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Entscheidungen

Es sind ja viele Wege die sich da auftun. Jeden Tag will dies und jenes entschieden sein, alltägliches, banales. Und dann sind da die wichtigen Entscheidungen. Jene, die echten Wandel ermöglichen, jene wegweisenden Entscheidungen, die lebensbestimmend sind! Da steht man dann da, gebeutelt vom Wind der selbst planlosen Zurufer, unfähig sich zu entscheiden, im Sturm der heilsversprechenden Angebote und unveilverkündenden Warnungen. Alleine steht man da und das ist gut so – und wenn man den Blick, auch das Ohr nach innen richtet, dann stellt man fest dass die Entscheidung ja bereits getroffen ist. Woran es oft mangelt ist der Mut. Rasch taucht da die Angst auf, schleicht sich an einen heran, greift kalt nach dem Herzen, nährt sich an ihm und zwingt uns wieder in den ohnehin überstrapazierten Kopf. Man wägt unschlüssig ab was ohnehin nicht abwägbar ist, denn die Zukunft ist ja noch nicht wirklich existent! Man wählt zwischen den zu erwartenden, somit rein virtuellen Ergebnissen, die ebenfalls und bestenfalls nur im Kopf existieren, draussen im Leben jedoch nicht. Da baut sich so manches bittere Szenario vor einem auf, das kaum dem entspricht was kommen wird, weil es doch nur Vorstellung, nur bunte Projektion der eigenen Ängste ist. „Nichts wie weg!“, tönt es da aus einem, nichts wie fort von dieser üblen Weggabelung (die zuvor noch Hoffnung und Ziel war), am besten zurück in die wohlbekannte Vergangenheit! Da hat man Übung darin, da ist man firm, tradiert, gewöhnt, erzogen und geprägt. Man, Es, also das Ego sucht nach günstigen Ausreden und wird zu schnell auch fündig, denn  das Angebot ist gross! So vieles kann man da anführen das einem den nächsten Schritt verunmöglicht! Da darf alles herhalten was an Gegengrund wirksam sein könnte, egal wie bizarr es sich anhört, ungeachtet dessen wie sinnfrei es ist. Und es gilt vor allem einen Schuldigen zu finden für das „nicht-entscheiden-können“. Wie weit man da kommt ist klar: Gar nicht weit. Denn auch zurück in die Vergangenheit führt kein Weg. Was man schafft ist, dass das Jetzt, das immerwährende und ewige Sein, zugemüllt wird unter all den Gründen die man sich konstruiert. Schnell ist der Weg, die Abzweigung vergessen, das Ziel ohnehin, das Selbst auch, denn  nun hat das Ego das Sagen und alles wird einem zum Feind! Was dem so verwirrten und an Bauchgefühl und innerem Wissen verarmten Geist bleibt, ist entwürdigende Anbettelei und Anbiederei ohne eigenes Tun. Das ist kein Vorwurf sondern Fakt – Ignoranz ist die Pest des einundzwanzigsten Jahrhunders, auch hier.

Es mag schon sein dass dieser und jener Umstand gefühlt (auch fehlenterpretiert, dennoch immer lehrreich!) nicht förderlich ist. Es mag auch sein, dass man von falschen Ratgebern umgeben, kaum der eigenen, inneren Stimme des Herzens gewahr wird, weil das Aussen hirnlose Plattheiten gegen einen brüllt und blökt. Es mag ja auch wahr sein, dass man in der Vergangenheit Schaden genommen hat oder sogar die Physis einknickt – dennoch, was nützt es? Natürlich, zur Flucht nützt es. Zur Flucht vor der Chance die einem das Leben zielgenau vor die Füsse legt, einem Geschenk gleich, einem oft unvermuteten, dessen Verpackung einen blind vor Angst, kaum auf das Wunder schliessen lässt das es enthält. Das Geschenk Leben, ja das ist auch so eine Sache die man einmal, mutig und mit Verantwortung und klaren Geistes betrachten müsste! Viel wird da gesagt über das Leben – man müsste ihm vor allem vertrauen. Aber eigentlich verhält es sich ganz anders, umgekehrt um genau zu sein: Es ist das Leben das sich UNS anvertraut hat und darauf baut, dass wir verantwortungsvoll mit ihm umgehen! Einfacher und bequemer ist es natürlich allemal dem Leben Schuld anzulasten – Schuld für das eigene Scheitern oder was auch immer. Auch hier wieder: Entscheide! Es steht einem frei das Leben als eben uns anvertraut zu verstehen oder andersrum. Niemand zwingt. Niemand drängt. Es liegt an einem selbst, besser noch: in einem Selbst – also im SELBST. Das Leben ist ein Gutschein der eingelöst sein will. Man selbst, ausgestattet und beschenkt mit dem Wunder der eigenen, zugegeben nicht immer einfachen Existenz, ist in der Bringschuld, der positiven. Den nächsten Schritt zu tun liegt an uns selbst! Mehr an Freiheit kann man kaum erwarten!

Doch wohin sich wenden, wo wahre Hilfe und echte Unterstützung finden? Wie schon gesagt, die Zurufe sind laut, verführerisch auch. Man verzeihe mir, aber es sind oft die grössten Arschgeigen die auch die lauteste Musik machen. Schnell ist der Fokus dort wo`s besonders bunt und laut hergeht. Warum sich also nicht an jene wenden die es vielleicht besser wissen? Jene, die seit ewigen Zeiten Bewahrer jener mystische  Räume sind, in denen unser Geist Ruhe finden kann um die Stimme des Herzens zu hören? Es sind die alten Wege der Schwitzhütten und Visionssuchen, der Rituale, der Reduktion auf das Selbst, der Kontemplation und Meditation. Hier ist Ruhe zu finden. Hier ist Ankommen möglich. Hier schrumpft uns die laute Welt auf ein unendliches aber mit der Kraft der Ahnen und der Elemente erfahrbares JETZT. In diesen wunderbaren Räumen sind wir nicht Teil des Flusses, sondern werden zum Fluss selbst! Hier verbinden wir uns wieder mit dem alles vereinenden Prinzip das hinter allem steht, auch mit der Liebe, der wahren und echten. Hier herrscht wahre Tiefe und dementsrechend auch tiefe Wahrheit! Hier wird Begegnung möglich! Hier ist SEIN!

Es mag tausende Wege geben, dennoch ist es immer nur EINE Entscheidung welchen man geht – und nicht die Entscheidung ist schwierig sondern der Weg dorthin. Dieser Weg aber der zur Entscheidung führt, seine Schwierigkeiten und Fallstricke sind bewältigbar wenn man begreift dass es der eigene Zustand ist, der einem den Weg schwer und voller Fahrnisse macht, oder ihn eben leicht und beschwingt gehen lässt! So ein Pech auch, wieder liegt es an einem selbst! Das behagt dem Ego nicht, denn es sucht weiterhin nach Schuld. Auch hier: Entscheidung. Wem folge ich? Dem Ego das verletzt sein kann, das eitel, bunt und laut, mal jammernd, mal sich selbst unendlich überhöhend, nach noch mehr Aufmerksamkeit heischt – oder aber der ewigen Seele folgen, dem Ruf des eigenen Herzens der uns so lange schon zu erreichen sucht!?

Es liegt nunmal an einem selbst und das ist gut so. Es war schon immer so und es bedarf keiner besonderen Gabe um entscheiden und den nächsten Schritt setzen zu können! Es braucht vielmehr die Reduktion, das ablegen der alten Strukturen und Glaubenssätze! Es nötigt wirkliche Selbsterfahrung neben einer Welt die sich in Selbstbespassung verliert. Es will ja gelebt sein das Leben und der Weg des „Wie“ entschieden sein! Dazu eben die Räume, die alten Wege, die mystischen Momente in denen so viel an Wunder geschehen kann dass es uns beinahe unglaublich scheint. Und wenn wir entscheiden, wenn wir zum Leben stehen, wenn Zustand sich vom Umstand entkoppelt, dann mag`s da draussen blinken und tröten wie es will, man ist bei sich und das was war hat keine Macht mehr über Weg und Ziel! Da mag es Einhörner oder neonblinkende Rentiere schneien! Da mögen Legionen von künstlichen Weihnachstmännern an Hauswänden hochklettern! Da mag das Radio uns noch so mit Weihnachtslärm bombardieren und uns noch so viel an günstigen Angeboten ins Haus flattern! Da mag sich die Vergangenheit mit all ihren Traumata wie ein Tsunami über uns ergiessen und alles um uns, nach Expansion und Depression, nach Burn-Out, Fusspilz, Krebs, nach maschinell erzeugten Weihnachtskeksen, oder ewiger Verdammnis riechen! Es mag die ganze Welt von Trallala und Trauermarsch wiederhallen und alles das was man Realität zu nennen pflegt in HD und Kristallklarsound erzittern und in Scherben fallen – es rührt einen kaum, denn man hat sich ja schon entschieden, für den Weg des Herzens, für die ewig liebende und lebende Seele die eigene – und für das Leben das einem geschenkt worden ist, ganz ohne Vorbehalte und Erwartung.

Muss man all das glauben? Nein, man muss es TUN! Dann wird all das zu gemachter Erfahrung, unleugbar, wirklich und wahrhaftig!

Alles liegt bereits in dir

herzlichst

Georg

 

 

 

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Das Fest

Das Fest!
 
Ein Fest für alle die uns schon lange besuchen.
 
Wir wollen Euch Danke sagen! Euch, unseren treuen Freunden! Euch, die Ihr schon so lange zu uns auf La Mesada kommt um gemeinsame Erfahrungen zu sammeln!
Wir treffen uns um zu lachen, zu reden, zu essen und zu trinken und gemeinsam zu sein!
Es ist unser aufrichtiger Dank an Euch, denn nur durch Euch lebt La Mesada und ist eine Insel der Begegnung und Entwicklung!
 
Wir freuen uns auf Euch
 
Georg und Heidi
 
17. August 13 Uhr bis ca. 21 Uhr
Bitte um telefonische Anmeldung
0043 664 734 99 226
Voraussetzung: Teilnehmer unserer Veranstaltungen
Kosten: Keine!
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Astrein

Jetzt ist das Blatt ab. Das eine das noch am Baum hing. Jetzt ist er nackt der Ast, rein möchte man sagen und man erkennt ihn gut. Jetzt folgt man ihm, zum Stamme hin bis zu den starken Wurzenln, bis zur Quelle seines Seins. Astrein. Ungelogen. Das Blatt das eben fiel, ist von ihm und doch fern von ihm, jetzt am Boden, kaum mehr von den anderen zu unterscheiden. Manchmal wünsche ich mir dass sie von allen fallen die Blätter, die allzu bunten. Aber sie wachsen nach, so schnell kann man gar nicht „Herbst“ sagen oder „Unsinn“. Man sieht den Baum vor lauter Blättern nicht mehr. Spiritualität soll das dann sein. Schreiend bunt, fast tägliche Neuauflage. Da erfinden manche das Rad wieder und wieder neu, bis es eckig ist. Rund läuft da nichts mehr. Es scheint, als ob man Angst hat vor dem Baum, der Wahrhaftigkeit. Es kommt einem vor, dass beinahe alles der Übertreibung bedarf um wahrgenommen zu werden. Laut muss es sein und bunt und viel und billig natürlich. Reduktion ist das Reizwort. Ignoranz ist die Pest unsers Jahrhunderts.

Da herrscht ein stiller Mangel in vielen von uns. Ein Mangel, der sich im Endergebnis bitter zeigt – er schafft Realität, unbestritten. Natürlich ist das Endergebnis dann unbefriedigend, nicht schön, angenehm auch nicht. Also projiziert man auf die Leinwand die man sich aufspannt und benennt eine bessere Realität, ein geschöntes Ergebnis. Dann gibt man jede Menge an Kraft und Energie hinein und die Projektion wird manifest, sie wird real. Aber auch sie ist doch nur Manifestation der Projektion, also noch lange nicht behobener Mangel und darum ist das geschönte, erhoffte Endergebnis wiederum unbefriedigend! Also schnell eine neue, verbesserte Projektion schaffen – Projektion 2.0 möchte man sagen. Und wieder mit viel Kraft und Energie wird diese manifest. Wieder aber doch nur die Manifestation der Projektion, wieder nicht behobener Mangel, wieder unbefriedigend… Dieses Spiel kann man lange betreiben, so lange bis man sich verbraucht hat, immer das elende Ticken der Uhr im Hinterkopf das anzeigt wie die Lebenszeit verrint.

Blatt für Blatt kleben wir an den Baum, zwei für jedes das abfällt. Jedes bunt und schön und gross, aber dennoch künstlich an ihn geheftet und dem Sturm der Lebenswahrheit kaum gewachsen. Was bleibt ist dieser ewige Durst, dieser nicht stillbare Hunger nach dem SELBST. Knietief steht man in all den Projektionen und schimpft auf den Wind der sie einem vom Ast gerissen hat, wieder und wieder. Also weiter maulen, projizieren, manifest werden lassen, enttäuscht sein, und weiter machen wie bisher, immer in der Hoffnung dass endlich, endlich, endlich das Blatt am Baum bleiben möge, immer in der (be)trügerischen Hoffnung dass man endlich selbst zum Baum wird. Aber man wird nur zum Blatt, zum angeleimten.

So wie man Blätter an die Äste klebt, macht man es oft auch mit Federn – mit fremden versteht sich. So sind die buntesten Vögel ohne Fremdbefiederung eigentlich grau und nackt – so nackt wie der Ast auf dem sie sich festkrallen. Und fremde Federn gibts zu Hauf im Angebot! Ganze Berge! So gellend schrill manche, dass der Hausverstand einem rät nicht darauf reinzufallen. Aber es scheint dass so manches recht übel auf´s Gehrin drückt – denn es wird trotzdem gerne und willig zugelangt und angeklebt was das Zeug hält. Und man muss all das sehr gut kleben, also mit Glauben festpappen, denn der Wind der Lebenswahrheit zerrt und zieht und schert sich einen Dreck darum ob das grade in das eigene Konzept passt oder nicht. Auf den Leim ist man gegangen…

Zurück zum Stamm, zurück zu den Wuzeln, den eigenen, den spirituellen: Man hat ja die Wahl. Es geht um Haltung. Es geht darum sich manchem zu verwehren. Es geht darum Spiritualität nicht mit Konsum zu verwechseln. Es geht um diese berühmte Sache von „Haben oder Sein“. Es geht um´s Ganze. Es geht um Seelenheil und Herzensweg. Es geht um die eigene Existenz und worüber man sich definiert. Es geht um DICH – ging es ja eigentlich immer schon. Es geht darum, den Mut aufzubringen all den astreinen Unfug hinter sich zu lassen. Wie aber erkennen was Unfug ist und was echten Sinn macht? Wie das unnötige Wissen das einem eingetrichtert wird (auf eigenens Verlangen übrigens) von jenem Wissen unterscheiden, das einem nützt auf dem eigenen Weg? Naja, da kommt niemand und unterscheidet vorab für dich! Das liegt schon an dir selbst und hat mit Intellgenz – also mit der Fähigkeit zu wählen zu tun. Das muss man mal wagen, es probieren, das sich Versagen. Du fühlst es doch, es zieht, es spricht zu dir wenn du schweigst und wenn es ruhig wird um dich! Du hast ja längst entschieden – vielleicht fehlt nur noch der Mut, die Kraft für den ersten Schritt. Dein Herz kennt den Weg und deine Seele das Ziel, gib beiden die Chance ihre Bestimmung zu erfüllen!

Mich wundert manches Mal die Diskrepanz in dem was von bestimmter Seite als „Spiritualität“ verkauft bzw. dargestellt wird und jenen Menschen und Wegen denen man eben jene Spiritualität positiv unterstellt. Da ist dieser ganz einfache Mensch, weder besser noch schlechter als du oder ich, aber reich an spiritueller Erfahrung und firm in den Techniken die sich bewährt haben – und auf der anderen Seite diese übertriebene, überbunte und viel zu laute Prahlerei des anderen, der sich, und das ist das bizarre daran, auf den einfachen, den natürlichen Menschen und dessen Spiritualität beruft. Das geht nicht zusammen, nicht mit dem was ich so in den letzten dreissig Jahren erfahren durfte. Aber um es klar zu sagen, auch mir hat man die Blätter vom Baum geholt, mich gebeutelt, so lange bis da nichts mehr oben hing! Das war gut und richtig und nicht ganz schmerzfrei dazu. Auch mich hat man vor die Wahl gestellt, nein, besser noch, vor einen Abgrund der mich zur Entscheidung zwang! Da waren die Worte die man an mich richtete nicht lieb und nett und honigsüss – sie waren direkt, auf den Punkt und ohne wenn und aber! Da hat es schon mal geschluckt mein Ego und dann gelernt den Rand zu halten wenn Wahrheit an mich herangetragen wurde! Das war ein Weg und kein leichter, dennoch bitter nötig und heilsam obendrein!

Spiritualität ist ein Grundbedürfnis das gelebt sein will und muss. Lebt man sie, führt sie einen zum Selbst, zum Sein das der beschreibenden Worte kaum noch bedarf. Natürlich ist es ein Weg der gegangen sein will und Arbeit ist es auch. Aber dieses Tun macht Freude! Es reduziert uns auf`s Wesentliche, also auf das Wesen das wir sind – und so wie „Hingabe“ keine Vorstellung ist, so ist auch Spiritualität keine Projektion die zu geschönten Ergebnissen führt sondern ebenfalls Zustand aus dem sich Haltung ergibt. Diese Haltung sorgt vielleicht für Irritation im Umfeld. Man ist nicht mehr mit der Masse im selben Boot – nun, was soll`s? Verpflichtet bis du nur Dir selbst – nicht den falschen Federn und angeleimten Blättern die man uns als unabdingbar einreden will. Nur deinem Selbst bist du im Wort und jener Kraft die dich erschaffen hat!

Die Lebenswahrheit ist oft ein reinigender Sturm der gut tut und heilsam ist.

So werden wir zum authentsichen Baum mit eigenen Blättern, jederzeit bereit sie wieder los zu lassen.

herzlichst

Georg

 

 

 

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Blattsalat

Jetzt ist er wohl da der Herbst, ganz ohne Zweifel. Ich sitze vor meinem PC mit Blick auf den sich ganz langsam entlaubenden Garten, den rauschenden Wald. Es geht ein Blättersturm da draussen ums Haus. Die Bäume wiegen sich im der Richtung noch nicht ganz schlüssigen Wind. Der greift nach ihnen, fasst sie, windet sich in ihren Ästen. Er bringt die Äpfel, reif und rot zum tanzen und endlich zwingt er den einen oder anderen ins müde Gras. Alles scheint in Aufregung da draussen -so wie in einem selbst manchmal. Es scheint, als hätte das grosse Tosen und Sterben eingesetzt. Der Sommer ist vorbei, definitives Naturgesetzt und das Auge wie Ohr verwirrende Naturgewalt. Der Sturm rauscht. Wie im Leben auch, da aber oft blöde und ohne den Sinn des Neubeginns, und ganz ohne Ahnung von der winterlichen Ruhe die in absehbarer Zeit in allem sein wird. Natürlich dauert das noch hin – dennoch es kommt und es kommt überall. Auch die Medien tönen und rauschen ja uns noch lauter und heftiger ins Hirn und mancher, rauscht und stürmt unreflektiert zurück. Es scheint mir, als ob die grössten Arschgeigen auch immer die lauteste Musik machen nach der dann fast jeder tanzt. Man verzeihe mir die eigene Lautstärke grad, denn denn auch im Blätterwald der Medien herrscht lärmender Sturm, der sich manchmal bis ins Haus verirrt und dem man dann zu widerstehen hat. Der mediale Sturmangriff ist immer destruktiv. Er weiss nichts von der wahren Welt. Er kennt sie nicht. Er lügt.

Es mag an der Jahreszeit liegen, dass es so manchem gerade jetzt (endlich) auch die letzten welken Blätter der Vorstellung vom Egobaum weht. Da ist man bald nackt und das ist gut so. Man erkennt dass ausser dem Universum selbst, nichts ewig und von planbarer Dauer ist. Man erkennt, dass alles in Veränderung ist und das immer. Das ist auch die einzige Konstante: Veränderung. Menschen kommen und gehen. Sie sind einem nahe, sickern durch einen hindurch wie man selbst eben auch durch sie hindurch sickert. Ein Moment der Innigkeit, dann sich lösen, sich entfernen um einander irgendwann wieder zu begegnen – dann neu und anders und stärker oder klarer. Auch Freundschaften sind Bäume welche die Blätter verlieren und neue bekommen werden, Jahr für Jahr. Mag sein dass auch so mancher Baum fällt und vergeht. Dennoch hat er Früchte getragen. Die Samen sind neu gesetzt und diese werden aufgehen. Langsam und unscheinbar und vielleicht an anderem, nie vermuteten Ort. Dennoch ewig. Auch das ein tröstendes Wunder, eine Ahnung von Schöpferkraft.

Auch so manche Lebensblödheiten fallen vom eigenen Geäst. Manche still und leise, andere knisternd und klirrend wie nach dem ersten Frost, der sicherlich bald kommen wird. Mag sein dass der Baum der man ist, dann kahl sein wird und ohne hübsches Blattwerk. Dennoch bleibt der Baum was er ist, gewachsen in diesem Jahr, gestärkt, besser verwurzelt und gut. Da tut das fehlende Blatt nichts zur Sache. Ihm nachzuweinen wäre ohne Sinn. Das Abgefallene als Dünger zu sehen nützt da schon mehr. Vor allem ist es die Erkenntnis der ewigen Wiederkehr, die einem das nacktwerden erleichtert. Manchmal reisst der Sturm auch einen Ast vom Baum, morsch und krumm, nutzlos und zuvor nicht sichtbar in all dem Grün. Auch das ist gut. Schmerzhaft vielleicht, aber nur natürlich. Der Ast ist ab. Einer weniger um sich dran aufzuhängen, einer weniger auf dem sitzend man sich hätte prima selbst absägen können.

So steht man da, bald ganz oben ohne, bis auf die Borke nackt, knöcheltief im eigenen, welken Blattsalat eines doch üppigen und fruchtbaren Jahres. Das tut ja auch gut, wenn einem dies und jenes von den Ästen genommen wird! Es ist, wenn man es wagt, sogar befreiend. Man muss sich um das alles was da anhaftete nicht mehr bemühen! Man erkennt auch die eigenen, gesunden Äste wieder und sieht wie ähnlich sie den Wurzeln sind. Man begreift allmählich, weil nicht mehr so beeindruckt von all dem oft etwas präpotenten Grün an einem, dass das Oben und das Unten eins sind. Man erkennt, dass die Tiefe in der man wurzelt gleich der Höhe ist in die man strebt. Man entdeckt dass man ja auch das Unten, die starke Wurzel ist und dass eben sie es ist, die einem Stand und Ruhe und Kraft im Sturm des Lebens gab und gibt. Die alten Wege wissen wie man dieses „sich entblättern“ fördern kann, wie man es unterstützt, wie man sich im Wechsel zurecht findet. Dankbar für diese Wege und für das Wissen dass man mir gab blicke ich nach draussen. Ernte. Feuerholz für die Schwitzhütte. Wandlung. Alles ist gut.

Also nichts nachweinen! Keine Sentimentalitäten strapazieren! Kein weinerlicher Blick auf die abgefallenen Blätter, so schön sie auch gewesen sein mögen und so bunt sie jetzt im Tode vielleicht sind! Kein Vergleichen des nunmehr langsam absterbenden Blätterschmuckes! Lass fahren, lass sein, lass dir abgenommen sein die Last des Vergangenen! Lass die Freunde ziehen, sie sterben ja nicht, sie kommen wieder, anders oder neu und wenn nicht dann eben nicht. Es ist der Lauf der Natur, der Zauber des Überganges. Da wo sich Tod und Geburt zu Ewigem vermählen liegt alle Erkenntnis die es braucht um zu bestehen! Es ist der Kreis als Ganzes der begriffen sein will und nicht bloss die ihn begrenzede Linie die unsere Aufmerksamkeit fordert! Es ist sein Inhalt der uns lehrt dass alles ohne Ende ist  – Es ist ewiges, wandelndes Sein und du selbst, ganz Wunder, bist ein Teil davon! Und die Wärme die dann im aussen vielleicht fehlen mag, die strahle aus dir selbst! Du hast sie ja im Herz gesammelt jeden Tag, mit jedem Atemzug!

Lasst ihn uns also begrüssen den Herbst. Lasst uns freudig die Blätter von den Ästen wehen! Besehen wir uns das Verbrauchte nicht Blatt für Blatt sodern als Ganzes und das lächelnd! Schütteln wir das Alte tapfer ab! Senken wir dankbar den Blick und betrachten wir uns selbst – unser starkes Wurzelwerk! Dann heben wir den Blick zum Himmel, jetzt frei und ohne Blattwerk und so erkennen wir das Ewige in uns! Es wird ein guter Herbst! So wird es auch ein guter, ruhiger Winter und so wird es auch ein wunderbares Erwachen sein, im Frühjahr, dann wenn wieder erste Triebe aus uns spriessen!

 

Ich freue mich auf das Tun mit Euch!

Auf dass die letzten Blätter im ewigen Rund der Schwitzhütte fallen mögen und wir unbeschwert und rein in neue Zeiten treten!

herzlichst

 

Georg

 

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Wie es entsteht

Alles was wir tun, alles was wir auf La Mesada anbieten hat sich über viele Jahre entwickelt. So sitzen Heidi und ich  jedes Jahr vor der Jahresplanung und nehmen das mit auf, was sich aus unserem Tun, auch aus unserer persönlichen Entwicklung ergeben hat. Begonnen hat mein Tun ja vornehmlich mit meiner Arbeit als Schamane und Curandero. Tausende Behandlungen in all den Jahren und ebenso viele Erfahrungen sind das Feld, auf dem das gewachsen ist was wir hier auch anderen zugänglich machen möchten. Viele Themen waren und sind da zu bearbeiten, je nachdem, durch welche Türe meine Klienten in den Raum treten den man Heilung nennt. Mal ist es die Türe des physischen Leidens, der Erkrankung, mal ist es jene des „wissen wollens“ oder der nötigen Neuorientierung. Jedes mal ist es anders und doch sind manche Themen, weil sie den Menschen als Ganzes betreffen eben ähnlich. Daraus ergibt sich das, was wir auf La Mesada anbieten.

So war es schon immer – und so sind auch die Preise 2019 die selben. Wir stellen uns seit Jahren gegen den elenden Trend, Jahr für Jahr teurer zu werden oder mit immer weniger an Angebot und Einstaz und Qualität immer mehr zu erwirtschaften. Dieser Trend ist, bei allem notwendigem wirtschaftlichen Denken und aller steuerlichen Belastung der man ausgesetzt ist, nicht im Sinne dessen was wir tun. La Mesada will zwar erhalten sein, aber es geht eben auch anders – das nur so nebenbei erwähnt. Wir sind angekommen hier im wunderbaren Südburgenland und das ist auch der Grund warum wir nicht mehr so viel reisen um zu arbeiten. Viele Jahre sind wir in Österreich und Deutschland unterwegs gewesen, haben Seminare abgehalten, Behandlungen gemacht, Vorträge gehalten usw. Jetzt ist unser Zentrum hier auf La Mesada“ und wir sind froh darüber dass so viele zu uns kommen, von weit her, sehr weit her – das ehrt uns und bestärkt uns in unserem Tun!

Nicht der bunte Mainstream ist es an dem wir uns orientieren, sondern die Bedürfnisse des Einzelnen, die sich dann auch zwangsläufig für Mehrere decken. Alle sind wir Mensch. Alle haben wir unsere Nöte, Sorgen, Interessen und alle sind wir Suchende. Daraus ergibt sich das, was man gemeinhin „Nachfrage“ nennt: Schwitzhütten zu bestimmten Themen, die Arbeit mit den Ahnen, die „Tage der Kraft“ um wirkliche Prozessarbeit tun zu können, Themen aus dem weiten Feld des Curanderismo und vieles mehr – alles um in Bewegung zu kommen und in Bewegung zu bleiben, alles um die Entwicklung des Menschen zu fördern, denn das ist es worum es geht: Wirkliche Entwicklung und tiefe Selbsterfahrung!

Dieser gerade Weg mag natürlich auch manchmal Neider (was einen ja eher bestätigt) oder gar Gegner (was selten ist und einem egal sein kann) auf den Plan rufen. Unser Fokus liegt aber woanders, nicht in der Entgegnung oder gar im offenen Widerstand – denn nie sind wir mit etwas mehr verbunden, als eben in diesem Widerstand! Das kostet nur unnötig Zeit und Energie. Dennoch lassen wir uns nicht verbiegen. Wir tun was wir können und wir können was wir tun, mehr geht nicht 🙂 Dass es immer Impulse von aussen gibt ist klar, sie aber umzusetzen in individuelles Tun, das authentischer Entwicklung und Erfahrung entspringt ist eine ganz andere Geschichte – es ist eben ein Weg, und mein Weg begann mit einundzwanzig Jahren – ein Zeitraum den ich kaum noch überblicken kann…

Heidi und mich hat es auch nie viel interessiert was andere tun, ganz einfach darum, weil wir  selbst tun und die Entwicklung von La Mesada sich eben an dem orientiert was nötig ist um positive Veränderung zu bewirken. So kommt manches über die Jahre hinzu. Ab 2019 z.B. ein Tag der Arbeit mit den Ahnen und endlich (wieder) Frauenschwitzhütten welche natürlich Heidi abhalten wird. Wer Heidi`s Schwitzhütten kennt, Heid`s gerade Art, ihren tiefen Zugang, der weiss diese Erfahrungen zu schätzen und zu lieben!

So hat sich über die Jahre, und es sind weit mehr als zwanzig, (zehn davon hier auf La Mesada im Südburgenland) eine recht kompakter Themenkreis gebildet den wir hier bearbeiten. Da bleibt da auch kaum Zeit um Bücher zu schreiben (auch da wird öfters nachgefragt), ganz einfach weil ich mit dem TUN ausgelastet bin und die Theorie, so sie überhaupt von Wichtigkeit ist, sich in der praktischen Umsetzung eigentlich erübrigt. Zudem habe ich keine Lust mich beim Schreiben an irgendwelche Vorgaben zu halten oder putzige Erwartungshaltungen erfüllen zu müssen. Natürlich braucht es manches an Erklärung, aber ich erkläre die Dinge lieber dem organischen Gegenüber – und wer mich kennt weiss, dass mir die Erklärung nur eine Brücke ist, die dann zur notwendigen Handlung führt. Auch zur Missionierung fehlt mir der Drang und jegliches Interesse daran jemanden von irgendwas zu überzeugen. Ich habe nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und kann nur aus meiner ganz persönlichen Erfahrungskiste das eine oder andere hervorkramen das nützlich ist. Ich kann auch nur das anbieten, was ich an mir selbst als hilfreich erfahren habe, das was sich bewährt hat, in meiner tagtäglichen Praxis, in der Praxis meiner Lehrer und Unterstützer, manches schon seit ewigen Zeiten.

Letztlich ist es wieder einmal die berühmte Mundpropaganda, das Weiter-Empfehlen, die positiven Rückmeldungen die uns Erfolg haben lassen und uns ermöglichen all das hier anbieten zu können. Dafür an alle die uns über die Jahre besucht haben, hier mal ein ganz grosses DANKE! – denn ohne Euch würde La Mesada gar nicht existieren!

Alles was Heidi und ich tun ergibt sich aus unserer persönlichen Entwicklung. Alles was hier auf La Mesada geschieht, ist Quintessenz dessen was es braucht um wieder näher der Mitte zu kommen. Heilung und Krankheit sind ja auch der selbe Weg – nur eben unterschiedliche Richtungen. Auch die Krise will durchlebt und verstanden sein. So ist es unsere Aufgabe, jene die durch eine Krise zu uns finden sie durch diese hindurch zu führen und nicht um sie herum (was vielleicht bequemer für alle wäre). Wir nehmen diese Aufgabe ernst, ihr haben wir uns verpflichtet. Wir arbeiten an uns, mit euch gemeinsam, mit dem was wir an Wissen und Werkzeug haben, Mit Herz und mit Hern, mit Humor und mit aller Ernsthaftigkeit die es nötigt, mit aller Hingabe die uns möglich ist, geführt, geleitet, wissend und staunend zu gleich. 

Die Arbeit mit unseren Ahnen, ab 2019 in einem Tagesseminar, ist mir deshalb gerade jetzt so wichtig und nahe, da sich mir durch den Tod meines Vaters, auch hier ein neuer, anderer und wichtiger Zugang eröffnet hat. Vieles was ich zu diesem Thema in Mexiko und anderswo lernen durfte macht erst jetzt so richtig Sinn. So ist es und war es immer das Leben selbst, das mich zu jenen Dingen geführt hat, die ich nunmehr seit langer Zeit auch anderen zugänglich zu machen versuche.

Auch die Zeit in der wir alle leben mag eine Rolle spielen, die Qualität des Jetzt, das aktuell manchen ein bedrohliches Chaos zu sein scheint. Mir ist die Welt nicht fremd, ich verdränge nichts in ihr, sehe das eine wie das andere, das gute ebenso wie das schlechte. Mir ist die Welt nicht Feind und es geht wahrlich nicht darum ihr zu entfliehen oder sie zu verdrängen! Es gilt hinzusehen, stark im Herzen, mit ruhiger Mitte! Natürlich ist es eine schnelle Zeit, eine laute, eine verführerische und ablenkende. Man erkennt vieles und begreift, dass es gerade in Zeiten des Sturmes eines sicheren Hafens bedarf, in dem man Kraft schöpfen und zur Ruhe kommen kann, um dann gestärkt und ruhiger wieder hinauszufahren aufs weite Meer der Systeme in die wir geboren sind.  Zur Ruhe kommen, die eigene Mitte finden, Kraft schöpfen und neu werden um der Welt neu und freudig zu begegnen – auch das ist etwas das hier auf La Mesada auf wunderbare Weise wieder und wieder geschieht! Hier geschieht Veränderung am Selbst! Hier verändern wir auch Realitäten! Hier entsteht Resonanz! Hier ändern wir die Welt!

So ist La Meada gewachsen, so ist dieses Zentrum entstanden, so beginnt Neues das wir anbieten – immer aus der praktischen Erfahrung heraus, immer für Jene die zu uns finden, für den Menschen in all seinem Suchen, Tun und wunderbarem Sein!

wir freuen uns auf Euch!

Georg und Heidi

 

 

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Am Ende ist es der Anfang

So steht man da am frischen Grab. Emotional. Alles ist ganz anders als vorgestellt oder erwartet, befürchtet vielleicht auch. Trauer. Wie das alles fassen? Wie verstehen, dass ein Mensch, der eigene Vater nicht mehr ist? Fern war er einem. Wie wenn eine Wand dazwischen gestanden hätte all die Jahre – nein all die Jahrzehnte. Eine Wand aus Meinung, aus Projektion, aus Vorwurf, aus Urteil und Wertung, unbewusst von beiden errichtet. Plötzlich aber ist sie fort diese Wand. Nichts mehr zwischen ihm und mir. Da ist eine Grundschwingung, eine Akkord der jetzt wieder hörbar ist. Liebe auch, die sich nie so recht in Wort oder Tat  hat ausdrücken können. Beide Seiten hatten ihre Hemmnisse. Auch ich war streckenweise taub und blind.

Ich kenne das schon, wenn jemand geht. Irgend jemand eben, nicht verwandt sondern bestenfalls bekannt. Wenn es dann aber dich selbst betrifft, wenn der Mensch der da nun nicht mehr ist, mit dir das selbe Blut teilt, wenn er der Stamm ist aus dem du selber gewachsen bist, dann ist es verdammt anders. Da tut sich auch eine ungeahnte Tiefe auf. Eine Tiefe die man schon im Leben, jetzt da man klarer ist im Geist so gerne gehabt hätte. Doch die Zeit kennt kein Zurück. Sie schreitet einem eilig voran und man ist immer etwas hinterher. Dennoch wird das Jetzt zu einer Brücke, auf der man sich neu und frei begegnen kann, auf einer anderen Ebene. So vieles löst sich von einem ab. So vieles wird Wunder. „Es endet nicht – nein es beginnt gerade“ ist die Erkenntnis!

Träume. Tief und eindrücklich. Der Vater mit einem mal nahe wie nie, aber ganz frei von allem was das „wir“, das „du“ behindert hat. Etwas lebt in mir auf, neu und doch bekannt. Es ist das Gefühl für „Sohn“ sein. Das schwere Herz wird leicht. Das macht nachdenklich und mit den Gedanken kommen die Bilder. Wenige erst, dann aber mehr und mehr. Episoden tauchen auf, die wie verschüttet waren unter dem gewöhlichen, alltäglichen Gedankenmüll den man zum Thema im Laufe der Jahre produziert und über all das häuft was wesentlich wäre. Das tut wohl dass es so kommt, bei jedem. Es ist gut zu wissen dass da ein natürlicher, ja heilsamer Prozess der Trauer und der Aufarbeitung wirkt, den man nur zuzulassen braucht. Kein „müssen“ ist da gefordert sondern ein „zulassen können“ von dem was eben ist. Natürlich taucht auch das „Verabsäumte auf“ das „was wäre gewesen wenn“. Unveränderlich bleibt die Vergangenheit, ungerührt von all der Bemühung es so gerne anders gemacht, gesagt, gesehen zu haben! Man scheitert darin jämmerlich. Da lässt sich nichts mehr umschreiben. Aber in diesem  Scheitern taucht plötzlich ein Gefühl auf – Liebe ist ein Faktum! Sie ist eine Konstante! Sie ist ein Naturgesetz wie die Schwerkraft eben auch! Sie ist es die alles heilt, die aus Distanz Nähe macht! Sie ist es die den Sohn dem Vater und dem Vater den Sohn nahe bringt, uns beide verbindet über den Tod hinaus.

Ich stöbere in den zurückgelassenen Papieren. Ich finde Fotos und Notizen, erkenne seine Handschrift und Gedankengänge die darin konserviert sind – erkenne Ihn. Dem Archäologen gleich, arbeite ich mich durch die Schichten. Von eben erst, bis weit in die Vergangenheit und doch ist alles, weil es im Moment empfunden, gesehen und begriffen wird im Jetzt. Auch das tut wohl. Auch das ist heilsam, auch wenn es viel Kraft braucht. Banales wie sehr Intimes taucht da vor einem auf und der Vater nimmt noch einmal Gestalt an – in all seinen Nöten und Freuden, all seinen Plänen, Hoffnungen und Träumen, in allem Erreichten und Vergebenen, in jedem Sieg und jedem Scheitern. Ich erkenne dass er getan hat was ihm möglich war, so wie ich auch. Da ist viel Gutes. Auch das Geschenk meiner eigenen Existenz! So bin ich meines Vaters Sohn – so bin ich, wenngleich ganz eigene Persönlichkeit, auch er. Es ist die Haut aus der man glaubt nicht zu können – Ach hätte ich sie mir schon früher vom Leib geschält – aber ich konnte nicht, so wie er auch. Das einzusehen hilft. Jeder tut was er vermag – auch eine Erkenntnis.

Leicht ist es wahrlich nicht. Man versucht sein Bestes und regelt was eben zu regeln ist. Man spricht mit anderen die im nahe waren und, manchmal tränenreich, ergibt sich ein Bild, ein Ganzes. Der einem zuvor so fremde Vater wird nahe, wird klarer und greifbarer. Ich weiss dass es dauern wird. Ich weiss, dass alles seinen Sinn und seinen natürlichen Ablauf hat. Man geht aufeinander zu, im Leben wie im Tod, Schritt für Schritt. Auch das endet nicht.

Nun weiss ich mehr. Ich weiss mehr über ihn. Ich weiss mehr über mich. Und ich weiss dass ich meinen Vater im Tode nicht verloren, sondern ihn gefunden habe – und dafür bin ich unendlich dankbar.

Warum ich das schreibe? Nun, weil mir das Schreiben Natur ist und es mir hilft, weil es auch Aufarbeitung ist und mir das beinahe Unfassbare greifbarer macht. Ich schreibe das, weil es dem einen oder anderen, der liest und versteht, vielleicht ein wenig Hilfe sein mag, denn irgendwann betrifft es jeden. Ich schreibe es, weil ich diese Erfahrung für wertvoll und wichtig halte – so wertvoll und wichtig dass ich sie mit Euch teilen will.

Nichts endet, alles beginnt

herzlichst

Georg

 

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