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Menschenhaut


 "Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas." (Christian Morgenstern)


Manchmal ist er wie ein leerer Sack, der Mensch. Verloren in der Welt. Ohne Inhalt. Das Herz noch nicht ausgegossen. Eine blosse Hülle ohne echten Inhalt, dafür mit jeder Menge Leere. Da kann man dem Menschen gut die Angst in den Kopf setzen. Da lässt er sich leicht gängeln oder erziehen. Schnell lässt er sich vor einen Karren spannen, ist mit einem mal ganz erfüllt von der Aufgabe und zieht ihn freudig, ohne zu wissen wohin, oder für wen. Das Ziehen selbst ist schon Erfüllung, sich steigernd mit der Schwernis! Ins Joch gespannt, glaubt er sich so zu befreien vom "Sack-Sein". Im Miteinander des Gegeneinanders, fühlt er sich auf der Seite der oder des "Guten", immer, ganz ohne eine Ausnahme, die nur der Zweifel bringen könnte. Aber den Zweifel lässt man nicht zu.


Manchmal ist er, die "Krone der Schöpfung", nur eine ungefüllte Menschenhaut. Ein hohler Kopf. Eine Leere auf zwei Beinen. Ein blosses Wort ohne Fleisch drum herum. Da fragt es sich, womit sie füllen, diese Haut? Was in den Kopf geben, das auch Sinn macht? Und wohin dann gehen? Das tut Not, denn wo der Sinn fehlt, ist alles nichtig und dumpf. Und ein Blick ins aktuelle Welttheater zeigt: Ein mehr an "dumpf" verträgt es eher nicht! Wenn der Sinn aber kommt, dann wird man zu etwas, das im Ansatz schon sinnhaft ist. Dieses Etwas darf wachsen, darf werden und verstehen und sein. Dieses Etwas wird zum Selbst. Und das ist schön - ganz ohne jeden Zweifel. Doch es geschieht nicht immer ganz von selbst. Und es scheint schwierig, man ist ja nicht alleine, sondern Teil der Herde und soll sich doch in Rücksicht üben.


Viele Menschenhäute sind leer, obwohl sie doch irgendwie gefüllt wirken. Aber sie sind nur mit viel Ego aufgeblasen, oder über andere, weitere Hüllen gestülpt. Da mangelt es an echter Fülle. Andere wiederum scheinen richtig prall! Aber das Drinnen ist kein Sinn, sondern nur das trockene Stroh der Ängste, das den Funken sucht, um endlich leuchten zu können. Das zündende Flämmchen kommt dann über das Ohr und das Auge. Es erliest un hört sich im alltäglichen Schrecken der Medien. Ganz leicht fängt dieses Stroh dann Feuer, brennt hell und kurz. Aber es wächst auch nach, jedesmal ein wenig mehr, nach jedem Abbrand dichter und spitzer. Das Stroh verdrängt jedes Gefühl und zersticht den Geist. Das macht leicht führbar. Das ist und war immer schon gut für jeden Krieg. Das macht einem dann nichts, wenn man zum Opfer wird, oder zum Täter - immer für andere versteht sich. Moral ist formbar nach Bedarf. Man kann sich die Leere Haut auch vollfressen, mit allem, vornehmlich mit Hass und Wut und Besserwisserei. Faschismus macht gefühlt satt, Rassismus ebenso, auch das Vorurteil tut das seine. Das hat beinahe schon Tradition - und wenn nicht dann hat es zumindest Routine.


Jetzt stehn wir da, mit unserer leeren Menschenhaut und wissen nicht recht was tun mit ihr. Doch wir sind nicht verloren! Denn wo der Inhalt fehlt ist Raum! Wir könnten ihn mit so viel Gutem füllen! Wir könnten ihn ein Leben lang mit Liebe befüllen und mit klarer, reiner Kraft, und kämen dennoch nie zu Ende! Wir könnten aus dem Innen heraus leuchten! Strahlen könnten wir und weit mehr sein, als blosses Behältnis! So vieles könnte in uns sein und wachsen! Das Schöne, das Edle, das Seiende! Wir könnten uns mit wahrer und wirklicher Selbsterfahrung füllen und mit dem Erleben des echten "Wir". Ja, erfüllt könnten wir sein! Erfüllt von einem Weg und einem Ziel! Ganz Vision könnten wir sein! In uns könnte sein, was im Aussen wirkt! Die Ahnen, der grosse Geist selbst!


Wenn wir es nur wollten! Wenn wir es nur geschehen liessen! Wenn wir nur endlich aufhören würden, uns mit all dem Unrat zu befüllen, den man uns hinwirft! Wenn wir nur den Mut fassen könnten, um uns ganz weit und gross zu machen, für all das Wunderbare, das aus der wahren Welt zu uns drängt! Denn eigentlich ist es ja ganz leicht! Ganz leicht, weil die Leere in uns ja von Natur aus befüllt sein will! Sie sucht ja, sie drängt uns, sie flüstert! Die ewige Sehnsucht nach Ganz-Sein, ist ja eben dieser Leere geschuldet! Und wenn wir uns hinein wagen in die wahre Welt, wenn wir wirkliche Spiritualität um uns erfahren, dann strömt all das wonach wir uns immer gesehnt haben, wie ganz von selbst in uns! Ganz offen sind wir dann und weit und frei! Dann sind wir eins mit uns und allem! Dann ist es gut! Dann ist das Jetzt, das grösste Geschenk von allen! Dann hat alle Banalität ein Ende.


Es ist nichts schwer, das "Erfüllt-Sein". Es ist nur neu und ein ganz anderer Weg! Die Fülle ist ja schon immer da gewesen. Nur auf die Frage wo wir selbst gerade sind, auf die haben wir vergessen. Man muss halt einen Schritt tun. Man muss halt darauf zugehen und nicht warten bis "es" geschieht. Zum Wunder Mensch-Sein gehören zwei: das Leben und DU!


Also lassen wir die Leere hinter uns! Beginnen wir uns zu füllen - damit sich auch erfüllen kann, was an wunderbarem Weg und Ziel für uns vorgesehen ist!


bis bald


herzlichst


Georg