Es fährt ein Zug nach Nirgendwo


So, ich bin mal eben kurz auf den aktuellen Welt-Zug aufgesprungen der gerade etwas langsamer geworden ist, ziemlichen Lärm macht und dabei recht nahe an mir vorbei kommt. Und was gabs zu sehen? Nun, das Übliche bzw. das was zu erwarten gewesen war: Um sich greifender Wahn, Streit, Neid, jede Menge Ängste – also fast nichts neues.

Wie gesagt “fast”. Neu für mich war: Da profilieren sich gewisse Charaktäre jener Truppe die eigentlich unser “Freund und Helfer” sein sollte auf fragwürdigste Art und Weise, während anderswo bedrohlich und gleichermaßen ernsthaft wie lächerlich, das Millitär auffährt, das eigene wohlgemerkt. Dazwischen eingekeilt, werfen wütende Menschen einander Dinge an den Kopf, die sie später vermutlich bitter bereuen werden. Neu ist für mich auch die Rangelei um irgendwelche Wundermittel – und dass, wer eins ergattert hat, beinahe schon ein Held ist und sich entsprechend inszeniert. Naja. Ganz aktuelle “Zugdynamik” eben.

Über all dem beherrschenden Chaos quäken gut gefütterte Medien und Politiker ihr immergleiches Lied vom drohenden Ende oder vom lockenden Licht am Ende des Tunnels. Dieser Tunnel aber wird – und das ist offensichtlich – von betrügerischen Krisengewinnlern immer tiefer gegraben, was aber zu keinem kollektiven Aufschrei oder dem Verlangen nach Konsequenzen führt, weil man offenbar zu sehr damit beschäftigt ist seine geschürten Ängste zu pflegen. Seltsames Volk. Seltsame Zeit. Seltsamer Zug und gaaaanz seltsame Endstation.

Ich bin also kurz aufgesprungen auf diesen Wahnsinnszug, nicht weil er so laut war, oder so bunt, oder gar so interessant. Ich musste zusteigen, weil bestimmte Dinge die den Staat und mich angehen, leider eben nur in besagtem Zug erledigt werden können. Beeindruckt hat er mich nicht, der Zug. Dafür kenne ich ihn zu gut. Aber umgeschaut habe ich mich wohl, vermutlich wegen der leichten Irritation die er in mir ausgelöst hat. Ich war wohl schon länger nicht mehr “auf Schiene”.

Was jetzt kommt? Also wenn man aus dem Fenster schaut und nach vorne blickt, dann erkennt man schon einiges von dem was kommt. Nicht nur der kalte Fahrtwind treibt einem da die Tränen in die Augen: Da kommt jetzt erst mal ein recht schäbiger Bahnhof ohne jeden Komfort. Es folgt wieder ein grosses, allgemeines und erzwungenes Anhalten. Dann wird noch mal so richtig zu-, ein-, ab-, aus- und weggesperrt. Mit aller Härte diesmal. Man braucht offenbar die Zeit um mit Nachdruck zu zeigen wer hier das Sagen hat, um neue Schuldige zu finden und um gegebenenfalls das Bordpersonal zu tauschen, bzw. um die Anzahl der kontrollierenden Schaffner zu vervielfachen. Den tieferen Sinn von alldem will ich gar nicht beurteilen.

In besagtem Bahnhof geht dann erst mal gar nichts mehr. Wieder ganz nach dem Motto: “egal was es kostet”. Währenddessen nimmt der Zug neue, bekehrte Fährgäste und auch wieder langsam Fahrt auf. Das geht dann so bis zur nächtsen Weiche, welche die ganze Gesellschaft in Richtung Takatuka-Land oder nach Blödanien leitet, – ganz nach Befindlichkeit der Lokführer. Möglich ist aber auch, dass der Zug mit Vollgas aus der Kurve fliegt, oder aber, was sogar naheliegender ist – die Schienen, ganz von Natur aus, schlicht und ergreifend enden. Die Erklärungen der Bahngesellschaft dafür werden dann besonders spannend sein. D

as trübt mir doch etwas die Stimmung. Obwohl: ich bin ja auch selber schuld. Während die meisten der Passagiere damit beschäftigt sind sich um die besten Sitzplätze zu raufen, oder damit zu tun haben ihr Abteil möglichst nett einzurichten, bin ich nachdem ich das meine erledigt hatte, noch etwas länger im Zug geblieben. Ich bin selber schuld, dass mir die Strecke und der nächste Bahnhof samt Lokführer und kadavergehorsamen Zugpersonal sauer aufstösst, weil ich ja aus freien Stücken hingesehen habe!

Der “kritische Blick” macht ja manches auf recht unnangenhme Art und Weise klar. Andererseits zeigt mir dieser Blick nach vorne, wie ungemein wichtig es ist, auf meinem eigenen Geleisen und in meinem eigenen Zug zu fahren – oder es zumindest es zu versuchen. Mut macht da vieles möglich. Spirtualität auch.

Wenn der rasende Zug langsamer wird, wenn er gar mal stehen bleibt, dann wäre das eine gute Gelegenheit sich zumindest emotional vom Acker zu machen. Wenn man es schafft, seinen arschwarmen Sitzplatz aufzugeben oder endlich vom haltgebendem Trittbrett zu springen, dann hat man eine gute Chance einen, zumindest in weiten Abschnitten, EIGENEN Weg einschlagen zu können. Das wäre allemal besser, als applaudierend oder maulend mit dem Angstexpress weiter in Richtung Panikland zu fahren.

Ich muss jetzt wieder meinem eigenen Geleis folgen. Das verläuft nun mal nicht immer parallel zur aktuellen Hauptstrecke! Aber machmal führt es durch die selbe Landschaft oder über eine gemeinsame Brücke. Und selten aber doch, das will ich nicht verschweigen, führt es mich auch durch einen dunklen, einsamen Tunnel – aber es ist dann immer noch meine ganz eigene Strecke, die ich da befahre. Es ist dann immer noch mein eigener Weg! So eigen wie mein Ziel!

Was ich mir wünsche? Nun, dass jemand da im anderen Zug die Notbremse zieht damit man austeigen kann! Aber ich fürchte dass EINE Notbremse nicht reichen wird! Auch nach ihr zu greifen muss jeder selbst entscheiden – und manche lieben ja den Rausch der Geschwindigkeit. Wobei auch auf diesen Rausch die Katerstimmung folgt! Die Notbremse aber ist da! Immer! Man muss nur die Hände frei haben um sie auch betätigen zu können.

Wir sehen uns Ihr Lieben, abseits der Hauptstrecke, fern des tosenden Lärmes und ausserhalb der kalten Bahnhöfe des Mainstreams.

aho!

herzlichst

Georg

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