Irgendwo dazwischen



Gibts nur mehr schwarz/weiss oder verstecken sich in den Grauzonen der kriselnden Gegenwart auch irgendwelche sinnhaften Fragen nebst Antworten? Will sagen: Ist das jetzt alles nur schlimm und elend oder findet man auch etwas Positives an der, zugegeben schwierigen Situation? “Positiv” wohlgemerkt ohne ganz und gar abartige Szenarien mit Hüpfeelfen und Grinseeinhörnern zu bemühen und auch jenseits der von den Regierungen fett-gesponserten Neusprechmedien und Propagandablättern oder deren invertierten Antipoden.

Leicht wird es einem ja nicht gemacht – wie oder woran soll man sich denn orientieren, in einer Gesellschaft die zu grossen Teilen dem ständigen, auch völlig grundlosen Maskentragen, einer romantischen Wunderwaffengläubigkeit, der Heraufbeschwörung der Apokalypse (aus diametral unterschiedlichen Gründen) und ähnlichen seltsamen Verhalten huldigt? Schon klar: Das ist die Angst. Die kann man jemandem leicht machen aber kaum wieder abnehmen. Den Angstmief bekommt man nicht mehr so einfach aus den Kleidern und dem Herzen gewaschen. Lüften alleine genügt da nicht. Aber das sind ja “die Anderen” – man selbst hat ja keine Angst, oder doch? Und wenn ja wovor?

Also werden wir jetzt alle verblöden und sterben oder was? Oder sterben doch nur die “blöden Uneinsichtigen” weg, wobei es jetzt schon fast unmöglich ist herauszufinden WER denn das eigentlich sein soll “die blöden Uneinsichtigen”? Oder sind gar beide Seiten mittlerweile blind und im Ansatz blöde? Und wie viele Seiten gibt es denn jetzt überhaupt? Und Angst ist Angst, wovor ist da schon beinahe egal! Haupsache man haut sich einander Spitzfindigkeiten und irgendwann vielleicht auch Pflastersteine an die Köpfe.

Also ich stehe irgendwo dazwischen. Dort wo man sich schwer tut mit “der Beurteilung” der Situation. Zumindest tut man sich schwer wenn man das Jetzt am Verhalten der Beteiligten, zwecks eigener Orientierung, bewerten will. Das ist so schwer weil der Wahnsinn sich mehr und mehr zur verbindenden Eigenschaft mausert. Immerhin. Vielleicht schnappen wir ja am Ende ALLE über – denn eine Panblödie scheint es allemal zu sein was uns da schlaflos, unmenschlich und zynisch macht.

Um nicht dem Schwarz-malen anheim zu fallen oder sich im schwarz/weiß-Denken zu verlieren bleibt mir nur eine Sichtweise, die mich immerhin fünundfünfzig Jahre alt werden hat lassen ohne dabei völlig ausgerastet zu sein. Eigentlich ist das weniger eine Sichtweise sondern es sind ein paar, mitunter wirklich recht unangenhme Fragen, die ich mir immer wieder mal in einer ruhigen Minute stelle:

Was ist jetzt mit dem Begriff “Menschenfamilie”? Wie ernst meine ich es damit? Sind wir denn jetzt nicht mehr Brüder und Schwestern? Oder sind wir es nur mehr bedingt, also je nachdem ob mein Gegenüber mir und meinen Vorstellungen entspricht? Gibt es gar Ausnahmen? Und Frage zwei: Ist das jetzt immer noch im Plan des Universums, des Grossen Geistes, oder Gottes (je nachdem wie man gelagert ist) enthalten, oder ist jene Schöpferkraft mal eben auf Urlaub und hat uns Deppen uns selbst überlassen? Was ist nun mit dem “universellen Plan”? Alles nur Cerebralonanie oder doch noch existent und wahr und wert mitgetragen und miterlebt zu sein? Und dann die Frage Nummer drei, deren Beantwortung wirklich etwas unnangenehm ist: Wollte ich denn nicht, großmaulig und wandlungsbereit eine Veränderung im “Grossen”? War mir nicht der Gedanke gekommen, dass es SO doch nicht ewig weiter gehen kann mit all dem Konsum und der penetranten Verlogenheit oder Borniertheit was den Sinn angeht? War mir nicht klar, dass es einen Neubeginn braucht und dass zuvor das Alte “absterben” wird müssen? Na bravo! Und ist jetzt keine Veränderung, zumindest schon mal ein Niedergang am Werken? – aber eben nicht so ganz nach meinem Geschmack und etwas ab von meiner romantischen Vorstellung wie sich alles zu entwickeln hat. autsch. Das tut jetzt ein wenig weh – der Stolz vielleicht, oder das Ego?

Vermutlich sind es Fragen deren Beantwortung zwar einfach ist, die aber zu wirklichen, persönlichen Konsequenzen führen können. Es sind Fragen, die man sich nur selbst beantworten kann. Und es sind Antworten zu erwarten die, sagen wirs mal elegant, ziemlich entlarvend für einen selbst sein können! Doch eines ist klar, und zwar dass die unangenehmsten Fragen meist die wichtigsten und die entsprechenden Antworten jene sind, die am meisten Konsequenz einfordern, ergo: am meisten Veränderung bewirken!

Irgendwo liegen sie, die Fragen und die Antworten. Irgendwo zwischen hell und dunkel, zwischen schwarz und weiss und vielleicht können wir der ganzen Sache ein wenig Tempo machen, wenn wir es wagen dorthin zu blicken wo wir in solchen Zeiten nicht all zu gerne hinschauen: In den Spiegel.

Es sind Zeiten des Wandels und wir sind mitten drin. Gemeinsam können wir einiges erreichen, aber nur wenn wir den Blick in den Spiegel wagen und zuerst uns selbst verändern. Spiegel sind immer besser als Feindbilder – ehrlich!

aho

bis bald

am Feuer der Freundschaft

Georg