Heilung braucht Handlung

Heilung braucht Handlung

Heilung braucht Handlung – so hab ich es gelernt, so habe ich es erfahren. Sich einfach hinzusetzen und zu warten, nun, das ist jene Variante die massig Zeit verbrennt, Zeit die uns dann fehlt. Besser ist es sich aufzumachen und jemanden zu suchen der hilft, der stützt, der das „wie“ und das „warum“ kennt und weiss wie man tut. Die Handlung, das heilende Tun muss aber von beiden Seiten kommen. Dieses Tun ist meine Aufgabe ebenso wie die desjenigen der sich zu mir in meine Praxis wagt, um endlich einen neuen, heilenden Weg einzuschlagen. Dazu gehört auch das Verständnis von Zusammenhängen. Wird dieses Verständnis nicht vermittelt, so bleibt dem Gegenüber nur der Glaube. Dieser Glaube an „den Heiler“ oder an dessen besondere Fähigkeiten (die es ja unbestritten auch gibt) kann aber zu Abhängigkeit führen. Heilende Handlung meint aber, dass man als Curandero (meine Berufsbezeichung in Mexiko wo ich lernen durfte) verpflichtet ist, dem Hilfesuchenden auch Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen er unter kundiger Anleitung wieder selbst sein Schicksal bestimmen kann. Hier ist Wissen Macht – natürlich nur wenn man auch etwas macht, mit dem Wissen das man erhalten hat.

Zugegeben, das ist nicht immer so einfach. Dieser Umstand ist einer Gesellschaft geschuldet die vornehmlich „machen lässt“. Es wäre nur allzu bequem, wenn man da mal eben zur guten Fee gehen könnte, die mal flugs mit dem Zauberstab fuchtelt und alles wäre wieder gut. Doch was hätte man da gelernt? Nichts natürlich und man würde weiter machen wie bisher. Aber man ist ja vom Kurs abgekommen und die Symptomatik zeigt diese Ver(w)irrung mehr als deutlich an! Da hilft keine temporäre also kurzzeitige Korrektur! Und schon gar nichts bringt das Umfärben und Schönmalen einer Realität, die ja genaugenommen diagnostische Funktion hat! Die gemeinsame Schönrederei wäre sogar zutiefst verwerflich und unethisch, weil dieser Weg schlicht und ergreifend als „Beihilfe zur Ignoranz“ in Tateinheit mit der Übersteigerung des eigenen Egos bezeichnet werden muss! Da nützt der bunteste Zauberstab nichts, selbst wenn er noch so kunstvoll, möglichst elegant und mit viel esoterischem Trallala geschwungen wird! Manchmal scheinen mir so manche Zauberstabschwinger das Leiden der Heilungssuchenden sogar zu verspotten und das ist mehr als traurig – aber sie wissen es nicht besser, das ist auch schon der einzige Milderungsgrund den man anführen könnte. Und nein, ich ziehe hier nicht gegen die „Esoterik“ (oder was man darunter verstehen mag) ins Felde und es geht schon gar nicht gegen Jene, die gut und authentisch, mit Herz, Hirn, wirklichem Wissen, wirksamen Werkzeugen und echter Hingabe zum Wohle ihrer Klienten arbeiten. Ich stelle nur klar was ICH tue, im vollen Bewusstsein dass auch ich nicht perfekt sondern ewiger, neugieriger Schüler bin. Ich stelle es klar um Missverständnisse zu vermeiden bzw. keine Erwartungshaltung zu forcieren, die ich nicht zu erfüllen imstande bin. Ich stelle es klar um Jenen unnötigen Weg zu ersparen, die auf der Suche nach Schuldigen, Beweihräucherung oder Ablenkung vom Wesentlichen sind.

Es braucht schon ein paar Dinge um wieder heil zu werden:

  1. Da ist mal der Mut zur Erkenntnis dass schon länger etwas derat schief gelaufen ist, dass man jetzt eben mit dieser und jener Symptomatik geschlagen ist. Und zu dieser Erkenntnis kommt man kaum wenn man sich damit aufhält ständig neue Schuldige zu finden! So verbrät man wertvolle Zeit die das eigene System so dringend bräuchte, um wieder in Fahrt zu kommen, von der Energie die es kostet gar nicht zu reden.
  2. Dann braucht es eine schlüssige und klare Erklärung der Zusammenhänge! Und diese Erklärung muss einfach (sprich verständlich) aber trotzdem ganzheitlich sein, also von der physischen, über die energetische bis hin zur spirituellen Ebene alles abdeckend. Nur so kann verstanden werden warum es ist wie es ist. Nur so wird letztlich auch die Notwendigkeit begriffen dies und jenes zu tun! Hier braucht es klare Ansagen, kein dehnbares Geschwurbel das man sich (das eigene Ego) zurchtlegen kann wie man es möchte, um eben weiter machen zu können wier bisher.
  3. Ohne Handlung, also bewährte Technik ist natürlich auch keine Veränderung herbeiführbar! Denn das TUN ist immer noch die Mutter alles WERDENS! Nicht mal die Strümpfe ziehen sich von selber an, kein Kühlschrank füllt sich von selbst und keine Haare kämmen sich von ganz alleine. Das ist ja auch das Wunderbare an der Sache, dass wir bei allem Mist den wir so bauen, immer noch die Möglichkeit des richtgen Handelns haben! Auf diese Möglichkeit zu verzichten wäre Resignation auf der ganzen Linie. So siegt man nicht. So bleibt man nur auf falscher Spur. Wenn wir aber wieder handeln, dann kommt Bewegung in die Sache, dann sind Entwicklung und Heilung überhaupt erst möglich! Die Techniken müssen bewährt sein. Der Kranke hat keine Zeit für ewige Experimente die an die Substanz und ans Geld gehen! Da hilft es nichts das motovierteste Versuchshäschen im ganzen Käfig  zu sein!
  4. Was es natürlich noch braucht ist jemand, der das ganze auch sachkundig unter einen Hut bringt! Das heisst sich kundig machen. Das heisst Recherche betreiben und so man fündig wird vor allem die kritische Betrachtung dessen was er oder sie tut (oder vorgibt tun zu können) nicht meiden. Eines vorweg: Ich habe gelernt mir kein Blatt vor den Mund zu nehmen, ganz so wie meine Lehrer, egal welcher Ethnie sie angehören! Da kommt so manches zur Sprache das auch unangehem sein kann, da ist das Verlassen der Komfortzone vorprogrammiert! Auch braucht es Regeln und das macht Sinn! Doch keine Angst – es ist das heilende Tun und Lehren das eben eine klare Sprache und Regeln fordert und dort wo diese gesprochen wird, dort wo sich ein gutes Regelwerk in Kombination von Wissen und Werkzeug findet, dort findet dann eben auch heilsames Tun statt – gemeinsam!

Worum es nicht geht: Es geht mit Sicherheit nicht darum es dem Heilungssuchenden recht (und möglichst bequem) zu machen! Es geht darum, zu sagen was zu Sache ist und zu tun was zu tun ist. (wie beim Automechaniker auch) Es geht auch nicht darum den Kranken zu bemitleiden (natürlich ihn zu verstehen) oder sich mit ihm in elender Jammerei oder bei Suche nach Schuldigen (und die finden sich ja immer) zu verbünden!! Es geht nicht darum wieder und wieder die elende traumatische Vergangenheit nach noch mehr Gründen für den Jetzt-Zustand (!) zu durchforsten, denn sie ist VORBEI! Es geht auch nicht darum den Zustand so lange durchzukauen um den Prozess der Diagnose über Gebühr und völlig sinnfrei in die Länge zu ziehen, eine Vorgehnsweise die vor allem dort beliebt ist, wo man nach Zeit abrechnet – „time is money“ (more time is more money…). Es geht auch nicht darum, dem leiden eine Bühne zu bieten. Inszenierung ist hier absolut kontraproduktiv – denn es geht um Realitäten und nicht um Zeitvertreib. Auch die Flucht in „angenehmere Sphären“ ist hier fehl am Platz. Das mag zwar für den Moment etwas entspannend sein weil man abgelenkt wird, aber es ändert oft zu wenig an jenen Abläufen die im energetischen System weiterhin krankmachend am Werke sind. Natürlich sind Endspannung und Harmonisierung wichtig, auch leichter zu bewerkstelligen, aber im Sinne echter heilsamer Prozesse manchmal leider zu wenig – sie als Teil eines grösseren Ganzen zu verstehen macht aber durchaus Sinn.

Worum es geht: Klare Worte zu finden für das was ist! Tun was zu tun ist und dies möglichst rasch, effektiv und gemeinsam! Es geht darum Werkzeuge in die Hand zu geben, damit der Betroffene selbst und eigenverantwortlich etwas tun kann, um seinen Zustand zu verbessern! Das macht auch Sinn, weil der „Kranke“ ja auch 24 Stunden am Tag mit sich zusammen ist – wer währe da als Behandler besser geeignet als er selbst?! Es geht auch darum Räume und Zeit zu bieten (z.B. Schwitzhütten), dass das Getane wirken kann! Und letztlich geht es auch darum zu erkennen dass Heilung und Erkrankung der selbe Weg, aber eben zwei ganz verschiedene Richtungen sind! Es geht darum, ein vielleicht mögliches Scheitern nicht als Rückschlag, sondern sogar als sehr wichtigen korrektiven Punkt auf dem Heilungsweg anzuerkennen, der eine Neuorientierung möglich macht. Die Störung, die Erkrankung, wann und wodurch auch immer ausgelöst haben wir nunmal JETZT – darum wird auch im JETZT getan und nicht im „damals“. Dieses Tun nennt sich „Prozessarbeit“ – und Arbeit meint eben Zeit und Weg, meint Aufwand, meint akkurates Tun!

Es geht für den Behandler darum, sich frei davon zu machen wie der Betroffene zu sein hat – denn das steht keinem zu und wäre nur eine egoistische Projektion! Es geht darum, einen Zustand zu erzeugen, der auf allen Ebenen heilsam ist, im Kranken wie im Behandler selbst, denn nur so wird eine Begegnung auf Augenhöhe sicher gestellt sein und nur so entstehen heilige Räume der Handlung, auch der rituellen. Es geht darum zu erkennen, dass Heilung möglich ist und anzuerkennen, dass es nicht immer ganz alleine und aus eigener Kraft geht und man durchaus Hilfe in Anspruch nehmen darf, wenn diese Hilfe authentisch und der „Heiler“ erfahren ist! Es geht um eine Chance für beide auf ihrem Lebensweg ein Stück gemeinsam zu gehen um zu lernen und sich zu entwickeln. Es geht immer um alles – also um die Liebe und eben sie ist es die klare Worte, machmal auch harte, verlangt. Denn die Liebe ist die Schwester der Wahrheit und wahre Spiritualität und spirituelle Handlung sind ihre natürlich Sprache! Ich liebe die „alten Techniken“, in denen sich all das zusammenfindet!

Wenn man diese Arbeit tut – und ich tue das schon beinahe dreissig Jahre lang, dann sieht man vieles. Man sieht viel Leiden und viel Freude. Man sieht Menschen, deren Erkrankung oder Probleme sie auf einen neuen, guten und heilsamen Weg geführt haben. Man sieht Veränderung, Fortschritt, Heilung, man sieht Tod und Geburt. Man sieht das ewige Werden und das stete Sein. Man sieht die Bemühungen, das Scheitern, auch das Abgleiten in die alten Fahrspuren ebenso, wie das sich neu Erheben, das Aufbegehren gegen das dumme Ego, das sich über die Diagnose stellen, das Neu-Werden, das wieder In-Die-Welt-Kommen! Man sieht die Freude über die Siege! Man erfährt das Privileg in die Herzen jener zu blicken die sich geöffnet haben, aus eigener Kraft zu der man den Willigen geführt hat.

Das ist „die Heilerei“ das ist Curanderismo, das ist Schamanismus – ein Tun, das aus meinem ganz persönlichen Weg zu meiner Mitte erwächst. Es ist für mich ein ganz normaler Beruf, so wie Bäcker oder Installateur und ich versuche meine Arbeit gut zu machen, so gut wie ich kann! Ob es „Begabung“ oder „Berufung“ ist hab ich nie hinterfragt. Es entspricht wohl meinem Selbst, meinen Urstrukturen und deren Konstellation – darum geht es mir auch leicht von der Hand das „heilen“ darum nacht es mir Freude, immer noch, nach all den vielen Jahren, nach den tausenden Menschen die zu mir gefunden haben.  Es ist wie es ist und es ist gut so wie es ist. Darum lege ich auch nicht wirklich Wert ob ich „Schamane“ oder „Curandero“ bin. Nicht ich habe mich als dieses bezeichnet sondern meine erfahrenen Lehrer denen ich vertraue. Die Bezeichnungen dienen der Orientierung meiner Klienten. Letztlich sind es aber nur Wörter, Synonyme über deren Bedeutung sich trefflich streiten liesse, aber das ist nicht meine Aufgabe in dieser Welt. Ich gebe was ich geben kann, ganz ohne Geheimnistuerei, weil der Weg dem ich mich verpflichtet habe jedem offen steht. Ich vertraue auf die Herzen der Menschen die ja wissen was wertvoll, gut und richtig ist. Es ist keine Frage der „Begabung“ ob man diesen Weg beschreitet, sondern eine Frage des Wollens und des Wissens!

Heilung ist ein Weg, ihn zu gehen ist gut weil er uns Schritt für Schritt zum wahren Selbst führt. Er entfernt uns nicht von der Welt und den Menschen sondern bringt uns näher. Wir sollten ihn aber gehen ohne erst den Druck der Symptomatik abzuwarten! Wir sollten nicht warten bis der Hut brennt, bis nichts mehr geht, bis da nur noch ein Strohhalm, der letzte, dasteht und uns verzweifelt hoffen lässt! Wir sollten den Weg beschreiten weil er für uns da ist! Wir sollten den Weg gehen, weil es immer auch um Prophylaxe, Verbesserung des Zusatndes und vor allem um Entwicklung und Selbsterfahrung geht! Wir sollten ihn gehen, weil er uns ruft, weil er uns anspricht, sich uns geduldig anbietet Tag für Tag! Wir sollten ihn gehen, weil er wirklich Sinn und echte Freude macht und uns als Wesen entspricht! Ich bin bereit. Lasst uns ihn gehen! Jetzt!!

herzlichst

Georg

 

 

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