Leben vor dem Tod

Leben vor dem Tod

Für einen Freund

Es betrifft einen immer. Vor allem wenn „Es“ geschieht, im Umfeld, dem unmittelbaren. Man steht vor diesem Übergang, diesem Tor in einen neuen Raum und fragt sich betroffen, wie jener, der sich anschickt es zu druchschreiten wohl fühlen mag. Was wird er sehen? Was sind seine Gedanken? Und vor allem: Wie blickt er zurück auf das Leben, das geführte? Da wird einem bewusst, dass Lebensführung ja meint, dass man „geführt wird“ durch sein Leben. Es klärt sich der eigene Geist ein wenig auf und man behirnt endlich (oder wieder einmal) dass es eben dieses „geführt werden“ ist was zählt. Dieses Leben und Erleben vor dem Tod, der nur natürlich ist und sinnvoll, will betrachtet sein! Es will kritisch hinterfragt sein. Es nötigt einem dann, wenn man es wagt sein Leben so zu betrachten Konsequenz ab! Denn was da tickt im Hintergrund ist die Lebensuhr, die Sekunde um Sekunde abzählt von dem was man da als Geschenk, als Gnade durch Vater und Mutter erhalten hat – Lebenszeit.

Doch ist nicht alles Sterben wie alles auch Leben ist? Natürlich, es bedingt sich gegenseitig! Geburt und Tod bildet den Raum der uns gegeben wird ums uns zu entwickeln, um uns zu erfahren. Die Seele will ja erfahren sein und frei von all der Bedrängnis die wir ihr aufzwingen! Sie will ja schon im JETZT sein und nicht erst hinterher, so es denn ein „Danach“ überhaupt gibt – wer weiß. Das Jetzt drängt sich plötzlich ganz nach vorne, ganz ohne Scheu und wird zum Natürlichsten das es zu geben scheint. Schnell treten Egomanie, Selbstbeweihräucherung und Selbstdarstellung in den Hintergrund! Man spricht nicht mehr ständig vom „Ich“ in jenen Momenten oder Phasen, sondern vom „Es“und meint die Seele. Es endet plötzlich die Ich-Beschreibung, die sich da so breit gemacht hat, die einen schamlos alles von diesem Ego-Ich breitreten und öffentlich hat machen lassen und zeigt einem seinen Platz. Klein wird man im Angsicht des Überganges, selbst dann wenn es jemanden betrifft den man „bloss kennt“, mehr noch wenn es jene erreicht, die man von Herzen „Freund“ nennt, vor allem wenn der Freund es gut getan hat, mit allem was er konnte, mit ganzem Herzen.

So geschieht es, dass man zunächst wie betäubt ist, wenn der Tod beginnt eine Schneise ins Leben zu schlagen. Dennoch aber wird man sich gewahr, dass jener der eben geht, ja nur dem eigenen Ego als nahender Verlust die Angst ins Hirn setzt. Genau genommen liegt es, bei all dem Schmerz und Leid das damit einhergeht, trotzdem im Auge des Betrachters. Wenn einer dürch die Türe tritt, den Raum verlässt, erscheint es den Beobachtern die  mit im Raum sind, als würde er gehen. Jenen Beobachtern aber, die im anderen Raum sind, erscheint es als würde er eben frisch und neu ins Leben treten. So scheint Geburt und Tod doch eins! Es scheint, als wäre es die selbe Türe und es käme nur darauf an wo wir, die zunächst Aussenstehenden, Position bezogen haben – also von welchem Standpunkt aus wir die Szene betrachten. So stehen wir und schauen, bis wir dann selbst eines Tages den Raum verlassen um einen neuen zu betreten – unendliche Seelen und Wesen die wir sind.

Sind wir nicht wie der Wind, der von draussen kommend, voller Gerüche und Erinnerung an eben jenes Draussen, ins Zimmer strömt um dann, im Spalt der Türe den Raum, einem lauen Luftzug gleich, manchmal auch einem Sturm ähnlich, wieder ins Freie zu strömen? Der Wind beginnt weder am Fenster, noch endet er an der Türe! Er hat ja lange vorher schon begonnen und wird nie enden! Er erfüllt die unterschiedlichsten Räume! Er nimmt alles auf von dort, beseelt sich mal um mal, wird wissender und erfahrener in seinem ewigen Jetzt und seiner ewigen Wanderschaft!

Man geht weiter. Geführt im Leben und im Versuch dieser Führung sich anzuvertauen tut man was man kann. Man hinterlässt Spuren aus Vergeblichkeit. Man schafft Veränderung durch Resonanz. Und man ist sich vielleicht sogar bewusst, dass der „Kredit Leben“ zurückzuzahlen ist – in Form von Liebe und Freude, so gibt man was man zu geben imstande ist – und so wird jeder Morgen zum Geschenk und jeder Tag zur Gnade. So entsteht auch Dankbarleit an das eigene Sein, an die Möglichkeit zu werden und zu wirken. So erkennt man auch, dass das Tor, der Übergang in uns ist, immer, uns sich jede Minute öffnen kann. So begreift man, durch jene die uns vorausschreiten, allmählich wie sinnfrei vieles von dem ist was wir „ICH“ nennen – man erschrickt darüber dass es nichts mit der Seele gemein hat. Nichts bleibt bei einer echten Betrachtung, bei wirklichem Hinsehen! Alles zerschlägt sich, zerbirst, zerbröselt, wird zu feinem Staube gemahlen, zu weisser Asche damit aus ihr, mit aller Kraft und liebender Macht eine neue Wahrnehmung entsteht! Wahrnehmung, ja und Fokus – und Erkenntnis dass es ein Wunder ist, das Leben, der Tod, der Übergang! Dass es an Dimension kaum zu fassen ist – diese Möglichkeit des Überganges den dir niemand jemals nehmen kann!

Nicht drohend ist diese Macht des Überganges! Sie hilft! Sie lehrt uns, dass wir all das zurück lassen dürfen was uns nur belastet – vor allem die Beschreibungen und Verkleidungen unserer wehleidigen Egos! Die Macht des Überganges lehrt uns aufzuräumen mit all den Projektionen die wir beständig um uns bilden! Sie bringt uns zwingend zu Bewusstsein! Sie klärt den Blick, das Herz, all das was es braucht um wahr zu sein, um geführt zu sein auf diesem Lebensweg!

Das Leben vor dem Tod ist kostbar! Es will begriffen und getan sein! Es will befreit von all den sinnlosen Beschreibungen sein, die man sich umhängt um beliebt, geschätzt, bewundert oder gar gefürchtet zu sein! All das muss fort, weil es wie ein kaltes, nasses Laken über der Seele hängt und sie am atmen, am Wesen-Sein hindert! Darum auch der Tod als Gnade zur Seite gestellt, der eigene wie der des Freundes, oder des Menschen von nebenan, um uns zu lehren, nicht zu strafen! Ums uns mit Wahrheit zu konfrontieren – weil die Wahrheit der physischen Endlichkeit ein recht anschauliches Instrument ist um uns Herz und Hirn nachhaltigst zu klären!

So will das Leben vor dem Tod wirklich GELEBT und nicht, einem Mangel aus Selbstbewusstsein geschuldet, blosse INSZENIERUNG sein! Das Leben IST! Der Tod IST! Nur das Ego muss künstlich elend und täglich erhalten sein, um dann schmeichlerisch um die Gunst des Anderen zu buhlen. Das ist nicht Leben sondern eine blosse, flache Vorstellung von Leben! Es ist etwas künstliches das ein Mangel an SEIN in uns erzeugt und nörgelnd, wertend und verurteilend in die Welt drängt und sie zu der macht die sie eben ist!  Doch bei aller bemühter Ablenkung bleibt und wächst ein stilles und bitteres Wissen, dass es eben nur ein Stück ist das man um Applaus bemüht spielt, mit wechselndem Publikum in unterschiedlicher Kulisse und doch immer das selbe, peinliche, dröge Stück…

Das Leben aber spricht wahr auch durch den Tod zu uns und sagt: „Sieh mich an! Sieh was dir geschenkt ist! Nutze mich frei aber nutze mich weise! Vergeude mich nicht, denn ich bin so kostbar! Zerbrich mich nicht! Verirre dich auch nicht in mir, denn ich bin gross! Lass dich am Herzen nehmen und dich durch mich führen! Liebe mich und alle die mich mit dir teilen! Erfahre mich! Und vor allem, sei geweiss, dass ich dich am Tag deines Überganges, in neuem Raum, mit neuem Sein erwarten werde!

Alles ist Übergang, die Zeit eine Illusion. Das Leben mit freiem Herzen und nahe der Seele aber ist der Weg!

nutzt Euer Leben gut

herzlichst

 

Georg

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