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Gute Medizin


"Nicht den Tod fürchten wir, sondern die Vorstellung von ihm." (Seneca)


Irgendwann erinnert man sich an ihn. An den Tod. Wie an einen bewusst vergessenen Brief. Wie an eine Rechnung, eine unbezahlte, die man vor sich selbst zu verstecken versucht hat. Obwohl, wir sehen ihn täglich. Wir hören und lesen von ihm. Und doch geht er uns nichts an. Weil wir ihn fürchten, oder eben wie Seneca meinte, die Vorstellung von ihm.

Dabei wäre er eine so gute Medizin! Zum einen ist er wahr. Er ist ohne Zweifel, so wie unsere Geburt. Und er gehört einem selbst! Unteilbar! Er ist uns sicher, so sicher wie nichts sonst im Leben. Und schon jetzt, noch während unser Körper recht brav seinen Dienst tut, stünde er uns zur Seite, dieser ganz persönliche Tod, um uns die Richtung zu weisen!

Dieser Tod, er ist auch eine heilende Medizin. Er kann uns den Kopfschmerz über all die sinnlosen Dinge, einer in vielen Belangen sinnlosen Welt nehmen! Er kann uns das Herz, wenn es ganz Stein ist, wieder weich machen! Er kann uns zeigen, dass wir in allem sind, dass wir eins mit dem Universum sind, weil die Materie aus der man uns gemacht hat, ebenfalls in allem ist - und das nicht erst nach unserem finalen Atemzug!Dieser Tod, er ist eine sehr starke Medizin. Er rüttelt uns aus unserem Schlaf! Er vermag uns aus der Ohnmacht zu führen und ins Handeln zu bringen! Er kann uns im Traum begegnen, oder uns im Leben anstreifen und unser ganzes Sein bekommt neue Tiefe und Richtung! Er lehrt uns wie stark das Leben ist und wie ewig die grossen Zyklen sind. Er ist weise. Und wenn wir ihm ein Freund sind, ist er milde.

Er ist in unserem Leben, so wie die Geburt auch. Er ist eine Tür von einem Leben in ein anderes. Er ist ewiger Übergang und Antrieb aller Entwicklung. Und so wie er in allem ist, so ist er eben auch in uns. Und so wie er in uns ist, sind wir auch in allem - er erinnert uns daran wenn wir wollen und es zulassen, jeden Tag. Er kann uns alle Angst nehmen und uns mitten ins Leben bringen! Er kann uns, so wir es zulassen, helfen von der Bühne der egoistischen Dramen zu treten! Er zeigt uns die Wahrheit und die ist stets eine gute und reine. Er vermag uns zu reinigen wenn wir ihn üben. Er führt immer zum Anfang, er führt immer zum Selbst.

Wir sollten lernen, wieder richtig zu trauern. Das meint mit Jenen aktiv in Verbindung zu bleiben, die voran gegangen sind und die wir nun "Ahnen" nennen dürfen. So würde der Schmerz ein kurzer sein und abgelöst werden, von einer jede Distanz überdauernder und überwindender Liebe! So blieben wir eins mit Ihnen. 

Wir sollten ihn mehr schätzen, den eigenen Tod, den Ratgeber, den Aufwecker und Richtungsweiser. Wir sollten nicht nur in Verlusten zu denken lernen! Wir sollten begreifen, dass das Leben mehr ist, als nur verbrachte Zeit. Und wir sollten erkennen, dass er nichts böses hat, der Tod, sondern dass er eine gute Medizin ist! 

Es liegt nur an unseren Vorstellungen und sie sind es, die uns die Welt fürchten lassen. Doch diese Furcht ist unbegründet. Sie zu überwinden ist Weg und Ziel. Dann ist das Leben wie die Liebe - ewig. Dann ist das Leben wie die Seele - unendlich. Dann wären wir eins mit allem - und niemand könnte uns mehr mit etwas Ansgt machen, das nur natürlich ist und mit dem wir ohnehin befreundet sind! 

auf bald

herzlichst

Georg