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Schamanismus

Zu Beginn das Zitat eines befreundeten Schamanen:

"Schamanische Techniken zu verwenden ohne selbst Schamane zu sein ist ungefähr gleich fragwürdig wie das Verwenden chirurgischer Techniken ohne wirklich Chirurg zu sein..."

...Kopalharz und Salbei, Kerzen, flackerndes Feuer, in der Ferne der Fluss, im Raum das Lied der Trommel, die Energie der Nacht, Ahnengeister, Krafttiere, mächtige Verbündete, Übergang in die schamaische Welt, Verbindung im Ritual, Heilung, Vision, Kraft...


Seit Jahrtausenden nutzen weise Frauen und Männer, Schamaninnen und Schamanen die Möglichkeit durch Veränderung des Bewußtseinszustandes, eine Anderswelt, eine schamanische Welt aufzusuchen um dort mit den Spirits, den Verbündeten zu kommunizieren.


Vor gut 20 000 Jahren legten diese Menschen Zeugnis über ihr Tun ab. In den Höhlen von Lauscaux (Südfrankreich) finden sich prächtige, lebendige Höhlenmalereien die uns einen kleinen Einblick in schamanische Praktiken geben, lange vor unserer Zeit, aber noch genauso aktuell wie damals und die immer noch weltweit praktiziert werden.
Es scheint, dass unsere moderne Gesellschaft in fast gleichem Maße wie sie alle bekannten Zivilisationskrankheiten erschafft auch nach Lösungsmöglichkeiten außerhalb des ziemlich beschränkten konservativen Rahmens zu suchen beginnt. Dieses Suchen nach Hilfe im Außen, nicht im Inneren, im Unterbewusstsein, nein wirklich in einer anderen, koexistenten Welt ist die eigentliche Tätigkeit des Schamanen. Er ist Mittler zwischen den beiden existierenden Realitäten: Zwischen der Alltäglichen Wirklichkeit in deren Realität wir aus einem sehr beschränkten Angebot an Lösungsmöglichkeiten wählen können und der Nichtalltäglichen Wirklichkeit die uns eine beinahe unendliche Palette an Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

In den unterschiedlichsten Gebieten der Erde suchen Schamaninnen und Schamanen auch heute noch nach Lösungsmöglichkeiten und bringe diese in rituellen Handlungen zur Anwendung. Egal ob bei den Inuit, den Shuar in Ecuador, den Salish, den Sami, egal ob in Asien. Afrika, Europa, Amerika, überall finden sich diese geheimnisumwitterten Menschen von denen wir glauben dass sie gar Magier oder Hexer sind! Wir Westler haben dieses dunkle, bisweilen beängstigende Bild geprägt in dem böse Mächte und Dämonen unter der Führung machthungriger Zauberer die Welt des Lichtes bedrohen. Nichts von dem stimmt. Wir vergessen über die ganze Exotik dass Schamanismus eigentlich in Sibirien seinen Ursprung nahm und sich von dort aus praktisch über die ganze Welt verbreitet hat. Auch wenn Kirchen und totalitäre Staatsformen versucht haben diesen „Aberglauben" von Krafttieren und einer beseelten Natur die heilt und mit der man noch dazu kommunizieren können soll, auszurotten so existiert Schamanismus noch immer als ältestes bestgeprüftetstes Heilsystem der Welt.


So gesehen ist es mit der Exotik nicht gar nicht so weit her, und wenn das Wort „shaman" aus dem mandschu-tungusichen stammt und soviel wie „wissen, sehen" usw, bedeutet so wird ein wenig mehr klar warum es auch einigen, wenigen Menschen selbst in unserer Zivilisation zusteht den Titel eines Schamanen zu tragen. Schwere Krankheit, ein Nahtodeserlebnis oder Ähnliches haben diese Menschen zu Schamanen gemacht. Zu Persönlichkeiten denen die Alltägliche Wirklichkeit durchaus bewusst ist, zu Menschen deren Bestimmung es ist für die Gemeinschaft zu wirken, deren Aufgabe darin besteht anderen Wege aufzuzeigen wie sie glücklich und gesund zu leben vermögen, und deren Verpflichtung es ist den Weg zur Mitte zu gehen, ihrer Bestimmung zu folgen und alles in ihrer Kraft (nicht Macht!) stehende zu tun dieses Wissen mit anderen zu teilen. Was alle wirklichen Schamanen gemein haben: Sie haben sich nicht um diese Tätigkeit gerissen, und sie bemühen nicht fremde Kulturen um vom Normaleuropäer für ein oder zwei Stunden in der Woche zum Fastinidaner zu mutieren. Gerade bei der boomenden Esoterikwelle auf der auch selbsternannte Heiler, Gurus und Neoschamanen reiten scheint mir das eine recht gute Unterscheidungshilfe zu sein: Echte Schamanen wirken niemals peinlich!



Von Krafttieren und Verbündeten...

  


Starke Wesen stehen uns zur Seite, spirituelle Wesen, Ratgeber, Führer, mächtige weise Spirits mit denen wir kommunizieren können. Dazu bedarf es Respekt, und dem Wissen dass diese Wesen die wir Krafttiere nennen keine Kuscheltiere sind, nichts mit Deutung oder Bedeutung nach irgendwelchen Büchern zu tun haben. Sie sind Ratgeber, und wenn wir in der Lage sind zu kommunizieren, wenn wir die richtigen Fragen stellen, und das mit der Bedingung dass wir den Rat den uns unsere Verbündeten geben werden auch befolgen werden, dann werden wir ihre Botschaft verstehen - klar, deutlich ohne die Notwendigkeit einer Deutung!
Jeder Mensch hat von seiner Geburt an sein Krafttier zur Seite gestellt bekommen. Aber in unserer schnelllebigen, modernen und technisierten Gesellschaft legen wir keinen Wert mehr darauf das Wissen über die Krafttiere, unsere Verbündeten, weiterzugeben. So entfernen sie sich immer weiter von uns, und wir von ihnen, so verlieren wir Lebensenergie, Kraft und die Möglichkeit der Hilfe aus der spirituellen, der schamanischen Welt.

Aber es gibt Hoffnung. Immer mehr Menschen besinnen sich wieder auf diese Hilfe, diese Führung. Es ist keine Abhängigkeit die entsteht wenn jemand wieder seinem Krafttier begegnet, nein, es ist eher in zu Sich kommen, ein nach Hause finden, ein Moment indem man wieder jene Sicherheit gewinnt, jene Selbstverständlichkeit intuitiven Tun´s wie wir sie an den Kindern erkennen oder an Menschen welche diesen Zugang zur Mitte, zur Natur, zur Spiritualität nie verloren haben.

Jedoch gilt es auch kritisch zu sein. Was nehmen die Menschen in anderen Kulturen oft für Strapazen auf sich um ihrem Krafttier zu begegnen, welche Zeremonien sind da notwendig, wie intensiv wird da gebetet, wie wichtig ist es diesen Menschen begleitet und geführt durchs Leben zu gehen. Und wir, in unserer "bezahle und du bekommst" - Gesellschaft? Wir bilden uns allen Ernstes ein dass jeder, ob vorbereitet oder nicht, seinem Krafttier zwischen Türe und Angel begegnet, im Wochenendseminar, ohne Vorwissen, ohne Vorbereitung, ohne wirklich verstanden zu haben worum es da eigentlich geht. Seinem Krafttier zu begegnen ist ein "Event" der Sonderklasse, es ist ein gewaltiges, grandioses Geschenk voller Liebe und Zuwendung welches uns zu Teil wird. Wir sollten zuerst verinnerlicht haben worum es wirklich geht und welche Verpflichtungen sich daraus ergeben! Wir sollten gut vorbereitet sein um unseren Verbündeten zu begegnen. Ich glaube dass es zwei Möglichkeiten gibt seinem Krafttier zu begegnen - entweder ist es ein Geschenk das uns zu Teil wird obwohl wir gar nicht damit rechnen (z.B. während einer schweren persönlichen Krise) oder nach reichlicher und guter Vorbereitung, auf einem Weg zur Mitte, als Höhepunkt einer Entwicklung die wir irgendwann bewußt begonnen haben.


Unsere Verbündeten stehen uns zur Seite - wenn wir sie mit Respekt und Liebe behandeln, wenn wir ihren Ratschlägen Folge leisten, uns um sie bemühen, die Nähe und den Kontakt zu ihnen suchen, wenn wir sie einladen in uns und mit uns zu sein und vor allem wenn wir uns würdig erweisen von ihnen geführt und beschützt zu werden.
Und wir sollten dabei nie vergessen welchen Stellenwert die Krafttiere in schamanisierenden Kulturen einnehmen und die Bemühungen dieser Menschen nicht ad absurdum führen indem wir uns einbilden alles in unserer Welt auf das Praktische, das Rationale reduzieren zu können. Nehmen wir uns doch soviel Zeit wie nötig ist um uns unseren Verbündeten anzunähern und getrauen wir uns doch so in unser Innerstes zu blicken dass wir erkennen müssen ob der weiße Wolf, der Adler, der Bär nun wirklich unser Krafttier ist oder die bloße Manifestation unserer Wünsche! Wenn wir das schaffen, dann sind wir auf dem richtigen Weg, und nur dann wird die erste Begegnung mit unserem Krafttier zu dem was sie eigentlich von Natur aus sein sollte: Ein Fest, eine Geburt, ein Verschmelzen...


©Georg O. Gschwandler, 2002

Die Natur der Dinge...

immer wieder hört man oder liest man: "...für mich ist Schamanismus dieses oder jenes..." oder: "ich verstehe unter Schamanismus..." Das ist das Selbe als würden wir sagen "für mich ist Fels etwas Weiches". Würde diese Ansicht etwas ändern wenn wir mit dem Kopf dagegen rennen? Kann man die Natur einer Sache einfach seinen Ansichten unterwerfen, sie biegen und formen bis sie ins eigene Weltbild passt?? Man kann. Natürlich kann man das. Jedoch bleibt dann von der wahren Natur der Sache nichts weiter über als ein schwammiges, schöngefärbtes Etwas. Schamanismus ist konkret, nicht weil ich es so möchte, sondern weil jedes Ding, jede Sache ihre unleugbare, unveränderbare Natur besitzt. Es scheint als könne jeder ganz einfach Schamane werden. Man besuche ein Seminar, garniere sich mit exotischen Namen, lasse alles ausser acht was authentisch ist und leugne vehement selbst die Tatsache dass es um Berufung und nicht um selbstgewählte Entscheidung geht. Selbstbetrug ist scheinbar zu einem der populärsten Hobbies geworden! Schamanismus als Selbstdarstellung? Als Selbstinszenierung auf dem Parkett der esoterischen Eitelkeiten? Als Ausgleich für fehlendes Selbstvertrauen? Die esoterische Gemeinde hat da Prinzipielles nicht begriffen, aber egal, mit Intelligenz hat das ohnehin nicht viel zu tun. Mehr noch mit Ignoranz, und damit ist der Mensch gut ausgerüstet, auch der dümmste. Leider.

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