Das grosse Gackern

Das grosse Gackern

Jetzt geht es wieder los, besser noch, es hat nie aufgehört – das grosse Gackern. Da wo es an echter Wahrnehmung für komplexe Zusammenhänge fehlt, bleibt dem armen Ego nur das Gackern. Sich aufplustern, aufregen, entrüstet sein – da laufen die Hühner, manche durchaus in werbewirksamer Freilandhaltung, aufgeregt von einem Körnchen das man ihnen hin wirft zum nächsten. Mag ja sein dass auch das blinde Huhn was findet, doch was es findet ist auch nur wieder Kraftfutter für`s ohnehin schon aufgeblähte Ego. Und wer nicht mitmacht bei all dem Getöse, der gehört eben nicht dazu, den zwingt es an den Rand der Wiese – und Einsamkeit macht Druck. Der Fokus der Hühner fällt auf alles das uns da bunt und prall, zurechtgemacht für den schnellen Magen tagtäglich hingeworfen wird. Kaum einer überlegt. Weil es so wichtig ist der Erste zu sein der losrennt, weil man der Erste sein will der da eine Meinung hat und auch der Erste sein will, oder zumindest ganz vorne mit dabei, der das ganze ach so dramatisch findet. Das ist sogar schon beinahe Themen-unabhängig. Hauptsache mitgerannt oder getrampelt und dafür oder dagegen sein! Aktuell eher dagegen. Aus Prinzip. Dass man nie stärker mit einer Sache verbunden ist als im Widerstand wird übersehen. Wie seltsam, dass das „Dagegen“ vor allem von jenen praktiziert wird, die sich ja als extrem „weltoffen“ präsentieren.

Es scheint, dass das Thema selbst nicht unbedingt die Rolle spielt, sondern vielmer die „Intensität des Dafür oder Dagegen“ in der Wertung der Gesellschaft Punkte gibt. So gilt ja z.B. auch der viel, der besonders krank ist ebenso wie jener, der besonders gesund ist. Beides gibt zehn Punkte möchte man meinen. Nicht Wahrheit zählt oder gar Intelligenz – es ist vielmehr die Lautstärke, die Gewalt der Inszenierung, die Grösse des Dramas, das Gewicht der Dummheit, was massig Aufmerksamkeitspunkte bring. Kein Wunder dass bei solcher Beschallung die Ignoranz, einem beinahe natürlichen und notwenigen Schutzreflex nicht unähnlich, zur Pest des einundzwanzigsten Jahrhunderts zu werden droht – denn wenn das Hinhören schmerzt, bleibt aus Mangel an Alternativen eben nur das Weghören um auf Dauer nicht noch mehr Schaden zu nehmen.

Das Huhn findet tagtäglich und in wirklich allen Bereichen seine neuen Ikonen, die es sogleich hemmungslos überhöhend und bar jedes Gedankens an Zweifel anbetet, zumindest so lange, als der mainstream in eben diese Richtung geht. Da wird der oder die schon mal zur Galionsfigur hochstilisiert, bis sich die Realität dahinter als eine andere, mangelhafte, mit allen menschlichen Makeln befleckte darstellt. Da wendet sich das zuvor (selbst-) instrumentalisierte Hühnchen dann rasch ab, weiss und will nichts mehr vom Ehemaligen, vom Früher und sucht sich postwendend was neues mit dem es sich gut selbst darstellen lässt. Da stellt sich einem doch die Frage nach dem „warum?“. Und diese Frage ist eine wichtige, weil die Antwort Mangel heisst! Ein Mangel an wahrem Selbst und wahrem Sein offenbart sich aber nur dem der hinzusehen wagt – und zugegeben, dieser Blick ist zu Beginn auch mal recht unangenehm! Dennoch: Dieser Mangel will ja ausgeglichen sein, er drängt und schreit und zwingt einen zur Suche! Er wirft panisch den Fokus wie eine Angel aus und fischt dennoch im Trüben! Der Mangel an Selbst sucht nach Beschreibung und Ersatz, er sucht nach Held und Zauber, nach übergeordneter, heiliger auch heilender, allwissender Instanz! Aber wenn die Helden rar sind und der Zauber ausbleibt, dann sucht er z.B. auch nach übler Verschwörung, nach böser Bedrohung und einem soliden, leicht zu bedienenden und nie zu bezwingenden (das ist wichtig!) ewigem Feindbild, dem das Mensch-Sein, und das „in-Entwicklung-Sein“ erstmal geradewegs abgesprochen wird – Dämonisierung, Manifestation des „Bösen“, genau genommen aber meist auch unbewusste Projektion der eigenen, verdrängten Abgründe und Auslagerung von SchuldVerantwortung, Selbstreflektion und notwendiger eigener Entwicklung.

Der Mangel an sich wäre ja gar nicht mal so schlecht, denn er könnte ganz leicht auch Antrieb sein! Er könnte uns den Fokus, ja auch die Kraft und Energie dorthin lenken wo Wahrheit wohnt und die Klarheit des Herzens und des Geistes die Welt und uns Selbst im Ganzen erkennen liesse! Der Mangel wäre hilfreich, wenn man ihn als lehrende Komponente sähe und sich selbst in einer Bringschuld verstünde was die Erfahrung des Selbst angeht! Er brächte, ja zwänge uns ins TUN, ins Handeln und ins Sein – doch so lange wir eben willig Hühner bleiben, werden wir Federn lassen. So lange das Huhn eben Huhn bleibt wird „Spiritualität“ nur Dekoration sein, ein Federkleid ein fremdes, (auch das vom Adler) da das alte sich verbraucht hat und man nicht nackt sein will unter all den anderen bunten Hühnern.

Das Grosse Gackern ist angebrochen, wie jeden Tag. Kaum kommt die Sonne der eigenen Wahrnehmung raus und bestrahlt flüchtig die Tagesthemen geht es los das Gezeter. Das ist auch nichts neues, das war schon immer so. Selbst die aktuell so gerne zitierte „Endzeitstimmung“ – und es ist egal aus welchem Buch man sie eben so mal abliest – denn die hat auf jedes Zeitalter gepasst, immer schon. Das Bedrohliche an der Sache ist ja nicht das ewige Heruntergeleiere des immergleichen Unsinns an sich, sondern dass die Projektionen die dadurch entstehen Unmengen an Energie kosten! (zudem vergällen sie einem das Leben ungemein) Ja, sie kosten viel an Kraft und somit fehlt es dann an jener Stärke um den Fokus auf jenen Dingen zu halten die wirklich sind – auf dem Selbst zu Beispiel! Das sollte man bedenken – alles kostet Energie! Das ist wie mit dem Geld das man verdient – überlege wie du es einsetzt denn schnell ist man monetär am Ende, energetisch ebenso! Nicht Verdrängung meint es hier, sondern wahre Zuwendung von klarem Fokus, Geist, Verstand, Herz, Liebe!

Eigentlich ist man es doch überdrüssig, das tagtägliche Gegacker. Es geht einem auf die Ohren und auf den Nerv. Also mir geht es so. Ich will und kann es nicht mehr hören. Seien wir mal ehrlich: wenn man da mitten drin steht in all dem Lärm und sich all den Schwachsinn anhört – das tut doch beinahe körperlich schon weh! Da will sich doch etwas in uns mit Grauen abwenden oder schallend loslachen! Mal ganz im Ernst, wir sind ja unter uns hier: Wie oft hat man sich schon, ein Lachen unterdrückend abwenden müssen, oder laut so dass es alle hören, sagen wollen „sag mal geht`s eigentlich noch?“ oder „du glaubst das doch nicht wirklich selber?“ Wie oft am Tag denkt man sich dass es jetzt mal genug ist mit dem ganzen Blödsinn, mit all dem unausgegorenen Nonsens der da als Wahrheit munter und fleissig weiter gegeben wird, während da ganz andere, echte Probleme auf Lösung warten? Hat man nicht den Kanal voll von all dem falschen, faulen Federvieh, das selbst „Bescheidenheit“ so laut gackern kann dass einem die Ohren flattern? Reicht es einem nicht schon lange und nachhaltig was da an wirrem Zeugs verzapft wird? Hat man denn noch nicht genug von Doppelgesichtigkeit, von aufgesetzen Masken, von all den Gockeln, den alles für sich vereinnahmenden Mutterhennen und den ewigen faulen Eiern die sie legen? Reicht es einem nicht schon länger bis über die Hutschnur – und wenn ja, wenn es also genügt, wenn es einem wirklich reicht, wenn es einem langt, wenn man es verstanden und begriffen und tagtäglich gesehen, gelesen und gehört hat  – warum macht man fallweise immer noch mit?

Die Alternativen fehlen ja nicht, es gibt sie ja, nur muss man sie suchen weil sie nicht so bunt befiedert sind, weil sie sich nicht so im Übermaß produzieren, weil sie das laute Gackern in der Öffentlichkeit nicht schätzen. Man macht vielleicht auch mit, weil es dem Ego einfacher scheint und weil es ein klein wenig bequemer ist in der Komfortzone zu bleiben, das geht uns ja allen so. Ausreden sind auch meist schnell zur Hand und am gefährlichsten sind jene, die funktionieren. Man macht mit, aber man muss nicht! Man muss ja auch nicht alles glauben was man hört – aber man kann. Man kann sich Wichtigerem und Wahrem zuwenden ohne die Welt dabei aus den Augen zu verlieren! Es ist eigene Entscheidung, eigene Wahl und eigener Weg – und wenn es gelingt, auch eigener, alles überstrahlender Sieg!

Niemand zwingt uns in diesen Hühnerstall der Selbstinszenierung und ewiger, immergleicher Dramen. Lasst es nicht gelten dieses „man müsste, weil die Gesellschaft einen zwänge“!  Es liegt immer noch an uns selbst die Federn abzulegen und zu werden was wir wirklich sind – und das macht Freude, selbst wenn es manche Hühner um uns herum in schiere Verzweiflung bringt!   😉

herzlichst

Georg

 

 

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