Astrein

Astrein

Jetzt ist das Blatt ab. Das eine das noch am Baum hing. Jetzt ist er nackt der Ast, rein möchte man sagen und man erkennt ihn gut. Jetzt folgt man ihm, zum Stamme hin bis zu den starken Wurzenln, bis zur Quelle seines Seins. Astrein. Ungelogen. Das Blatt das eben fiel, ist von ihm und doch fern von ihm, jetzt am Boden, kaum mehr von den anderen zu unterscheiden. Manchmal wünsche ich mir dass sie von allen fallen die Blätter, die allzu bunten. Aber sie wachsen nach, so schnell kann man gar nicht „Herbst“ sagen oder „Unsinn“. Man sieht den Baum vor lauter Blättern nicht mehr. Spiritualität soll das dann sein. Schreiend bunt, fast tägliche Neuauflage. Da erfinden manche das Rad wieder und wieder neu, bis es eckig ist. Rund läuft da nichts mehr. Es scheint, als ob man Angst hat vor dem Baum, der Wahrhaftigkeit. Es kommt einem vor, dass beinahe alles der Übertreibung bedarf um wahrgenommen zu werden. Laut muss es sein und bunt und viel und billig natürlich. Reduktion ist das Reizwort. Ignoranz ist die Pest unsers Jahrhunderts.

Da herrscht ein stiller Mangel in vielen von uns. Ein Mangel, der sich im Endergebnis bitter zeigt – er schafft Realität, unbestritten. Natürlich ist das Endergebnis dann unbefriedigend, nicht schön, angenehm auch nicht. Also projiziert man auf die Leinwand die man sich aufspannt und benennt eine bessere Realität, ein geschöntes Ergebnis. Dann gibt man jede Menge an Kraft und Energie hinein und die Projektion wird manifest, sie wird real. Aber auch sie ist doch nur Manifestation der Projektion, also noch lange nicht behobener Mangel und darum ist das geschönte, erhoffte Endergebnis wiederum unbefriedigend! Also schnell eine neue, verbesserte Projektion schaffen – Projektion 2.0 möchte man sagen. Und wieder mit viel Kraft und Energie wird diese manifest. Wieder aber doch nur die Manifestation der Projektion, wieder nicht behobener Mangel, wieder unbefriedigend… Dieses Spiel kann man lange betreiben, so lange bis man sich verbraucht hat, immer das elende Ticken der Uhr im Hinterkopf das anzeigt wie die Lebenszeit verrint.

Blatt für Blatt kleben wir an den Baum, zwei für jedes das abfällt. Jedes bunt und schön und gross, aber dennoch künstlich an ihn geheftet und dem Sturm der Lebenswahrheit kaum gewachsen. Was bleibt ist dieser ewige Durst, dieser nicht stillbare Hunger nach dem SELBST. Knietief steht man in all den Projektionen und schimpft auf den Wind der sie einem vom Ast gerissen hat, wieder und wieder. Also weiter maulen, projizieren, manifest werden lassen, enttäuscht sein, und weiter machen wie bisher, immer in der Hoffnung dass endlich, endlich, endlich das Blatt am Baum bleiben möge, immer in der (be)trügerischen Hoffnung dass man endlich selbst zum Baum wird. Aber man wird nur zum Blatt, zum angeleimten.

So wie man Blätter an die Äste klebt, macht man es oft auch mit Federn – mit fremden versteht sich. So sind die buntesten Vögel ohne Fremdbefiederung eigentlich grau und nackt – so nackt wie der Ast auf dem sie sich festkrallen. Und fremde Federn gibts zu Hauf im Angebot! Ganze Berge! So gellend schrill manche, dass der Hausverstand einem rät nicht darauf reinzufallen. Aber es scheint dass so manches recht übel auf´s Gehrin drückt – denn es wird trotzdem gerne und willig zugelangt und angeklebt was das Zeug hält. Und man muss all das sehr gut kleben, also mit Glauben festpappen, denn der Wind der Lebenswahrheit zerrt und zieht und schert sich einen Dreck darum ob das grade in das eigene Konzept passt oder nicht. Auf den Leim ist man gegangen…

Zurück zum Stamm, zurück zu den Wuzeln, den eigenen, den spirituellen: Man hat ja die Wahl. Es geht um Haltung. Es geht darum sich manchem zu verwehren. Es geht darum Spiritualität nicht mit Konsum zu verwechseln. Es geht um diese berühmte Sache von „Haben oder Sein“. Es geht um´s Ganze. Es geht um Seelenheil und Herzensweg. Es geht um die eigene Existenz und worüber man sich definiert. Es geht um DICH – ging es ja eigentlich immer schon. Es geht darum, den Mut aufzubringen all den astreinen Unfug hinter sich zu lassen. Wie aber erkennen was Unfug ist und was echten Sinn macht? Wie das unnötige Wissen das einem eingetrichtert wird (auf eigenens Verlangen übrigens) von jenem Wissen unterscheiden, das einem nützt auf dem eigenen Weg? Naja, da kommt niemand und unterscheidet vorab für dich! Das liegt schon an dir selbst und hat mit Intellgenz – also mit der Fähigkeit zu wählen zu tun. Das muss man mal wagen, es probieren, das sich Versagen. Du fühlst es doch, es zieht, es spricht zu dir wenn du schweigst und wenn es ruhig wird um dich! Du hast ja längst entschieden – vielleicht fehlt nur noch der Mut, die Kraft für den ersten Schritt. Dein Herz kennt den Weg und deine Seele das Ziel, gib beiden die Chance ihre Bestimmung zu erfüllen!

Mich wundert manches Mal die Diskrepanz in dem was von bestimmter Seite als „Spiritualität“ verkauft bzw. dargestellt wird und jenen Menschen und Wegen denen man eben jene Spiritualität positiv unterstellt. Da ist dieser ganz einfache Mensch, weder besser noch schlechter als du oder ich, aber reich an spiritueller Erfahrung und firm in den Techniken die sich bewährt haben – und auf der anderen Seite diese übertriebene, überbunte und viel zu laute Prahlerei des anderen, der sich, und das ist das bizarre daran, auf den einfachen, den natürlichen Menschen und dessen Spiritualität beruft. Das geht nicht zusammen, nicht mit dem was ich so in den letzten dreissig Jahren erfahren durfte. Aber um es klar zu sagen, auch mir hat man die Blätter vom Baum geholt, mich gebeutelt, so lange bis da nichts mehr oben hing! Das war gut und richtig und nicht ganz schmerzfrei dazu. Auch mich hat man vor die Wahl gestellt, nein, besser noch, vor einen Abgrund der mich zur Entscheidung zwang! Da waren die Worte die man an mich richtete nicht lieb und nett und honigsüss – sie waren direkt, auf den Punkt und ohne wenn und aber! Da hat es schon mal geschluckt mein Ego und dann gelernt den Rand zu halten wenn Wahrheit an mich herangetragen wurde! Das war ein Weg und kein leichter, dennoch bitter nötig und heilsam obendrein!

Spiritualität ist ein Grundbedürfnis das gelebt sein will und muss. Lebt man sie, führt sie einen zum Selbst, zum Sein das der beschreibenden Worte kaum noch bedarf. Natürlich ist es ein Weg der gegangen sein will und Arbeit ist es auch. Aber dieses Tun macht Freude! Es reduziert uns auf`s Wesentliche, also auf das Wesen das wir sind – und so wie „Hingabe“ keine Vorstellung ist, so ist auch Spiritualität keine Projektion die zu geschönten Ergebnissen führt sondern ebenfalls Zustand aus dem sich Haltung ergibt. Diese Haltung sorgt vielleicht für Irritation im Umfeld. Man ist nicht mehr mit der Masse im selben Boot – nun, was soll`s? Verpflichtet bis du nur Dir selbst – nicht den falschen Federn und angeleimten Blättern die man uns als unabdingbar einreden will. Nur deinem Selbst bist du im Wort und jener Kraft die dich erschaffen hat!

Die Lebenswahrheit ist oft ein reinigender Sturm der gut tut und heilsam ist.

So werden wir zum authentsichen Baum mit eigenen Blättern, jederzeit bereit sie wieder los zu lassen.

herzlichst

Georg

 

 

 

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