Zeichensprache

Zeichensprache

Immer warten wir auf ein Zeichen. Wir hoffen auf ein Omen, auf irgend etwas das uns sagt „hier ist das Wunder! Sieh hin!“ So warten wir und stehen starr, gefangen in eben dieser Erwartung und mit einem Bild im Kopf, wie dieses Zeichen wohl zu sein hätte. Aber dabei ist das Wunder ja schon da! Es umgibt uns nicht nur, im Sinne sich ewig und unendlich reproduzierender Natur – nein, WIR SELBST sind das Wunder! Alleine die Fähigkeit zur Wahrnehmung ist Wunder, Liebe ohnehin, ja selbst der Schmerz!

Jeden Tag erwachen wir neu. Jeder Tag birgt so unendlich viel an Möglichkeit an Erkenntnis und Veränderung dass wir, ohne es zu ahnen, uns ständig neu erfahren könnten. So vieles ist um uns und in uns das uns sagt „DU BIST! – wären wir nur nicht so versessen auf eine Bestätigung, auf das Urteil irgend einer höheren Instanz die uns recht gibt. Aber das Warten auf „das Zeichen“ verbraucht dermassen viel an Energie, dass uns letztlich die Kraft fehlt um den Blick von der Vorstellung abzuwenden. Es ist wahrlich ein Kraftakt NICHT auf ein Zeichen zu warten sondern zu SEHEN was IST. Und selbst wenn dieses Zeichen existierte, wenn es uns anspringen würde und laut wäre, es würde unsere Aufmerksamkeit binden und unser Blick bliebe im Zeichen gefangen.

Nein, nicht der Wegweiser ist das Ziel – und der Weise geht weg, weg vom Wegweiser, wendet sich von ihm ab, ganz egal wie bunt er sein mag, oder wie laut. Das Herz wüsste ja schon immer worauf man den Blick lenken müsste! Es ist, als stünde man im tiefsten Wald und warte auf ein Zeichen, darauf dass etwas vor uns steht und mit fester Stimme, ganz ohne Zweifel und bestimmend sagt: „DAS ist der WALD!“. Dabei stehen wir schon lange mitten drin im Wald, vor dem Baum, die Zehen im kühlen Moos, aber eben auch hüfthoh in der verqueren Vorstellung gefangen, dass es noch etwas anderes bräuchte als dieses SEIN – eben eine Bestätigung des Waldes, des Baumes, des Ich`s im Wald.

Wir rufen die „Spirits“ so als ob sie ständig fort wären, an irgend einem omionösen Platz.  Dann warten wir gebannt und gespannt auf ein Zeichen, ein klein bissl Feuerwerk das uns anzeigt dass sie jetzt da wären! Aber dabei sind sie doch IMMER da! Sie sind ja IMMER nahe! Auch unsere Ahnen! Alles ist ja DA, ständig, vor unseren blinden Augen! Aber wir nehmen es nicht wahr, weil wir ja auf ein Zeichen warten – und das Zeichen ist halt immer etwas weiter draussen in der Peripherie, immer etwas entfernt von uns. Manchmal denke ich mir, sollten sich die Spirits einmal wirklich von uns abwenden, dann deswegen, weil es ihnen einfach zu doof ist, einen funkensprühenden Affentanz aufzuführen, nur damit wir Deppen die Augen und die Energie von den Zeichen und deren Vorstellung abwenden um endlich ZU SEHEN!

Irgendwann haben wir unser ganzes Leben damit verbracht, mehr oder weniger geduldig und frustriert, auf ein oder mehrere Zeichen zu warten um endlich loslegen zu können mit persönlicher Entwicklung und so. Dann komm der Tod, den wir dann weil er doch etwas auffälliger und kontrastreicher ist wie das gewohnte Leben,  als gaaanz tolles Zeichen deuten! Jetzt glauben wir das eine, lang erwartete Omen wäre da, das uns sagt „soda, auf gehts, die Zeit ist günstig der Umstand perfekt, jetzt gehts looos das Leben und alles!“ – nö. Tut es nicht. Endstation. Deckel drauf. Dunkel. – da hat man mal vielleicht Zeit zum Nachdenken dann, am unteren Ende der Nahrungskette, so als subterran Endverbrauchter der man nunmehr ist. Oder man wartet halt, auf das nächste Zeichen, nur kein Stress…

Auch der Weg ist ja schon Ziel. Nicht weil der Weg dieser oder jener ist, sondern weil das Ziel DIE HALTUNG ist mit welcher man ihn geht! Es spielt keine echte Rolle welcher Weg es ist den man geht! Weil die Wege sich ändern, weil sie launisch sind und wechselhaft, weil es Sackgassen gibt und Labyrinthe. Mal wird es der Weg sein, den Beruf und Gesellschaft fordern, mal der Weg den man in seiner Freizeit geht, in der Partnerschaft, in unseren Beziehungen. Nicht die Qualität des Weges ist es was zählt – sondern die eigene Qualität, sprich der energetische, spirituelle Zustand, in dem wir welchen Weg auch immer beschreiten! Das Zeichen ist nunmal weder Weg noch Ziel. Das Omen ist kein Ort, nichts davon ist Zustand, es ist nur MEINUNG, auch diktierte – und eben deshalb ist es NICHTS. Bücher kann man deuten, Zeichen auch, Ideologien, all das lässt sich trefflich diskutieren – aber nicht das Herz! Nicht die SEELE! Nicht die LIEBE! Auch nicht Geburt und Tod! Keine der Wahrheiten ist verhandelbar! Und schon gar nicht das WAHRE SELBST! Kein Zeichen, kein Omen, keine Deutung, keine Wertung, weil es um DICH geht und nicht um eine Meinung!

Die Wunder sind ja schon da. Wir sind doch das gezeugte Wunder per se! Entstanden „aus einer Vision Gottes“.  Gemacht aus Licht, aus Energie, aus dem Stoff der Sterne. Jeder Einzelne! Und das Wunder hat eine Sprache, eine die jeder versteht, die nichts mit Intellekt zu tun hat! Es ist eine Art Seelensprache, ein Schwingen, oder anders gesagt: es ist Resonanz, Kraft, Absicht. Wenn wir da andocken, wenn es uns gelingt in diesem Resonanzband zu schwingen und zu bleiben (!) – dann braucht es keinerlei Wunsch nach Zeichen und Omen mehr, auch  nicht nach DEUTUNG! Es ist das absolute Wissen aus dem Herzen heraus, ein Gefühl der Mitte das uns sagt „jetzt sei!“ oder besser noch „ich bin!“ Ganz ohne etwas das ausserhalb liegt und so nur tradierte Vorstellung bestätig! Man braucht doch auch kein Zeichen dass man liebt – man tut es! Auch für Schmerz warten wir nicht auf ein Omen um ihn empfinden zu können! Es geht ja auch nicht um WISSEN sondern um FÜHLEN!

Während ich hier sitze und schreibe schneit es vor dem Fenster feine Flocken. Mir fällt auf: Der Schnee ist kein Zeichen für Schnee – er IST Schnee. Und der Winter, der hier bei uns bisher beinahe ohne Schnee ausgekommen ist, war auch ohne das weisse Geflocke Winter. Da kommt ein Reh, langsam, zögernd, aufmerksam. Von rechts aus dem blattlosen Gebüsch, aus dem Unterholz dort wo der Wald beginnt tritt es auf die Wiese, hin zu den Apfelbäumen. Hellbraun ist es, die Nase schwarz, weisser Spiegel, die Ohren drehen wie Radarantennen. Aufmerksam ist es und ganz bei sich und ganz Reh. So kommt es näher. Ein paar Meter vor dem Fenster an dem ich sitze und schreibe kommt es vorbei. Ist es ein Zeichen? Wenn ja wofür? Nein. Es ist kein Zeichen, kein Hinweis. Es ist ein Reh, auf der Suche nach Nahrung. Ein Reh das sich aus dem Schnee noch Äpfel vom letzten Jahr scharrt. Und es ist ein schönes Tier, weil ganz es selbst, weil ganz im Jetzt! Was es mir sagt, das Reh? Nun – Nichts! Was es tut mit mir? Unendlich viel – weil ich es ansehe und, ganz ohne Deutung irgend eines Zeichens, ich mit ihm gemeinsam bin, in diesem wunderbaren Jetzt! JETZT dreht es den Kopf. JETZT frisst es. JETZT zieht es weiter. Was bleibt ist eine schöne, klare Ruhe in mir. Eine Ruhe die ich aus dem Jetzt, gemeinsam mit dem Reh habe schöpfen dürfen. Geteilte Zeit. Gmeinsames JETZT Gemeinsame Welt. Wunder.

Alles liegt in Euch. Es braucht keine Bestätigung dass es so ist. Es braucht nur ein wenig Mut es herauszufinden dass es eben so ist. Es nötigt vielleicht besonderen Raum um dem gewahr zu werden. Zeichen und Omen braucht es nicht. Unmittelbarkeit und Hingabe an das was ist – das sind die Schlüssel. Etwas Arbeit an sich selbst ist nötig, Arbeit am eigenen System, energetisches Tun, gelebte Spiritualität. Auch das – alles schon da, erlernbar, praktikabel, gar nicht schwierig, alles im Jetzt!

Und: es braucht keine Zeichen um zu wissen wann man beginnen soll – TU es einfach, es steht Dir zu!

herzlichst

Georg

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Georg

3 Comments

  • Inge

    Einfach genial und genial einfach! ❤

  • Gerda

    Berührend….wunderschöner Artikel lieber Georg ☺️

  • Sylvia

    Danke für diesen wundervollen Bericht !!!!!
    Ja, dieses Warten auf ein „Zeichen“ – ich kenne das – auf die richtige BeRufung ………- und immer öfter kommt mir der Gedanke ob es nicht genügt einfach zu „Sein“ !!!! Es ist genial einfach !!!! Vielen Dank lieber Georg fürs Erinnern !!!!!

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