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Ein Sturm zieht auf


"Revolution: das Feuer, an dem die einen verbrennen und die anderen ihre Suppe kochen." (John Carrick)


Es rauscht im Blätterwald, hörbar und ein Ächzen geht durch den spätsommerlichen Wald. Auch Staub wird aufgewirbelt und zwar nicht wenig. Ein Sturm zieht auf und nicht nur im Wasserglas. Zumindest scheint es so. Aber was ist davon zu halten, von diesen Winden und woher bzw. wohin wehen sie uns am Ende? Manch einem ist nach Revolution, oder nachdem was er eben dafür hält. Viele wissen ja nicht mal was es meint und manche überschätzen vielleicht auch nur den Wind. Trotzdem ruft man nach ihr, der "Revolution", fanatisch oder eher doch verhalten, ganz je nachdem wieviel Mut man sein Eigen nennt. Der aufgewirbelte Staub trübt massiv die Sicht. Trotzdem will man das Ziel klar im Fokus haben: Das Alte, was immer es ist, es muss weg. Weg muss es, weit weg, zerschlagen will es sein und es soll Platz machen für das Neue - was das denn sein soll erschliesst sich jedoch nicht, zumindest nicht konkret. Hier wird es nebulös. Hier ist nur Raum für Parolen, für eine Hoffnung, für ein Gefühl, für Symbolik. Doch könnte Parole, Hoffnung oder Gefühl und Symbolik, zu wenig Fundament sein um gut darauf zu bauen.


Der Sturm der da aufzieht ist auch Qualität und Kraft. Er hätte genug an Wirkung um uns die Gehirne freizublasen. Das wäre gut und richtig und vor allem nötig! Es bräuchte diesen Sturm, um uns von allen Rassismen zu reinigen, also allen Vorurteilen! Und "alle" meint auch die positiven! Kein Vorurteil dürfte bestehen bleiben, denn es würde einfliessen in "das Neue" und es von Anfang an schon korrumpieren. Schon der Beginn wäre vergiftet, wäre mit einem neuen Virus infiziert, der alles was folgt früher oder später zerfressen würde. Wir sollten nicht vergessen, dass zum Beispiel mit der Französischen Revolution 1789-99, nicht nur die gekrönten Häupter, sondern am Ende sämtliche Köpfe, aller massgeblichen Akteure, sauber abgeschlagen in die Körbe rollten! So "frass die Revolution ihre Kinder" und am Ende war da ein Kaiser (Napoleon) mit allen Folgen die er über die Länder brachte. "Freiheit für das Volk" - immerhin ein Motto dieser Revolution, ging so im Kanonendonner unter, bzw. krepierte auf den Schlachtfeldern gemeinsam mit all Jenen, denen die versprochene Freiheit, mit einem Male ferner war als je zuvor. Man kann durchaus aus der Geschichte lernen, wenn man es auch will. Ein Sturm bleibt eben ein Sturm. Der Glaube ihn beherrschen oder gar lenken zu können zeugt von Mut, vielleicht aber auch nur von Überheblichkeit, von echter Arroganz, oder schlicht von fehlendem Wissen über seine Natur. Wüssten wir von seiner Natur, dann könnten wir ihn immerhin vernünftig nutzen, zum Wohle aller!


Schnell ist man mit dem Wort. Und ebenso schnell nisten sich Nationalismus und radikales Denken ein. Der Sturm unterscheidet nicht das Blatt das er aufwirbelt. Er ist allumfassend und wird mitunter bald zum Orkan. Das was zuvor noch Antrieb war, kann rasch zur destruktiven Kraft werden und sich jeglicher Kontrolle entziehen. Auch hier kann man die Geister die man rief, mitunter nicht mehr bändigen! Zudem facht er die Glut an - und zwar jede! Ab einem bestimmten Punkt, bläst er zwar die schwache Flamme aus, aber zugleich fährt er ins Glutnest und treibt es an, zur alles vernichtenden Feuersbrunst. Das freut die Pyromanen, sogar dann, wenn sie selbst in Gefahr geraten! Die Gewalt von Sturm und Feuer macht sie betrunken, macht sie rasend und wild und nimmt ihnen jede Hemmung, lässt ihnen Zerstörung, Plünderung und selbst Todschlag legitim erscheinen. Das kann geschehen, nicht dass es das muss - aber es kann!


Traurig nur, dass in Sturmzeiten die Besonnen kaum Gehör finden! Zu laut brüllt der egomane Wind durch Jene, die drinnen hohl sind. Zu laut ist das allgemeine Heulen. Doch es bräuchte die Besonnenheit, die ruhige Kraft, den klaren Blick, den weisen Rat und die kluge Handlung! Jetzt, heute, morgen verlangt es nach einem starken Herzen und nicht bloss nach romantischer Projektion! Es braucht ein gutes Miteinander, das für ein ebenso gutes Jetzt eintritt! Es braucht einen selbst, aber in guter Verfassung, sprich: stabil und klar! Die Feindbilder mögen ja rasch gemacht und ebenso schnell zerschlagen sein - doch wenn sich alles Tun in eben dem erschöpft, dann ist nichts gewonnen. Was bliebe wäre Leere, ein Vakuum der Macht, das eben jene magisch anzöge, die wiederum nur nach der Macht, mit alle ihren Egoismen streben! Und diese Macht, selbst wenn sie "dem Guten dienlich" sein sollte, birgt immer die Gefahr der Gewalt! Mit ihr zwänge man dann jene, "zum Wohle der Allgemeingeit" zur Einsicht. Doch wir sollten nie wieder um lodernde Scheiterhaufen tanzen - egal ob in ihnen Menschen, Bücher oder andere Meinungen verbrannt werden sollen!


Mag sein dass da ein Sturm aufzieht, der auch nur ein rauher Wind sein kann, der sich rasch wieder erschöpfen mag. Die Frage die sich stellt ist, wie wir ihm begegnen. Vielleicht wäre es an der Zeit die Segel zu setzen um den Wind zu nutzen. Vielleicht wäre es die Gelegenheit sich auf zu machen, in eine neue Zeit. Es wird sich zeigen, wie weit wir Leben, Gesellschaft, das Ich und das Du verstanden haben. Noch wissen wir nichts. Noch ahnen oder mehr noch, hoffen wir das Beste. Aber erst wenn der Staub sich gelegt hat, wird offenbar werden, ob all die schönen Worte und alle gute Absicht, etwas getaugt haben oder nicht.


Es wird sich weisen, ob das "Wir" auch wirklich ALLE meint, die wir da Menschenfamile sind, oder ob mache ausgeschlossen sein werden, nur weil sie anders denken, glauben, hoffen, fürchten. Es wird sich zeigen ob jene, die jetzt von "Herz" sprechen, ihre Herzen allen, ganz ohne Ausnahme, zu öffnen fähig sind. Es wird sich zeigen, ob wir am Ende mehr Freunde oder mehr neue Feinde haben werden. Es wird sich zeigen ob Distanz zu gesunder Nähe geworden ist! Es wird sich zeigen on und was wir gelernt, und ob wir diese Prüfung bestanden haben! Dann werden wir sehen wieviel wir "Burder" und "Schwester" sind. All das und noch mehr wird sich zeigen, wenn der Staub sich gelegt hat, dann wenn alles wieder zur Ruhe gekommen ist und der Sturm nur mehr die Luft ist, die wir alle atmen.


Ich habe keine Lösung für all das und ich habe auch keinen Zauber in der Tasche, der alles, einfach so zum Guten wenden würde. Ich kann nur einen Ratschlag geben: Seid stark und offenen Herzens! Bleibt besonnen und geduldig! Bewahrt Euch einen klaren Blick auf die Welt und haltet Euren Fokus! Lasst Euch keine Feinde machen! Lasst Euch vor keine Wagen spannen, von denen ihr nicht wisst wohin sie fahren! Bleibt in Eurer Mitte! Liebt! Lacht! Tut weiterhin, was Euch bisher schon gut gedient hat! Erinnert euch an Euren Weg und Euer Ziel und alles wird gut!


Und vor allem: Seid Euch bewusst, dass wir EINE Menschenfamilie sind - und zwar alle, ganz ohne jede Ausnahme!


herzlichst


Georg