz nach dem Prinzip von "Aktion und Reaktion". Es sind dies die Felder der "unmittelbaren Verantwortung". Es sind die Felder der "direkten Konsequenz". Und wie ich in diesen Feldern agiere, welche Ergebnisse sie zeigen, ist natürlich auch von meiner Tagesverfassung abhängig, welche ich selbst positiv zu beeinflussen gelernt habe und weiter lerne. Da geht es um Lebensenergie und wie wir sie zu lenken imstande sind! Es geht um Techniken, um die Arbeit am Selbst, aber auch um jene gelebte Spiritualität, die uns diese Arbeit am Selbst ermöglicht! Darum die Schwitzhütten, Ahnenarbeit und das gemeinsame Tun - weil im Miteinander die Kraft sich verfielfältigt und es gemeinsam noch mehr Freude macht!


Es sind seltsame Zeiten und seltsam ist der Mensch der sie durchlebt. Seltsam ist er, weil er sich verliert. Seltsam ist der Mensch, weil die Angst ihn so ungemein leicht zu steuern vermag. Er ist seltsam, weil es eigentlich einfacher ginge, liebevoller und ohne Kampf. Er ist seltsam, weil er oft erst zu spät erkennt, was er zu erreichen vermocht hätte, wäre er nur mit gut von Wissem genährten Geist dem Ruf und Weg des Herzens gefolgt!


Es sind seltsame Zeiten und sie sind so seltsam wie der Mensch der sie durchlebt. Eigentlich sind sie so seltsam WEGEN des Menschen der sie durchlebt und WEGEN seines Zustandes - also WEGEN unser aller Zustände! So ist die Zeit bzw. ihre Qualität ERGEBNIS unseres Zustand-SEINS! Was für eine Macht wir doch haben und was für eine Chance dies birgt, lernten wir nur endlich dem Denken des Herzens den Vorzug zu geben!


Da ist auch Hoffnung auf "das Neue" und diese Hoffnung ist durchaus bereichtigt, weil ja auch die Möglichkeit gegeben ist! Natürlich kann alles Neu werden! Natürlich kann und darf sich neues Denken und Handeln, ja sogar neues Fühlen etablieren! Das wäre ja der Sinn in allem! Wie müssten nur begreifen dass das "Es" und das "Wir" jeden Einzelnen meint!Vielleicht ist es an der Zeit, die Furcht abzulegen und sich der Erfahrung hinzugeben. Vielleicht ist es endlich Zeit, damit aufzuhören "seltsam" zu sein und dafür "natürlich" zu werden. Vielleicht ist es and der Zeit, neue Wege einzuschlagen - und wenngleich der Weg letztlich ein gemeinsamer sein wird, so bleibt die Entscheidung ihn zu gehen doch in der Verantwortung jedes Einzelnen - und zwar ganz unabhängig von dessen Tagesverfassung!


Entscheiden dürfen wir es selbst, an jedem einzelnen Tag unseres seltsamen, aber im Grunde wunderbaren Lebens!


bis bald

herzlichst


Georg