Hypegesellschaft

Hypegesellschaft

Woran man einen “hype” erkennt? Das hat was von Silvester. Hypes sind wie Silvesterraketen: Eine recht kurze Lunte, dann geht das Ding hoch, alles gafft, dann der grosse Knall und ein feines, buntes, kurzzeitiges Feuerwerk – ein Spektakel das mal eben die Nacht zum Tage macht. Dazu viel Gestaune und Geklatsche. Dann kommt das ganze natürlich auch wieder runter und ist eigentlich für nichts mehr zu gebrauchen. Die ausgebrannte Hülse liegt dann in der Gegend rum und mancher nimmt, nachdem er sich die Asche aus den Augen gewischt hat und um die Pause bis zum nächsten Event zu überbrücken, das tote Teil nochmal auf, wirft es in die Luft und wartet auf das “bumm” und das “fzzz” – aber es kommt nichts mehr.

Wir leben in einer “Hypegesellschaft” in welcher eine bunte Feuerwerksrakete die nächste noch lautere und noch buntere ablöst. Es geht beinahe Schlag auf Schlag, pausenlos und alles starrt, atemlos, das Genick schon wie versteinert nach oben, fast taub vom ständigen Geknalle ringsrum, aber immer in freudigster Erwartung des nächsten kurzlebigen Spektakels. Das bedarf einer kritischen Betrachtung!!

Alles spielt sich dort oben ab, unerreichbar weit über den Köpfen der Zuseher und niemand schaut mehr auf den Boden der Realität, welcher übersät ist, von all den ausgebrannten Raketchen und so manchen qualmenden Rohrkrepierern. Wie schnell man vergisst, wie rasch man verdrängt, wie gut man darin schon ist die Enttäuschung durch die Vorfreude auf den nächsten bumms und das Aufflackern neuer Projektionen zu überspielen! Das Nichts verspricht alles, halten tut es was es ist – nichts!

Was man nicht mehr wahrnimmt, sind jene Schlauen und Schnellen im dunklen Hintergund, welche ein gutes Geschäft mit all den Böllern und Raketen machen. Was man auch nicht sieht oder nicht sehen will, sind deren willige Handlanger, die ebenfalls gegen Gebühr nun stolz das Feuer an die Lunten legen dürfen, ganz im Bewusstsein, dass da nichts an Nachhaltigkeit in den Himmel geschossen wird, oder gar fest überzeugt davon etwas ganz aussergewöhnlich Gutes zu tun und Teil eines grossen Ganzen zu sein – auch sie betrunken vom Spektakel, irregeführt von leerer Versprechung der man aus einem persönlichen Mangel heraus gerne anhängt. Sie handeln in der Hoffnung auf ideellen (auch spirituellen) oder nicht selten materiellen Gewinn und sind doch selbst die Betrogenen.

Was die Zuseher und Luntenanzündebeauftragten, also all die Teilnehmer der Inszenierung, allzuoft ausblenden ist, dass all das ihnen selbst auf den Kopf fallen wird, und dass man, die Nase im Himmel und knietief in der Asche der ausgebrannten Hinterlassenschaften der Hypegesellschaft kaum noch imstande ist, einen Fuss vor den anderen zu setzen. Man steht und gafft und beklatscht das Schauspiel und sich gegenseitig. Die Erfinder und Lenker des Ganzen sind da schon weit ab in sicherer Entfernung, auf dem Weg zum nächsten Event, denn sie wissen dass das was da vom Himmel fällt ganz ohne Wert ist. Was für die so Verlassenen Akteure bleibt ist was es war: der Schein, dessen Verpackung und die bittere Gewissheit mehr oder weniger aktiver Teil des nun abgebrannten Feuerwerkes gewesen zu sein. Den temporären Gewinn freillich haben Andere – und die planen schon den nächsten Hype.

Wer sich aber nicht einfangen lässt von all dem bunten Getöse, wer das Schlachtfeld verlässt auf dem zähnefletschend um jeden zahlenden Zuseher gekämpft wird, der tritt auf freies Feld, der spürt und sieht das lebendige Gras unter den Füssen! Wer sich endlich abwendet von all dem bunten Gelärme, der beginnt wieder zu hören was Natur, Welt und Seele für ihn als Botschaft bereithalten! Wer sich aus dieser gaffenden und betörten Masse löst, der findet wieder wirkliche Richtung und betritt neugierig und froh die alten Wege – jene Wege die da sagen “komm und schau, höre, fühle, erfahre, werde und sei!”

Es liegt an jedem selbst und wir entscheiden uns jeden Tag auf`s neue. Das ist die grosse Freiheit die wir zu Geschenk bekommen haben: Die Möglichkeit der Wahl worauf wir unseren Fokus lenken!

herzlichst

Georg

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