Neujahrswahn und andere Peinli...

Neujahrswahn und andere Peinlichkeiten

Lassen wirs krachen! So richtig! Und dann uns besaufen – auch ordentlich, wie gelernt, traditionell. Dann das Ego hochhalten, wie das Jahr zuvor auch und irgend einer Nebensache abschwören, die man ohnehin vom Bein haben will! Am Morgen danach dann, und der Morgen kommt bestimmt, werden wir wieder alles vergessen haben, das eine wie das andere und weiter machen wir bisher. Das ist natürlich nur Eine Variante das alte Jahr, bei manchen ist`s ein Scherbenhaufen, hinter sich zu lassen. Und, mal ganz ehrlich, viele machen das ohnehin ganzährig. Und man selbst meist auch, unbemerkt, in der Stille wattierter Routine.

Was liesse sich den anders machen im neuen Jahr, das da schon in ein paar Tagen an die Türe klopft? Was wäre wert und richtig und gut hinter sich zu lassen? Es gibt doch immer ein paar entgleiste Wesenszüge, die einem ohnehin irgendwann auf den Kopf fallen werden. Diese „Egosache“ zum Beispiel. Dieses sich ständig und immer in den Mittelpunkt stellen, ganz so als ob man die Weisheit mit Achtkant-Silberlöffeln gefressen hätte, das ist doch elend genaugenommen. Dieses immer und überall herausstreichen dass man der Beste überhaupt ist. Dieses immer neuen Mist produzieren müssen, nur damit man dann behaupten kann, dass alles was man da an Sinnlosem so von sich gibt auch auf eben jenem gewachsen sei! Da könnte man doch etwas langsamer treten, denkt man milde lächelnd und stellt zugleich erschrocken fest, dass man ohne diese Peinlichkeit der Selbstüberhöhung und Bauchbepinselung ja gar nicht mehr zu existieren wagt!

Also gut, das war ein blödes Beispiel, das mit dem Ego, weil da ja zu viel dran hängt, mitunter die ganze Beschreibung des Ichs, die man sich so mühsam gebastelt hat. Auch den Beruf kann`s betreffen, die Beziehung ebenso, brrrr… lieber erst gar nicht dran rühren! Dann eben an etwas leichteres Hand anlegen, irgend einen Nebenschauplatz aufsuchen, an dem sich hoffentlich was finden lässt das bremst und auf das man gern verzichten möchte im neuen Jahr! Das Jammern! Oh ja, das klingt schonmal ganz fein! Es abstellen, ein für alle mal! Ist ja auch unangenehm die Jammerei und das Schuldzuweisen, dass damit Hand in Hand geht ja auch! Diese Jammerei macht wenig Freude. Sie wirkt im Nebeneffekt auch wahrlich entfreundend! Sie macht einen ja auch langsam und träge, (ja, auch den Stoffwechsel)  und zum ewigen Opfer eines Lebens, das schon mal prinzipiell gegen einen ist, mit allem und immer! Dumm nur, dass all das Gejammere und Geseiere auch irgendwie mit dieser Egosache zusammenhängt! Jammern und Klagen scheint eine Art Antrieb für den eigenen Wahn zu sein – eine Brücke über die man das Ego locker erreicht und es festigt! Es, das Jammern, stellt einen also ebenso in den Mittelpunkt der eigenen Bühne, wie diese elende Überheblichkeit, die Besserwisserei eben auch!

Es scheint als käme man da SO leicht nicht davon! Was dann? Es muss sich doch was finden was sich da wesentlich leichter ablegen lässt! Da muss doch was sein, das weg muss, weil es einen verdirbt und belastet und überhaupt! Irgendein kümmerliches Projekt vielleicht, das man mehr oder weniger glücklos verfolgt, an dem man sich aber trotzdem festkrallt mit blutenden Nägeln und nicht loszulassen vermag, weil man sonst vielleicht fallen würde – fallen, auf den Boden der Realität! Schon toll so ein Projekt! „Hättiwari“ – die Insider wissen was ich meine. Alle haben wir solche Projektleichen im Keller der Eitelkeiten. Doch auch die falsche Vorstellung, Wahrnehmung, Vorspiegelung sich selbst oder den anderen gegenüber, ist in ihrer Funtkion der Egosache dienlich! Irgendwie hängt das alles am Ego, wie angebunden und nicht einfach von ihm lösbar. Da findet sich keine magische Zange um diese Stahlseile, die da alles miteinader verbinden zu durchtrennen! Ganz so einfach ist das nicht! Und das Ego, na das wehrt sich natürlich ganz ordentlich und routiniert, wenn man es von dem trennen will, was es gross macht, gefrässig auch, hässlich sowieso und aggressiv nebenbei. Sowas von verflixt aber auch!

Einfach ist das nicht, wenn man es ernst nimmt mit dem neuen Jahr! Leichter ist es allemal sich Neujahr bloß als kollektiven alkoholdurchsetzten Wahn zu deuten und sich abzusetzen, um sich in der stillen Höhle der ganz eigenen Inszenierung verfallen, bestimmte Fragen eben NICHT zu stellen. Das ist schmerzfrei, garantiert! Bloss nicht dran rütteln an dem, was man sich da als bunte Kulisse zurechtegzimmert hat! Nicht dran drehen, am Mechanismus nach dem die Puppen tanzen und bloss nicht in aller gebotenen Ruhe und Klarheit, das Stück, das man sich selbst und in eigener Verantwortung auf den Leib geschrieben hat, kritisch lesen und hinterfragen! Prinzipiell gilt: Nur nichts infrage Stellen! Kein Kassasturz! Keine Buchpüfung! Das geht natürlich auch – es geht leicht – aber was man wissen sollte: irgendwann geht es auch in die Hose – und das gewaltig! Doch den Warnungen gegenüber ist man dann schon taub. Blind wird man auch, sogar als einäugiger König im Land der Blinden, es braucht nur genügend Zeit! Es ist diese ansteckende Blindheit die neurdings so massiv kursiert und so viele auch von denen erwischt, die man eigentlich immer als immun eingestuft hat! Auch das Weghören hat man dann schon, einem üblen Virus gleich im Blut! Chamäleon das man ist, wird man zu allem und zu nichts. Man ist zur Beschreibung von dem verkommen, was man glaubt gerne sein zu wollen. Das Ego triumphiert wieder mal  – bis zum nächsten Drama, Trauma, Untergang.

Hier ist Vorsicht angesagt – und jene die begreifen werden auch verstehen! Hier heisst es innehalten und sich fragen, ob man selbst noch Selbst ist, oder bereits ein heillos in sich verliebtes Ich. Man darf sich an Narziss erinnern und wie er sich in das eigene Spiegelbild verliebte und verlor! Hier sollte man dem Herzen Raum geben, damit es die Frage nach dem SINN zu stellen vermag! Hier wäge man ab, zwischen allem was man hat und dem was man ist, zwischen dem Wunsch- und Trugbild und dem wahren Sein, zwischen Verdrängung und selbstkritischem Blick auf das was IST. Hier ist eine Abzweigung in der Zeit, die es uns möglich macht, den alten Weg zu verlassen um einen neuen zu beschreiten! Hier ist der Punkt, an dem das Nichts zu Allem werden muss, weil daraus sich erst der geklärte Blick auf`s Leben richten mag! Hier sieht das Herz! Hier weiss die Seele! Wenn man den Punkt erreicht, an dem die Möglichkeit des Sieges gleich jener der Niederlage ist, entscheidet sich alles! Das mag manchem zu poetisch klingen als es denn praktisch wäre – aber es ist ganz anders, denn eben hier beginnt jene Praxis, die man als „gelebte Spiritualität“ bezeichnen kann! Es wäre jener seltene Moment im Leben, an dem man ALLES hinterfragen könnte – oder einfacher noch: in dem man sich nur EINE Frage mutig stellt! Und diese Frage ist umfassend und stark und so machtvoll und so voller Konsequenz, dass wir sie meist nicht zu stellen wagen! Weil wir wissen dass wir kaum fähig sind die Antwort zu geben! Wir stellen sie nicht, weil wir ahnen dass wir im Versuch sie zu beantworten, wieder nur in elender, egomaner Beschreibung und Inszenierung enden werden. „WER BIN ICH?“ – die eine Frage die sich NICHT in langem Text beantwortet da dieser nur Beschreibung des Egos, des „was und wie“ wäre! Die eigentliche Antwort auf die Frage ist ein Zustand! Ein Zustand, der die Antwort überflüssig macht! Die Antwort ist ein SEIN, ist reine Selbverständlichkeit, ohne Zweifel, ohne Beschreibung, ein einziges ICH BIN! Diese eine Frage zieht noch eine andere nach sich: „Liebst du mich?“  Und diese Frage ist auch an sich selbst zu richten, wenn manns denn ernst meint mit seinem SELBST! Also liebt man sich wirklich und wahrlich selbst? Oder ist man eben nur Narziss, der mehr begehrt als er liebt, der sich doch verliert an das Bild im Spiegel, das auch nur aus seiner eigenen, umwolkten und verprägten Interpratation entsteht!

Ich weiss schon, Gschwandler der Stimmungskiller. Immer dieser elende Tiefgang. Immer das „ewig Mahnende“ – und immer sowas von ernst. 🙂 Naja, wer das hier liest den nehme ich eben ehrlich ernst, weil es ja wirklich um was geht – das nennt sich Respekt! Bespassen sollen von mir aus andere. Die Welt ist voll von traurigen Clowns. Was nicht heisst, dass ich keinen Spass und Freude kenne oder gar dem Humor ein Wolf bin! Es ist aber auch ernst, das Leben und das Sein. Darum das Schreiben über Stunden, während draussen die erwachende Sonne alles zu Gold macht. Darum die sorgsame Wahl der Worte, die Melodie der Sätze, die (selbst) kritische Tiefe – damit es gelesen und auch verstanden wird! Damit es sich verinnerlicht und beim sich erinnern hilft! Damit man es auch weiter gibt und sagt worum es geht, um andern Anstoss zu sein! Damit man verändert! Auch das macht Freude!

Also lassen wirs krachen! Mit Freude! Indem wir diesen Zustand reinen Seins zu erfahren suchen der jedes Feuerwerk zu überstrahlen vermag! Lassen wirs knallen, indem wir mutig auch das von uns geben was behindert, was leidend unser Ego umschmeichelt, was uns im Sumpf der selbstgewählten Inszenierung hält! Wie? Nun, indem wir jene reduktive Räume suchen in denen diese Wunder möglich sind! Indem wir lernen, durch eigene Erfahrung, dass man den Elementen trauen kann, dass Mutter Erde uns liebend erwartet um uns zu nähren und zu stärken! Der Mut kommt wenn der Zweifel geht – darum die Hilfe die wir angeboten bekommen dankbar annehmen – auch die der Ahnen! Sie lenken uns und leiten an, sie führen uns, sie geben Kraft und Zuversicht und Mut! Alles ist ja schon da! Alles ist um uns und in uns auch, wenn wir das Schneckenhaus des Theaters, indem wir uns eingekerkert haben verlassen! Sogar die Werkzeuge dafür hat man uns gegeben! Techniken, altbewährt und voller Kraft! All das ist da, war da, schon immer! Lasst uns klar werden! Lasst uns unser Selbst erfahren! Da braucht es keine Lobhudelei, kein esoterisches Vorgeturne, kein peinliches Nachgeahme auch nicht! Es braucht keinen blöden Kniefall vor irgend jemanden! Es braucht keine Übermutter oder Übervater! Es braucht kein Gezeter und Gehetze! Es braucht kein ständiges „Dagegen sein“. Es braucht keine unaufrichtigen Umarmungen, kein Geschwafel von Diesem oder Jenem! Es braucht nichtmal Dinge, kein „heilig sein“ auch keine sinnfrei-überbunte Beschallung und Bespassung! Alles das braucht es nicht. Nur eines braucht es: DICH. Also Lassen wir`s leuchten dein SELBST!

Das neue Jahr ist wie ein unbebauter Acker. Du selbst entscheidest. Es wächst auf ihm was du pflanzt. Darum überlege gut. Wähle weise deine Samen und lass zurück was ohnehin verloren und vergebens ist. Feiere dein Selbst! Lass zu dass dir manches abgenommen wird, von dem du dachtest es zu brauchen! Lass die Kraft zu dir strömen im neuen Jahr! Mach dieses neue Jahr endlich zu DEINEM Jahr! Zu einem Jahr des Ackers! Erfahre dich selbst, mit Hingabe – und deine Ernte wird so gross wie deine Freude sein: unendlich!

 

Euch allen ein frohes und erfülltes neues Jahr – lassen wir`s krachen! 🙂

auf bald, herzlichst

Georg

 

 

 

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Georg

4 Comments

  • Doris

    In diesem Sinne wünsche ich uns ein wundervolles Neues Jahr. Ich freue mich schon darauf einen Teil davon mit Euch verbringen zu dürfen.

  • Inge

    Herzlichen Dank für Deine klaren, wahren Botschaften!!!

  • Giovanni

    Dem Herz sei Dank

  • Klaus

    Vom Lehm in den Himmel mit Wurzeln frei schwebend….eine schöne Beschreibung vom ich zum Ich.

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