Sentimentalitäten


Gegen Ende hin ist es doch immer so und das bei allen: Man wird sentimental. Was waren das noch für Zeiten damals! Wann war das eigentlich? War es vor einem Jahr oder vor zwei? Ich suche im Kopf nach Zahlen und krame schliesslich 2019 hervor. Erschreckend! So lange her das alles, das Unbeschwert-sein, das leichte Gefühl im Bauch und das Licht hinter der Stirn. So lange ist das her, dass wir, eine Hand voll seelenverwandter Freunde, weit weg vom gewohnten zuhause, ganz eins waren mit einem fremd-vertrauten Land.


Da kommen die Bilder! Von unglaublicher Weite, von urtümlichen Wäldern und gewaltigen Bergen. Da ist der nahe Blick des Bisons noch einmal gegenwärtig und der Flug des Adlers wird zum eigenen. Das ist lange her und doch so nahe. Wie eingebrannt ins Herz ist es. Und erst die Begegnungen! Brüder, Schwestern, wie einfach es war trotz unterschiedlicher Kultur und Geschichte – obwohl: der Unterschied wurde im gemeinsamen Tun und Sein aufgehoben! Ja das war ein Wunder und ein befreiendes und ganz Großes noch dazu!


Reine Sentimentalitäten sind das. Aber das macht nichts. Das tut schon ganz gut manchmal. Und wenn sie kommt, diese Sehnsucht nach “früher”, dann kündet es von einer Spitze die man eben am Überschreiten ist, als Einzelner oder als Ganzes. Da sehnt sich dann eine ganze Gesellschaft zurück in ein Gefühl das man mit einem, meist besseren Damals verbindet. Wobei das Gefühl, das da in einem aufsteigt wenn man sich erinnert ja kein “ehemaliges” Gefühl ist, sondern ein ganz aktuelles! Das was man da fühlt ist ja JETZT gefühlt! Also ist der Zustand, nach dem man sich zurücksehnt ja durchaus transportabel und nicht in der Zeit verloren! Selbst jetzt, da die Welt chaotisch ist und für Viele beängstigend, kann das Gefühl dazu ein ganz anderes sein. Wie bei mir gerade heute! Ich bin ja hier, also jetzt in “good old 2021” und wenn ich mich nach 2019 zurücklehne, dann bin ich immer noch hier und das was ich fühle wird ganz gegenwärtig und jetzt!


Ich denke dass die Zeit nie relativer ist, als wenn man sentimental wird. Ich weiß nicht ob Einstein sentimental war, als ihm seine Relativitätstheorie einkam, aber ich will es gerne glauben. So wird mir die Zeit eben jetzt etwas weich und biegsam und beweglicher, also relativ. Ich schaue mir die Fotos an und bin dort und hier zugleich. Die Zeit verliert das “lineare” und wird zur “Gleichzeitigkeit”. Ganz wie im Ritual, wie im spirituellen Tun! Sie wird ein grosses Jetzt, das eine weite Fläche meines Lebens beleuchtet. Es ist wie wenn die Sonne aufgeht, irgendwo in Montana, über den Hügeln, über den Tipis und über der Welt die sie sind.


Zwischen den Bildern sind die Geräusche und Gerüche gelagert. Sie rieseln wie aus den Seiten eines Buches hervor in dem man blättert. Bald bildet sich ein Wort, da ein Satz, ein Lied und der Rhythmus einer Trommel die alles trägt. Vieles steigt da auf und füllt den Raum den ich um mich habe. Und mit allem das da kommt, das da aufersteht wie der Phoenix aus eigener Asche, bildet sich ein Sinn und eine Wahrheit: meine Wahrheit und mein Sinn!


Da ist ein ganz klares Bild vom Sein und vom Werden. Aber es ist nicht besser als das andere Jetzt, das ich jetzt 2021 um mich habe. Denn alles ist Teil von allem. Es ist ein Gewebe, ein Kleid das ich tragen kann, ein wärmender Mantel und es ist nicht nur in mir sondern in allen die mit mir waren und sind. Ist das noch Sentimentalität oder ist es schon Magie? Mir scheint es letzters. Wegen der Kraft die aufkommt und weil ich nicht traurig sein kann dabei. Traurig wäre ich, fühlte ich das Vergangene nur als kalte, papiererne Geschichte! Aber das Gefühl in mir ist nicht kalt sondern ganz fuerig warm und wenn ich eben jetzt schon nicht in diesem Land und bei diesen Menschen bin, so sind das Land und die Menschen in mir! Das ist das Selbe. Das ist EINS. Das ist Verbundenheit. So oder so.


Ich erinnere mich des Handschlages eines alten Lakota. Es war nach einem sehr persönlichen Moment, nach einer tiefgreifenden Erfahrung. Ich fühle seine warme trockene Hand in der meinen. Ich sehe in seine Augen. Ich höre ihn “wašté!” sagen. “gut!” Ich wusste damals und weiß mich auch heute angenommen und erkannt in diesem Moment und dass dies für immer sein wird. Ich fühle seinen Blick ins Herz, damals wie heute – ich fühle ihn JETZT! Ich erinnere mich auch daran, wann Handschlag, Blick und Wort mich erreichten: Es war auf einem Höhepunkt der Anstrengung gewesen! Es geschah, als ich wirklich kämpfen musste und die Gefahr des Scheiterns groß gewesen war! Es war der Moment an dem sich alles änderte! Es war der Moment in dem ich zu mir gefunden hatte.


a´ho


Georg


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