Der Tod gibt keine Autogramme

Der Tod gibt keine Autogramme

Das Leben ist kein Theaterstück, der Tod ist kein Schauspieler, der Mensch ist kein Statist und die Welt ist keine Bühne. Wenn man das begriffen hat und da gehört schon ein wenig kritische Selbstbetrachtung dazu, dann stellt sich das Leben einem in ganz anderer Konsequenz und neuem Kontext dar. Nicht dass diese Sichtweise einen in die totale Depression zwingt, nein das absolute Gegenteil ist der Fall! Denn mit diesem beherzten Blick auf die Existenz, vor allem die eigene, erschliesst sich einem das “Wunder Leben” ganz neu! Das hat auch nichts Bedrohliches, denn die Bedrohung existiert ja nur auf der Bühne, innerhalb einer allgemeingültigen und von allen akzeptierten Inszenierung. Ausserhalb des ganzen (Affen- bzw. Primaten-) Theaters stellt sich die Welt ja als unendliches Wunder dar! Die Szenarien der Bedrohung schreiben wir immer schon selbst ins Stück! Und nur innerhalb des Stückes haben diese Bedrohungen auch Wirkung und Gültigkeit. Doch die Mauern des Theaters verwehren den Blick.

Natürlich ist es beiweitem einfacher, bequemer (weil gewohnt) innerhalb der Inszenierung seine achso wichtige Rolle zu spielen. Wahrer wird das ganze dadurch nicht, selbst wenn wir uns bemühen, unserer Rolle absolut gerecht zu werden. Gelernt haben wir sie ja von unseren Eltern, Erziehungsberechtigten, in unseren Konsumentenerzeugungseinrichtungen (sprich Schulen) und in dem was man “Gesellschaft” oder “System” im Allgemeinen nennt. Es sind übernommene Rollen in die man sich fügt, weil man es nicht besser kennt oder weiss. Die Frage nach Schuld ändert nichts.

Egal welches Stück gerade aktuell gegeben wird, am Ende siegt immer der Tod. Und mit seinem Sieg fällt der Vorhang ganz ohne wenn und aber. Da gibts auch keine Autogramme. Nix. Nur eine kleines Nebenstück im Stück. Die Bretter die die Welt bedeuten werden dann zum einsargen verwendet. Affe tot, Klappe zu, allgemeine Betroffenheit und grosses Erstaunen über das Ende, welches aber von vorneherein klar war. Ist ja nix neues, das mit dem Sterben und dem Tod und dem “in die Grube fahren”. Manche hoffen ja auf ein besseres Stück wenn der Vorhang wieder aufgeht, aber was da dann am Spielplan steht weiss genaugenommen niemand. In der Pause gibts Getränke und den Gang zur Toilette, vielleicht auch Popcorn aber das Theater zu verlassen ist nicht mit im Plan.

Also Unsterblichkeit als Alternative? Was wäre denn das Leben ohne den Tod? Länger. Mehr aber auch nicht. Und irgendwann vielleicht sogar elend langweilig. “Ewiges Leben” klingt ja schon irgendwie verlockend. Aber: “Lange” ist ja schon lang, aber “ewig” ist wirklich elend lang, also immer, ohne Unterlass, dauernd sozusagen. Alternativen? Natürlich! Gibt es! Aber da muss man umdenken und zwar gehörig und mit diesem Umdenken beginnt ein Prozess des Verstehens von Begriffen, die man vielleicht bis dato relativ locker gehandhabt hat ohne eigentlich zu wissen was sie sind! (nein, nicht “bedeuten” das ist was anderes)

Denken wir mal an “Unendlichkeit”, aber nicht im Sinne von ewiger Wiederkehr oder gar körperlicher Unsterblichkeit. Nehmen wir den Begriff mal bei den Hörnern, also ernst, dann meint es ein “Wirken in uns” oder, für die technisch Veranlagten: “das nicht-verloren-gehen von Information und Energie”. Das trifft es am ehesten. Und vielleicht kann man sich mit seinem Verstand darauf einigen, dass der Körper als perfektes Vehikel dient, um Information und Energie zu sammeln und die Seele so etwas wie ein echt grosses Speichermedium ist. Dann macht das SEIN schon Sinn. Dann macht auch dieses TUN einen Sinn! Denn vieles an Technik, vor allem jene welche unverfälscht geblieben ist, dient eben diesem Sammeln von Information und Energie und dem Gesunderhalten des Körpers, der uns ja eine gewisse Zeit lang gut und gerne dienen sollte. Auch dass wir unser Vehikel den Körper fit und gesund erhalten, ihn gegebenen Falles heilen, macht so viel mehr Sinn. Denn speziell wenn es um Heilung geht, muss man sich eine ganz essentielle Frage stellen: Wofür? Also, WAS zum Geier täte man denn mit dem geheilten Körper? WOFÜR würde man ihn nun, da er geheilt ist denn am sinnvollsten verwenden? Wenn nicht dafür dem Sinn unserer Existenz nachzukommen um Information und Energie (was ja das selbe ist), ja wofür denn dann? Dafür um weiter zu machen wie bisher? Wenn wir Heilung erfahren sind wir in einer Bringschuld! Jetzt zeigt es sich ob wir begriffen haben worum es geht! Jetzt wird es offenbar ob wir imstande sind einen Weg einzuschlagen, der richtig und klug und wesentlich ist! Jetzt wird klar, ob wir bereit sind uns fundamentaler Wahrheit zu stellen und zu lernen, denn jetzt, geheilt und wieder in der Kraft, hätten wir auch die Voruassetzungen dazu geschaffen!

Wenn ich behandle, also versuche in Zusammenarbeit mit meinem Klienten einen natürlichen Zustand wieder herzustellen, dann ist das Ziel immer dass er oder sie auch mit dem erreichten Zustand etwas Vernünftiges anzustellen weiss. Natürlich gelingt das nicht immer oder sofort auf Anhieb, denn jeder entscheidet letztlich natürlich selbst, was mit dem geheilten System getan werden will. Der Eine freut sich über seinen Heil-Sein und fährt voller Elan gegen die nächste Wand, wie bisher eben auch, ganz noch im Glauben der alten Rolle entsprechen zu müssen, um nochmal neu anzufangen. Der Andere lenkt radikal um, wirft das alte Drehbuch fort und entscheidet sich für einen anderen Weg – den Weg der Selbsterfahrung. Der Eine kommt zu mir oder in die Schwitzhütte wenn der berühmte Hut mal wieder lichterloh in Flammen steht, der Andere kommt wieder und wieder, ganz ohne zwingende Symptomatik und einfach aus dem Wunsch und Drängen heraus, sich weiter zu entwickeln. Nicht jeder will an die Wand fahren, nicht jeder braucht den brennenden Hut, nicht alle warten darauf dass die Symptomatik einen schmerzhaft in die Knie und von der Alltagsbühne zwingt. Auch hier: jeder tut was er vermag. Das ist keinerlei Wertung. Es ist schlicht das Beleuchten zweier möglicher Varianten mit dem “Geschenk Heilung” umzugehen.

Da es in meiner Arbeit so gesehen immer um Leben oder Tod geht, braucht es auch entsprechende Ernsthaftigkeit. Da es ja um das Leben des Anderen geht an dem man kurzzeitig teilhaben darf, ist es ethisch nicht vertretbar hier den Bespasser zu geben (was einen natürlich manchmal sehr sympathisch machen würde)! Da es hier um wirklich Wichtiges geht, und was gäbe es schon wichtigers als das eigene Selbst, ist es vollkommen klar dass eine Verwässerung der Werkzeuge die man zu treuen Händen erhalten hat, niemals sein und zugelassen werden darf! Die Dinge sind was sie sind! Und wie bei einem guten Werkzeug will es eben entsprechend verwendet sein! Man kann aus einem Schraubenzieher keinen Schraubenschlüssel machen – selbst wenn das angenehmer wäre und jene Schraube um die es geht unberührt bliebe, wäre das Werkzeug absolut nutzlos, egal mit welchem Aufwand, oder wie bunt und wunderlich glänzend man es gemacht hat! Es wäre seiner Funktion beraubt, zerstört, entstellt, profanisert und seiner Kraft verlustig gegangen! Es wäre tot. Man wäre am Ende des Stückes angelangt und schon wieder in der nächsten Aufführung gelandet.

Wenn wir aber die Werkzeuge in ihrer Natur belassen und verwenden wie sie konzipiert sind, wenn wir sie pfleglich behandeln, wenn wir die Räume in denen sie Anwendung finden als heilge Räume achten – wenn wir uns um Wahrheit und Authentizität bemühen, das Wunder im Blick, die Kraft und die Klarheit im Herzen – dann, ja dann schaffen wir Unendlichkeit in uns! Dann fällt kein Vorhang, und kein Stück endet, weil es keines mehr gibt! Dann beginnt Wahrhaftiges sein! Dann endet das Wort weil es Fleisch und organische Erfahrung geworden ist! Dann beginnt wirkliches Sein und die Freude über das Erreichte ist ein Fest! Es ist das Ende der Inszenierungen und der Verkleidungen! Es ist das Ende der sinnfreien und wirkungslosen Bespassung! Es ist das AUS für Egospielchen und Rollenwechsel! Das Theater bricht zusammen, wird zum Staub aus dem es gemacht worden ist und über all dem Ende strahlt eine neue Sonne ins nun offene Herz! Das ist der letzte Akt! Da fällt alles an Maske ab! Da steht man da und IST – und man ist nicht seine Rolle, spricht nicht den aufgezwungenen Text und wartet nicht auf das Geklatsche aus dem Dunkel der Zuschauerränge! Hier beginnt das wahre Leben. Hier werden wir Vision! Hier wirkt Unendlichkeit in uns! Hier erfährt die Seele wahre Heimat!

verlasst die Bühnen und Theater – denn da draussen scheint die heilende Sonne, da fällt der reinigende Regen und da weht der wahre Wind der Erkenntnis!

 

herzlichst

Georg

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