Licht und Wärme



(Ein Nachruf für J.)

Heut war ich im Wald, drüben beim Schwitzhüttenplatz. Da steht ein Baum, älter als ich und gross der bald umstürzen wird und das kann Schaden machen. Er wird fallen, das ist sicher. Man siehts an der Rinde wenn man weiß worauf man achten muss und man fühlt es vor, an einem langen, tiefen Riss. Darum hab ich heute ein wenig nachgeholfen, beim Niederlegen.

Ich habe meine Stirn an seinen Stamm gelegt bevor ich die Motorsäge angeworfen hab. Ich habe ihm und mir eine Minute stilles Sein gegönnt. Ich habe ihm und mir erklärt warum ich ihm nun helfe und er hat gesagt dass es gut ist. Wir haben es verstanden. Beide. Wir sind uns ähnlich. Auch ich habe meinen Riss. Jeder hat so einen im Leben. Ganz ohne Ausnahme.

Als er dann, nach kurzem, mächtigen Fall auf den weich beblätterten Grund gebettet war, da habe ich ihn mir genau betrachtet. Er hat mir dabei von den Jahren erzählt, auch von jenen, in welchen ich noch gar nicht wusste dass es ihn gab. Ich bin ihm gefolgt, bis in die Krone und da sah ich dass dort sein Stamm schon gar nicht mehr lebte. Das was man “Krone” nennt, das sieht man immer nur am Ende ganz genau und man erkennt, dass es Wuzeln nach oben sind. Da ist man dann gleichauf. Auch das ist gut.

Der Baum hat sich mir geschenkt. Er wird mir mit seiner gesammelten Sonne den Körper wärmen und mit seiner Flamme das Herz. Er wird mir erzählen, vom Sein und Werden und vom sich Wandeln. So wird er ganz in mir sein, mehr als zuvor und stärker sogar. Er wird mich daran erinnern wie wandelbar alles ist, wie unstet das Leben, wie vergänglich unser Wollen und wie groß die Unendlichkeit in allem wirkt.

Es ist so. Manchmal gehen Dinge zu Ende. Manchmal ganz von selbst und manchmal braucht es Hilfe dabei. So ist die Welt: In steter Wandlung, in ewigem Werden und Vergehen, auf allen Ebenen.

So ist auch der Mensch: Er kommt, er bleibt, er geht und manchmal wärmt er auf seinem Weg sogar anderen das Herz. Es gibt solche Menschen. Sie sind selten. Sie sind wie stille, geliebte Bäume die eigentlich schon Licht und Wärme sind.

Alles ist Veränderung, alles ist ein Kreis – da ist nichts das es zu fürchten gibt, nicht das Geringste!

herzlichst

Georg